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Gian Simmen verliert seine Mütze und wird über Nacht zum Star

An den Olympischen Spielen 1998 in Nagano kürt sich der 20-jährige Aroser Gian Simmen zum ersten Halfpipe-Olympiasieger im Snowboarden. Über Nacht wird er zum Star und macht die noch junge Sportart in der Schweiz salonfähig.

Tobias
Kreis
Montag, 06. April 2020, 04:30 Uhr Goldene Bündner Sportmomente

Wer Gian Simmens Gold-Run im olympischen Halfpipe-Bewerb von Nagano 1998 nicht mehr detailliert in Erinnerung hat, reibt sich beim abermaligen Betrachten der Bilder verwundert die Augen. Die Disziplin, aus der der damals 20-jährige Aroser als erster Olympiasieger hervorging, hat sich seither massiv gewandelt.

Gian Simmens Gold-Run

Was retrospektiv eher wie lustiger Nachmittag im Schnee denn wie ein Wettkampf auf höchstem Niveau anmutet, war der Startschuss zu etwas Grossem. Für Gian Simmen genauso wie für die Sportart Snowboarden.

Aus dem Nichts sprang Simmen an diesem 12. Februar 1998 ins Rampenlicht der Schweizer Sportszene. War die Sportart Snowboarden zuvor in den Augen der Öffentlichkeit mehr eine Randerscheinung, wurde der junge Bündner von einem Tag auf den anderen zu einem der grössten Sportstars der Schweiz.

Inbegriff des coolen Snowboarders

Die Frage, ob der KV-Absolvent künftig von seiner Leidenschaft wird leben können, löste sich in Luft auf. In den Läden explodierten die Absatzzahlen bei den Snowboards. Auf dem Höhepunkt um die Jahrtausendwende wurden in der Schweiz 110'000 Snowboards pro Jahr verkauft. Eine Dekade später war es nur noch knapp die Hälfte.

Dass Simmen während seines Gold-Runs die Mütze verlor, passte perfekt in die Dramaturgie des Laufs. Der junge Bündner wurde zum Inbegriff des coolen Snowboarders. Dass er der erste Bündner seit Skirennfahrer Heini Hemmi 1976 war, der eine Olympia-Goldmedaille gewann, trug seinen Teil zu Simmens Legendenbildung im Heimatkanton bei.

Während das Freestyle-Snowboarden bereits wenige Jahre nach dem Peak an Popularität einbüsste, wusste Simmen seinen Status geschickt zu verwalten. Einerseits blieb er sportlich konkurrenzfähig – er qualifizierte sich auch noch für die Olympischen Spiele 2002 und 2006. Parallel dazu entwickelte er sich mit zahlreichen Snowboardfilmen und als Kommentator bei den grössten Freestyle-Events des Landes zu DER Snowboard-Koryphäe schlechthin. Anlässlich der Abschiedssendung von Thomas Gottschalk bei «Wetten, dass..?» 2011 nahm Simmen als Snowboarder an einer Aussenwette in Ischgl teil.

Park-Chef, SRF-Experte – und immer noch Snowboarder

Heute ist Simmen als Chef des Freestyle Parks in Grindelwald bei den Jungfraubahnen tätig. Dort konzipiert und unterhält der Olympiasieger den Snow-Park und ist als Markenbotschafter tätig. Zudem fungiert er für SRF Sport als Experte bei Freestyle-Übertragungen. Und selber aufs Snowboard zieht es den mittlerweile 43-Jährigen hin und wieder auch. Seinen Gold-Run von Nagano 1998 kann er immer noch problemlos nachstellen.

Simmen hat den Gold-Run immer noch drauf

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