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Sargans tüftelt an unterirdischer Mega-Sportanlage

Am Montagmorgen ist in St. Gallen das Projekt «Sportvision Ost» vorgestellt worden. Als Teil des Konzepts ist im Sarganserland eine bahnbrechende Schneesportanlage unter Tage geplant. Die Vision: In rund zehn Jahren sollen Alpin-, Nordisch- und Sliding-Sportarten ganzjährig im Versuchsstollen Hagerbach praktiziert werden können.

Tobias
Kreis
Montag, 02. November 2020, 11:43 Uhr Langlaufexperte Adriano Iseppi ist begeistert
Versuchsstollen Hagerbach in Flums: Kommt hier einst der Eingang einer der weltweit innovativsten Sportanlagen zu liegen?
BILD RETO VONESCHEN

Die Region Ostschweiz soll sich neben der Eidgenössischen Hochschule für Sport Magglingen und dem Centro sportivo Tenero zum dritten nationalen Sportleistungszentrum entwickeln. Die Regierung hat am vergangenen Dienstag einen Unterstützungsbeitrag von maximal 250'000 Franken für eine Machbarkeitsstudie gesprochen.

Am Montag haben Regierungsrat Stefan Kölliker, Adrian Krüsi (Präsident Netzwerk Sport St. Gallen) und Markus Bonderer (Präsident Campus Ostschweiz Sargans) über das Projekt informiert. Das Projekt «Sportvision Ost» beinhaltet den Ausbau der Leistungszentren, der Kompetenzzentren (Medizin, Ernährung, Athletiktraining, Psychologie und mentales Training, Physiologie und Biomechanik, Diagnostik, Coaching, Energietherapie und Management, Finanz- und Vorsorgeberatung) und der Bildungszentren (Primarschule, Oberstufe, Berufslehre/Berufsfachschule, Mittel- und Hochschule) in der Ostschweiz.

Spektakuläre Anlage bei Sargans

Das Leuchtturmprojekt der «Sportvision Ost» ist im Sarganserland geplant. Im Versuchsstollen Hagerbach in Flums sollen unterirdische Schneesportanlagen entstehen. Sportlerinnen und Sportler aus alpinen, nordischen sowie Eiskanal-Sportarten könnten dann ganzjährig sportartspezifisch trainieren. Es wären Anlagen von «internationaler Ausstrahlung», wie an der Medienkonferenz betont wurde.

Topmoderne Sportinfrastruktur von nationaler und internationaler Bedeutung im Sarganserland? Kein Polemiker, wer hinter die Realisierbarkeit des Projekts einige Fragezeichen setzt. Das Projekt im Detail sowie Antworten der Verantwortlichen auf die brennendsten Fragen deshalb fortfolgend erläutert:

Was bietet die Schneesportanlage unter Tage?

  • Ganzjährige Trainingsmöglichkeiten für Breiten- und Spitzensport
  • Gleichbleibende Bedingungen
  • Simulationen (Höhentraining, Temperatur, Feuchtigkeit, Licht)
  • Neue Möglichkeiten für die Forschung
  • Umweltschonende Einbettung

Wer steht hinter dem Projekt?

Wie die Verantwortlichen betonten, unterstützt mit Swiss Olympic der nationale Dachverband des organisierten Sports das Projekt «Sportvision Ost». Vorinformiert ist weiter das Bundesamt für Sport Baspo, das im Rahmen des Nationalen Sportanlagenkonzepts Nasak entscheiden wird, für welche Projekte in der nächsten Förderperiode von 2022 bis 2026 Gelder fliessen werden. «Sie sind sehr gespannt, was die Ostschweiz erarbeiten wird», sagte Regierungsrat Stefan Kölliker.

Daneben stehen verschiedene Persönlichkeiten aus dem regionalen Sport für das Projekt Hagerbach ein. «Das Sarganserland hat alles, was es braucht, um eine Bildungsstätte einzurichten, die schweizweit seinesgleichen sucht», richtet etwa Adriano Iseppi aus. Der Bündner Sportlehrer und -funktionär ist dem breiten Publikum als Langlauf-Experte bei SRF Sport bekannt.

Iseppi bricht eine Lanze fürs Sarganserland

Wer profitiert?

Die Anlagen rund um Sargans sollen sowohl von Breiten- als auch von Spitzensportlern genutzt werden. Als Teil des Gesamtprojekts «Sportvision Ost» sollen sie die bereits bestehenden und noch geplanten Infrastrukturen zwischen St. Gallen und Graubünden ergänzen. Ziel sei es, dass regionale Sporttalente in ihrer Heimat auf eine Sportkarriere hinarbeiten können. Markus Bonderer, Präsident des Vereins Campus Ostschweiz Sargans, strich die gute Erreichbarkeit des Sarganserlands heraus. «Alle im Projekt eingebetteten Gebiete sind von Sargans aus innerhalb einer Stunde erreichbar», so Bonderer.

Wie ist der Fahrplan?

Das Projekt Hagerbach wurde bereits beim Nasak eingereicht. Das Baspo hat das Projekt in die Botschaft des Bundesrates aufgenommen, welche der Bundesrat im Frühjahr 2021 dem nationalen Parlament vorlegen will. Die Machbarkeitsstudie des Gesamtprojekts «Sportvision Ost» soll im September 2021 vorliegen. Der unsicherste Punkt sei anschliessend der Bewilligungsprozess, der «unvorhersehbar» sei, wie Bonderer betonte. Als Zeithorizont bis zur Eröffnung der Anlage im Hagerbach sind zehn Jahre veranschlagt. «Wir setzen alles daran, das Projekt so zeitnah wie möglich zu realisieren. Wir hoffen natürlich darauf, dass uns nicht allzu viele Steine in den Weg gelegt werden», so Bonderer.

Das Projekt «Sportvision Ost». TV Südostschweiz, 02.11.2020.

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