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Als Graubünden in Sotschi im Goldrausch war

Am 14. Februar 2014 gewinnen an den Olympischen Spielen in Sotschi gleich drei Bündner eine Medaille. Es ist der erfolgreichste Tag der Bündner Sportgeschichte.

Tobias
Kreis
Donnerstag, 07. Mai 2020, 04:30 Uhr Goldene Bündner Sportmomente

Im Sport gibt es Momente, da geht einfach alles auf. Der 14. Februar 2014 an den Olympischen Spielen in Sotschi ist aus Bündner Sicht ein solcher Moment. Erst gewinnt Langläufer Dario Cologna über 15 Kilometer klassisch überlegen Gold. Kurz darauf doppelt Skirennfahrer Sandro Viletta in der Superkombination nach. Und am späten Nachmittag macht Biathletin Selina Gasparin mit der Silbermedaille im 15 Kilometer Einzelstart das Bündner Olympia-Glück perfekt.

Doch der Reihe nach. Als um 11 Uhr Schweizer Zeit die Langläufer auf der Olympialoipe in Krasnaja Poljana das Rennen über 15 Kilometer klassisch in Angriff nehmen, zählt Dario Cologna zu den Topfavoriten. Und der damals 27-Jährige wird den Erwartungen gerecht. Auf den letzten Metern zieht Cologna gar noch an jenem Konkurrenten vorbei, der ihm noch am nächsten gekommen war. Der Schwede Johan Olsson, eine halbe Minute vor Cologna gestartet, muss sich auf der Zielgeraden vom Schweizer überholen lassen. Trotzdem gewinnt er am Ende noch Silber.

So spielerisch leicht die Machtdemonstration des Dario Cologna in der Blüte seiner Karriere anmutet, so wenig selbstverständlich ist sie. Denn nur drei Monate zuvor hatte sich der Münstertaler eine schwere Fussverletzung zugezogen – und nun lässt er seine Konkurrenten wie Schulbuben aussehen.

«Als ich hierher gereist bin, durfte ich nach meiner Verletzungsgeschichte nicht damit rechnen, überhaupt eine Medaille zu gewinnen», sagt Cologna nach dem Rennen. «Nun habe ich zweimal Gold. Das ist einfach unglaublich.» Fünf Tage zuvor hatte sich der erfolgreichste Schweizer Langläufer der Geschichte bereits Gold im Skiathlon gesichert.

Colognas Goldlauf auf Youtube ansehen

Es ist Mittag, als Cologna die erste Schweizer Medaille des Tages gewinnt. Kurz nachdem in den Schweizer Stuben die Jubelstürme über Colognas Meisterstück verstummt sind, steht bei den Alpinen der Slalom der Superkombination auf dem Programm. Nach der Abfahrt vom Morgen liegt der Engadiner Sandro Viletta an Position 14. Zwar ist durchaus bekannt, dass der 28-Jährige über ganz ansehnliche Slalom-Qualitäten verfügt. An den ganz grossen Coup glaubt jedoch kaum jemand – auch Viletta selber nicht.

«Ich kann es nicht glauben, dass es wirklich wahr ist. Ich habe immer auf so einen Tag gehofft», sagt Viletta – kurz nachdem er den Slalom seines Lebens gefahren war. Mit der zweitbesten Laufzeit ist er gar schneller als Spezialist Ivica Kostelic, der vor Christof Innerhofer Silber gewinnt.

Für Viletta ist es zweifellos der grösste Tag seiner Karriere. Es ist auch der Tag, der den Super-G-Spezialisten für die vielen Leiden während seiner Laufbahn entschädigt. Noch wenige Monate zuvor war Viletta von argen Rückenproblemen geplagt. Erst ein Wechsel des Physiotherapeuten brachte die Wende zum Guten.

Vilettas Meisterstück auf Youtube ansehen

Während sich die Schweizer Sportfans an diesem Freitag spätestens jetzt im Goldrausch befinden, machen sich rund um den Schiessstand von Krasnaja Pojana die Biathletinnen für den 15 Kilometer Einzelstart bereit. Mit einer weiteren Schweizer Medaille darf nicht gerechnet werden. Denn noch nie hat eine Schweizerin oder ein Schweizer von einem Biathlon-Grossanlass Edelmetall nach Hause gebracht. Und auch jetzt werden Selina Gasparin maximal Aussenseiterchancen zugestanden.

Doch am Tag, an dem für die Bündner alles funktioniert, ist das Glück auch Gasparin hold. Die damals 29-Jährige aus S-chanf trifft 20 Mal ins Schwarze. Dies, obwohl drei der Projektile den Rand der Scheibe touchieren. Gasparin, die auf läuferisch mithält, gewinnt damit 1:15 Minuten hinter der überlegenen Weissrussin Daria Domratschewa Silber.

Den Grundstein für den Erfolg legte die Vorreiterin der Schweizer Biathletinnen im Sommer davor, als sie sich in psychologische Behandlung begeben hatte, um ihre Angst vor dem Versagen abzubauen. Mit Hypnose wurden ihr die Bilder des Scheiterns gelöscht. Im entscheidenden Moment tauchten sie dann nicht wieder auf. Erstmals in einem Wettkampf räumte Gasparin alle 20 Scheiben ab.

Gasparins Exploit auf Youtube ansehen

Dieser Freitag ist ein denkwürdiger Tag für den Schweizer Sport im Allgemeinen sowie den Bündner Sport im Speziellen. Niemals zuvor durfte sich der Kanton an einem Tag über zwei Olympiasieger freuen. Alle drei Medaillenhamster stammen aus derselben Ecke der Schweiz, zwei aus dem Engadin, Cologna aus dem Münstertal. «Wir sind GOLDbünden» steht am nächsten Tag auf der Titelseite der «Südostschweiz».

Die Front der Zeitung «Südostschweiz» vom 15. Februar 2014

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