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Der gelassene Medaillenkandidat

Der gelassene Medaillenkandidat

Marco Odermatt gehört im WM-Super-G in Cortina d'Ampezzo zu den Mitfavoriten. Der Nidwaldner trägt seine Rolle mit Gelassenheit.

Agentur
sda
vor 2 Wochen in
Ski alpin
Marco Odermatt hat gut lachen. Im Super-G hat er seine erste Chance auf eine WM-Medaille
Marco Odermatt hat gut lachen. Im Super-G hat er seine erste Chance auf eine WM-Medaille
KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Es ist Weltmeisterschaft. Na und? Marco Odermatt gibt sich dieser Tage entspannt wie eh und je. Der Gelassene kann nicht anders. Seine Ruhe und Abgeklärtheit lassen keinen Platz für übergrosse Nervosität und Hektik. Die Erwartungshaltung nimmt er zur Kenntnis, der Druck scheint an ihm abzuperlen.

Odermatt hebt nicht den Saisonhöhepunkt selber als Besonderes hervor, sondern die der Corona-Pandemie geschuldeten Bedingungen, die Rennen ohne Zuschauer, die fehlende Atmosphäre, das nicht vorhandene House of Switzerland als beliebter Treffpunkt oder die nicht stattfindenden Medaillenfeiern. «Bis jetzt fühlt es sich überhaupt nicht an wie eine Weltmeisterschaft. Es ist eher so wie bei den Weltcup-Rennen in diesem Winter.»

In diesen Weltcup-Rennen hat Odermatt die nächsten Schritte getan in Richtung grosse Karriere, die ihm von allen Seiten vorausgesagt wird. Im Riesenslalom hat er seine Konstanz auf höchstem Niveau Anfang Dezember in Santa Caterina mit dem ersten Sieg veredelt. Saisonübergreifend ist er in den letzten acht Rennen nie schlechter als Vierter gewesen, fünfmal davon hat er zu den besten drei gehört.

Weg der Vernunft

Der Riesenslalom steht für Odermatt nach wie vor im Zentrum. Mit der alpinen Basisdisziplin hat er sich die Grundlage geschaffen, um auch im Super-G und in der Abfahrt im Kreis der Besten Fuss fassen zu können. Wenn bei einem Hochtalentierten wie ihm auch kaum mehr etwas erstaunt, ist seine Entwicklung im Speed-Sektor gleichwohl bemerkenswert. Im Alter von erst 23 Jahren mischt er in einem Bereich mit, in dem im Normalfall die Routiniers das Sagen haben.

In der Abfahrt ist Odermatt mit dem 10. Rang in Kitzbühel und dem 8. Platz in Garmisch ebenfalls in den ersten zehn angekommen. Trotzdem wählt er seine Einsätze nach wie vor mit Bedacht aus. In diesem Winter hat er von den bisherigen sechs Rennen vier bestritten. In der Karriere-Planung wollen Odermatt und sein Umfeld nichts überstürzen. Den Weg der Vernunft und Behutsamkeit behalten sie vorläufig bei und weichen selbst an der Weltmeisterschaft nicht davon ab.

Odermatt wird sich erst nach dem ersten Abfahrtstraining am Freitag entscheiden, ob er das Rennen am Sonntag bestreiten wird. «Wenn ich sehe, dass ich mit einem Exploit eine Medaille gewinnen kann, werde ich am Start sein. Wenn ich aber den Eindruck habe, dass ich nur Fünfzehnter werden kann, lasse ich es sein.» Ein Startverzicht würde zusätzliche Vorbereitungszeit für das Parallelrennen und den Riesenslalom in der nächsten Woche bringen. Allzu weit mag der Innerschweizer nicht vorausschauen. «Ich nehme Tag für Tag.»

Disziplin der Intuition

Weiter als in der Abfahrt ist Odermatt im Super-G - was noch mehr überrascht, weil in diesen Rennen keine Trainingsfahrten das Herantasten ermöglichen, sich die Fahrer deshalb mit der Besichtigung des Kurses begnügen und auf ihre Intuition verlassen müssen.

Odermatt hat seine Intuition schon im vergangenen Winter mit dem Sieg in Beaver Creek eindrücklich bewiesen. In der noblen Destination im US-Bundesstaat Colorado hatte er erst seinen zehnten Weltcup-Super-G bestritten. Sein damaliger Auftritt ist Sinnbild für seine ungewöhnlich zügige Entwicklung in den schnellen Disziplinen. Zwölf Monate zuvor hatte er auf der gleichen Piste den 42. Platz belegt.

In dieser Saison hat Odermatt in den letzten zwei Super-G als Zweiter in Kitzbühel und Dritter in Garmisch für Furore gesorgt. Es sind Klassierungen, die ihn für das WM-Rennen am Donnerstag zum Medaillenkandidaten gemacht haben. In Cortina d'Ampezzo wird auf einem Hang gefahren, der mit Ausnahme der Italiener für alle Athleten Neuland bedeutet.

Dieses Neuland bringt einen zusätzlichen Faktor ins Spiel. Erfolgreich wird nur sein können, wer sich innert nützlicher Frist einen Plan zurechtzulegen und sich den Bedingungen anzupassen vermag. Odermatt glaubt, (auch) diese Fähigkeit zu haben. Nach eigener Einschätzung benötigt auf einem Hang nicht viele Fahrten, um sich mit der Aufgabe vertraut zu machen.

Odermatt sagt es bestimmt und aus Überzeugung. Er ist bereit, im Super-G das nächste Ausrufezeichen zu setzen. Mit den unbekannten Gegebenheiten vor Ort hat er sich übrigens erst kurzfristig beschäftigt. Na und?

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