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Cologna gewinnt den «Engadiner» und macht Langlaufen in der Schweiz sexy

Cologna gewinnt den «Engadiner» und macht Langlaufen in der Schweiz sexy

Am 11. März 2007 geht Dario Colognas Stern am Engadin Skimarathon auf. In den Jahren darauf schwingt sich der Münstertaler nicht nur zum erfolgreichsten Schweizer Winter-Olympioniken aller Zeit auf. Auch weckt er eine ganze Sportart aus dem Dornröschenschlaf.

vor 3 Monaten in
Wintersport

Dario Cologna wird als einer der erfolgreichsten Langläufer aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Jeweils vier Olympia-, Gesamtweltcup- und Tour-de-Ski-Siege zieren das Palmares des mittlerweile 34-jährigen Bündners. Auch im fortgeschrittenen Langlauf-Alter vermag der Mann aus der Val Müstair mit der Weltelite schrittzuhalten. Noch gar nicht lange ist es her, da hat Cologna den Weltcup gar dominiert. Der Langlauf-Sport in der Schweiz boomt.

Ganz anders präsentiert sich die Situation in den späten Nuller-Jahren. 2007 nehmen nur etwas mehr als 10'000 Personen am Engadin Skimarathon teil. Auf Stufe Weltcup fristen die Schweizer Athleten ein Schattendasein. Längst vorbei die Ära, in der Evi Kratzer oder Andy Grünenfelder in der Weltspitze mitmischten. In der Schweizer Jugend gilt Langlaufen als unsexy. In Zeiten der weiten und tiefsitzenden Hosen sind Freestyle-Sportarten Trumpf.

Evi Kratzer – auch ein goldenes Kapitel Bündner Sportgeschichte

Während die Organisatoren des Engadin Skimarathons fieberhaft überlegen, wie sie künftig wieder mehr Leute für eine Teilnahme am grössten Schweizer Langlauf-Event begeistern können, ahnen sie nicht, dass sich ihr Problem durch einen jungen Mann, der am 11. März 2007 mit der Nummer 222 in Maloja am Start steht und an diesem Tag seinen 21. Geburtstag feiert, von selber lösen wird.

Das ganze Rennen über läuft Dario Cologna an der Spitze mit – ohne sich mit Führungsarbeit aufzureiben. Dies wird vom Jungspund, der der breiten Öffentlichkeit noch unbekannt ist, schlicht nicht erwartet. Kurz vor dem Ziel erhöht Pietro Piller Cottrer das Tempo. Der erfahrene Italiener ist nicht sehr endschnell. Er will das Feld zu düpieren, noch bevor es zum Sprint kommt. Das Unterfangen scheitert, weil sich Cologna an Piller Cottrers Fersen heftet. In Colognas Sog kommen auch seine Schweizer Kollegen Toni Livers und Christian Stebler heran. Sie werden Zweiter und Dritter. Cologna selber ist im Sprint nicht zu schlagen.

«Vor so vielen Journalisten bin ich noch nie gesessen.»

Es ist der bisher grösste Sportmoment eines Talents, das 2006 bei der Junioren-WM mit Bronze über 10 km klassisch ein erstes Ausrufezeichen gesetzt hat. «Vor so vielen Journalisten bin ich noch nie gesessen», sagt Cologna an der Medienkonferenz nach dem Rennen. Als erster Sieger des Engadin Skimarathons gibt das Geburtstagskind auch in Romanisch Auskunft. In den Schweizer Gazetten wird der Schweizer Dreifachsieg frenetisch gefeiert. Mit Laurence Rochat gewinnt auch bei den Frauen eine Schweizerin.

Fortan und bis heute steht Cologna im Zentrum des Interesses, wenn von Schweizer Langläufern die Rede ist. 22 Monate nach dem Coup im Engadin gewinnt der Münstartaler erstmals die Tour de Ski. Im März 2009 kürt er sich als erster Schweizer Langläufer überhaupt und als Jüngster seit 25 Jahren zum Gesamtweltcupsieger. An den Olympischen Spielen 2010 in Vancouver holt er über 15 Kilometer Freistil als erster Schweizer Langläufer eine Goldmedaille. Eine zweite Goldmedaille an den Spielen in Kanada – im prestigeträchtigen «50er» – verpasst er nur wegen eines Sturzes in der Zielkurve.

Doch Colognas aussergewöhnliche Karriere ist lanciert – und damit auch der Image-Wandel des Langlauf-Sports in der Schweiz – Und im Corona-Winter 2020/21 dürfte sich der Langlauf-Boom in der Schweiz noch einmal akzentuieren.

Colognas Karriere und die Teilnehmerzahlen des «Engadiners» im Zeitstrahl

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