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Ein neuer Anlauf der Spitzenteams

An den am Freitag beginnenden Curling-EM in Östersund messen sich Schweizer Teams, die sehr langfristig planen: bis Olympia 2026. Es sind dies Aarau (Silvana Tirinzoni) und Genf (Yannick Schwaller).

Agentur
sda
18.11.22 - 04:00 Uhr
Wintersport

Tirinzonis Curlerinnen erlebten in der vergangenen Saison zuerst eine riesige Enttäuschung und nachher eine riesige Freude. An den Olympischen Spielen in Peking hatten sie als Siegerinnen der Round Robin alles für einen Medaillengewinn vorbereitet. Aber sie verloren sowohl den Halbfinal gegen Japan als auch das Spiel um Bronze gegen Schweden. «Ja, für uns war dies eine enorme Enttäuschung», sagt Skip Tirinzoni, die 43-jährige Zürcherin, noch Monate später.

Drei Wochen nach den Winterspielen räumten Melanie Barbezat, Esther Neuenschwander, Silvana Tirinzoni und Alina Pätz an der Frauen-WM im kanadischen Prince George komplett ab. Mit der bestmöglichen Bilanz von 14:0 Siegen wurden sie zum dritten Mal am Stück Weltmeisterinnen - was vorher keinem Frauenteam irgendeiner Nation gelungen war.

Vakanzen rasch wieder gefüllt

Melanie Barbezat und Esther Neuenschwander zogen sich vom Spitzencurling zurück. Silvana Tirinzoni und Alina Pätz, ihre Schlüsselspielerin auf der vierten Position, trafen danach den für das ganze Schweizer Curling wichtigen Entscheid: Sie gehen ihren gemeinsamen Weg vier Jahre weiter, bis zu den Olympischen Spielen 2026 in Mailand.

Die Vakanzen auf den Positionen 2 und 1 waren bald mit erstklassigen Kräften gefüllt: mit der Zugerin Briar Schwaller, der älteren Tochter von Olympiasieger Patrick Hürlimann, und der Langenthalerin Carole Howald, die in den letzten acht Jahren als valable Ersatzspielerin an Grossanlässen mit dem Spitzencurling vertraut wurde. In Östersund werden die Aarauerinnen um ihren ersten EM-Titel kämpfen. 2018 in Tallinn stand Tirinzonis Crew im Final, unterlag jedoch den Erzrivalinnen aus Schweden um Skip Anna Hasselborg.

Wechsel auch im Genfer Team

Auch die Männer des CC Genf hatten sich an den Winterspielen in Peking mehr vorgenommen. Sie verpassten die Halbfinals. Skip Peter De Cruz und die Nummer 1 Valentin Tanner hörten auf. Aber auch hier entstand etwas Neues, Hoffnungsvolles. Der Skip Yannick Schwaller aus der Solothurner Curling-Dynastie Schwaller verliess die Formation Bern Zähringer und schloss sich seinem vormaligen Genfer Rivalen an. Schwaller spielt weiterhin als Skip, jedoch auf der dritten Position. Benoît Schwarz bleibt die Nummer 4, Sven Michel rückt von der dritten auf die zweite Position. Der baumlange Lausanner Perspektivspieler Pablo Lachat, der auch einen erstklassigen Wischeinsatz einbringt, spielt auf Position 1. Lachat spielte zuletzt als Ersatzmann im Genfer Team.

In der internen Schweizer EM-Ausscheidung, für welche die Ergebnisse von freien Turnieren herangezogen wurden, setzten sich Aarau und Genf deutlich durch. Beiden glückten in Europa und in Kanada reihenweise Turniersiege und weitere Spitzenplatzierungen. An der Form dürfte es im EM-Turnier in beiden Equipen nicht fehlen.

Ohne Edin und Muirhead

Fehlen werden in Östersund zwei grosse Skips. Niklas Edin, der schwedische Olympiasieger und unersättliche Titelhamsterer, unterzieht sich einer fälligen Operation. Er überträgt das Kommando seiner Nummer 3 Oskar Eriksson. Die Schottin Eve Muirhead beendete nach dem Olympia-Triumph in Peking ihre Karriere, während der sie 2013 auch Weltmeisterin geworden war. An der EM wäre sie als Titelverteidigerin gestartet.

Familiäre Bande

Die beiden Schweizer Teams werden sich in Östersund nicht aus dem Weg gehen. Hierfür wären die familiären Bande viel zu stark. Je zwei Spielerinnen und Spieler sind Lebenspartner. Die Zugerin Briar Hürlimann (29) und der Solothurner Skip Yannick Schwaller (27) haben unlängst geheiratet. Die Zürcherin Alina Pätz (32) und der Berner Oberländer Sven Michel (32) sind nicht verheiratet, aber seit langem ein auf dem «Bödeli» wohnendes Paar.

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