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Start unter besonderen Vorzeichen

Heute erfolgt im Schweizer Unihockey der Startschuss in die neue Saison. Die Anwärter auf die Titel sind altbekannt, trotzdem steht eine Meisterschaft der vielen Unwägbarkeiten bevor.

Agentur
sda
Samstag, 12. September 2020, 08:05 Uhr Bern
Auch im Unihockey ist wegen Corona nicht an einen "normalen" Spielbetrieb zu denken
Auch im Unihockey ist wegen Corona nicht an einen "normalen" Spielbetrieb zu denken
KEYSTONE/MARCEL BIERI

Die Meldung kam am Donnerstag, 12. März, und galt bezeichnenderweise ab Freitag, dem 13.: Abbruch Meisterschaft, keine Meister 2020. Der Schweizer Unihockeyverband stand mit seiner Mitteilung nicht alleine da. Es war der Tag der Abbrüche und Absagen. Auch der Eishockeyverband setzte der Saison ein abruptes Ende, die Basketballer ebenfalls. Aleksander Kilde wurde vorzeitig zum Gesamtweltcupsieger im Ski alpin erklärt, für die Langläufer war die Saison gelaufen. Die Tennisspieler setzten den globalen Turnierbetrieb aus und so weiter.

Das Coronavirus traf die Sportwelt mit voller Wucht. Der auf höchster Ebene semiprofessionell betriebene Schweizer Unihockeysport stand vor existenziellen Herausforderungen. Ein halbes Jahr später kehrt mit dem Meisterschafts-Start am Samstag und den Cup-Partien am Sonntag wieder Leben in die Turnhallen ein. Dabei darf der Unihockeyverband erfreut zur Kenntnis nehmen, dass die allermeisten Klubs die Krise (bislang) gut gemeistert haben. Dem Verband sei kein Verein bekannt, der in dramatische finanzielle Nöte geraten sei, liess Geschäftsführer Michael Zoss wissen. Der Rückzug der NLA-Frauen von Mendrisiotto, deren Platz die NLB-Qualifikationssiegerinnen von Dürnten-Bubikon-Rüti einnehmen, hatte andere Gründe.

Quotient statt Punktzahl in Tabelle

Von Normalität ist man selbstredend auch im Unihockey weit weg. Die Klubs und Spieler steigen in eine Saison der Restriktionen, Kompromisse und Unwägbarkeiten. Wann (und ob) die verschobene WM der Männer in Helsinki stattfinden wird, ist zum Beispiel noch offen. Der Katalog an Fragen, die der Schweizer Verband für die nationalen Meisterschaften zu klären hatte, um für Coronafälle und mögliche Absagen gewappnet zu sein, ist lang. Die Klubs gehen Kompromisse und Risiken ein, könnten bei Coronafällen im Klub durch den Kantonsarzt um Spieler und Spiele gebracht werden. Doch was überwiegt, ist die Erleichterung, dass überhaupt wieder gespielt werden kann.

Um auch bei Spielausfällen eine einigermassen aussagekräftige Tabelle zu haben, wird die Zählweise durch einen Quotienten ersetzt. Statt die total eingespielten Punkte sind in dieser Saison die durchschnittlichen Punkte pro Spiel massgebend für die Platzierung, so wie zum Beispiel bei den Basketballern in der NBA. Das hat den Vorteil, dass die Tabelle auch bei unterschiedlicher Anzahl absolvierter Spiele einigermassen aussagekräftig ist.

Wiler-Ersigen und Kloten-Dietlikon favorisiert

So aussergewöhnlich die Umstände sind, so gewohnt präsentieren sich die Stärkeverhältnisse. Erstgenannter Titelanwärter bei den Männern ist auch diesmal Wiler-Ersigen. Die Berner, die der Konkurrenz seit 2004 nur vier Meistertitel überliessen, haben aber mehrere Leistungsträger verloren. Sie steigen in ihre erste Spielzeit nach Matthias Hofbauer und mussten die Nationalspieler Nicola Bischofberger und Deny Känzig nach Schweden ziehen lassen.

Auch die Grasshoppers, der erste Herausforderer, verzeichneten durch den Abgang von Nationalmannschafts-Captain Luca Graf (zu Zug) und den Rücktritt von Michael Zürcher Verluste. So könnte vor allem Supercup-Gewinner Köniz die Favoriten wieder stärker fordern. Der Meister von 2018 gilt als Transfersieger, verstärkte sich unter unter anderem mit Schweden-Rückkehrer Manuel Engel und dem hoch gehandelten Schweden Simon Jirebeck.

Bei den Frauen scheint Kloten-Dietlikon im Zweikampf mit Piranha Chur die Nase wieder vorne zu haben. Die Zürcherinnen, von 2019 her noch amtierende Meisterinnen, verfügen nach den Zuzügen von Brigitte Mischler und Mirjam Hintermann von Bern-Burgdorf über nunmehr zehn Nationalspielerinnen in ihren Reihen. Piranha dagegen kam durch die Rücktritte von Seraina Ulber und Katrin Zwinggi viel Klasse und Routine abhanden. Im Supercup setzte es gegen die Dauer-Rivalinnen ein empfindliches 1:7 ab.

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