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Der unerwünschte Mitreisende

In der Kolumne «Insight» gewähren Spitzensportler aus dem Verbreitungsgebiet der «Linth-Zeitung» Einblick in ihr Leben. In dieser Folge erzählt die Uzner Alpin-Snowboarderin Nicole Baumgartner (25), was ihr vor ihrer WM-Premiere zu schaffen macht.

Linth-Zeitung
Freitag, 01. Februar 2019, 04:30 Uhr Insight
Nicole Baumgartner stärkt sich vor ihrem Flug in die USA mit einem Tee.
LADINA JENNY

Um ein Haar wäre der Flieger, der das Schweizer Alpin-Snowboard-Team an die WM in den USA transportiert, am Mittwoch ohne mich gestartet. Nicht, weil ich spät dran war, sondern wegen meines Gesundheitszustands. Offenbar brachte ich vom Weltcup in Moskau neben einer Karrierebestleistung auch einen Virus mit nach Hause. Bis Dienstagmittag gings mir gut, dann schlagartig hundeelend. Anderen auch, wie ich vom Trainer erfuhr: Zwei weitere Teammitglieder sind betroffen, zudem einige Deutsche und Österreicher – was die Vermutung nahelegt, dass mit dem Abschiedsdinner des Veranstalters am Sonntag etwas nicht gestimmt hat. Mit sehr unangenehmen Folgen. Oben und unten schoss es aus mir heraus, sodass es mir unmöglich schien, einen zwölfstündigen Flug anzutreten. Zum Glück ging es mir am Abreisetag etwas besser.

Nun bin ich bereits in Park City angekommen – trotz unerwünschtem Mitreisendem – und stehe kurz vor meiner WM-Premiere. Und dann gleich einer doppelten, darf ich doch sowohl am Montag im Parallel-Riesenslalom als auch Dienstag im Parallelslalom starten. Ich freue mich extrem!

"Oben und unten schoss es aus mir heraus"

Wie der 8. Rang in Moskau gezeigt hat, stimmt meine Form. Die Frage ist nun, inwiefern mich das Magen-Theater schwächt. Am Dienstagabend war ich platt, am Mittwoch immer noch froh, dass mir Ladina (Jenny, die zweite WM-Teilnehmerin aus Uznach; die Red.) beim Gepäckschleppen half. Seither ging es aber stetig bergauf. Darum sehe ich es mal positiv und sage: «Lieber diese Woche als kommende mit den Renntagen.»

Apropos Gepäck: Das Packen war echt herausfordernd – weniger, weil ich geschwächt war, sondern weil ich eine von sechs bin, die nach der WM via Hawaii statt Heimat zu den Rennen in Asien weiterreist. Auf diesen «nicht gesponserten» Flügen einen Snowboard-Bag, zwei grosse Reisetaschen und ein Handgepäckstück mitzuführen, wäre schier unbezahlbar. Deshalb nehmen die vier Rückkehrer liebenswürdigerweise unser ganzes Snowboard-Material mit – und bringen es uns dann auch nach Südkorea. Das ergibt ja dann nur je drei riesige, schwere Stücke Zusatzgepäck pro Person – hoffentlich mit vielen Medaillen drin, vielleicht sogar einer von mir. Ich zähle zwar nicht zu den Favoritinnen, aber ich weiss: Steht man einmal in den K.-o.-Läufen, ist vieles möglich. Drückt mir die Daumen!

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