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Jankas Renaissance und Odermatts Fortschritte

Mit drei Podestplätzen in zwei Rennen sind die Schweizer Speedfahrer in Lake Louise ansprechend in den Winter gestartet. Carlo Janka und Marco Odermatt könnten im Lager von Swiss-Ski für das gewisse Extra sorgen.

Agentur
sda
Montag, 02. Dezember 2019, 10:52 Uhr Ski alpin
Carlo Janka präsentierte sich zum Saisonauftakt in Lake Louise überraschend stark.
KEYSTONE

Der Auftakt in die Saison 2019/20, die ohne WM und Olympische Spiele auskommt, stand auch im Zeichen einiger namhafter Rücktritte. Marcel Hirscher trat mit 30 Jahren im Zenit seiner Schaffenskraft ab, Felix Neureuther (35) und Aksel Lund Svindal (36) im gehobenen Alter und mit geschundenem Körper. Dass die Schweizer Speed-Spezialisten nun mit drei 3. Plätzen und damit so gut wie seit 2011 nicht mehr in die Saison stiegen, hatte indes nur am Rande mit den gewichtigen Abgängen zu tun. Hirscher war der Dominator in den technischen Disziplinen, Neureuther feierte seine Erfolge ebenfalls zwischen den eng gesteckten Toren. Und Svindal ist zwar mit acht Siegen der Rekordmann in Lake Louise, der Norweger hatte bei der Saison-Ouvertüre in den kanadischen Rocky Mountains aber letztmals vor vier Jahren triumphiert.

Gewiss, das Abschneiden ist für die verwöhnte Skination Schweiz nichts allzu Aussergewöhnliches. Doch es gibt gute Gründe, die für einen erfreulichen Schweizer Speed-Winter sprechen. Beat Feuz und Mauro Caviezel lieferten in Lake Louise mit ihren Podestplätzen die Bestätigung, dass sie in ihrer jeweiligen Paradedisziplin auch heuer zu den Favoriten gehören. Carlo Janka und Marco Odermatt brachten sich neu ins Gespräch.

Jankas Renaissance

Die schönste Story aus Schweizer Sicht schrieb Janka, der in der Abfahrt mit der Rückkehr aufs Podium sowie zwei Trainingsbestzeiten seine sportliche Renaissance erlebte. Obwohl er im Sommer wegen Rückenproblemen nur die Hälfte der Schneetrainings absolvierte, könnte er nach Jahren der gesundheitlichen Rückschläge wieder vermehrt ein Faktor im Kampf um die vordersten Plätze sein - vorausgesetzt, der Rücken hält.

Vor den Rennen in Kanada hatte der Schweizer Cheftrainer Tom Stauffer gesagt, dass Janka im Vollbesitz seiner Kräfte zweifelsohne zu den Besten gehören würde. In den Trainings und in der Abfahrt staunten die Trainer, Teamkollegen und Konkurrenten dann nicht schlecht, erinnerten Jankas Fahrten doch trotz fehlender Trainingskilometer an dessen erfolgreichste Zeiten, die nun schon mehr als acht Jahre zurückliegen. Niels Hintermann outete sich gar als grösster Fan des Bündners: «Für mich war er schon immer der beste Skifahrer.»

Marco Odermatt realisierte mit Platz 7 sein Bestergebnis im Super-G. In der Abfahrt schaffte es der fünffache Junioren-Weltmeister von 2018 mit Startnummer 62 auf den 17. Platz, dazu war er im Abschlusstraining der Viertschnellste. Der bislang auf den Riesenslalom fokussierte Nidwaldner kündigte vor der Weiterreise zu den kommenden Rennen in den USA an, den ursprünglichen Plan überdenken zu wollen, die Abfahrt in Beaver Creek auszulassen.

Nicht mehr so abhängig von Feuz und Caviezel

Dank Jankas Auferstehung und Odermatts schnellen Fortschritten ist das Schweizer Speedteam an der Spitze nicht mehr so abhängig von Feuz und Caviezel. Letzterer knüpfte in Lake Louise nahtlos an seine Nordamerika-Leistungen vom Vorjahr an und stand zum sechsten Mal auf einem Weltcup-Podest. Beat Feuz seinerseits sah sich in Lake Louise an einem ähnlichen Punkt wie 2018. Sechster und Zehnter war er beim Auftakt im letzten Winter, Dritter und Fünfzehnter diesmal. «Alles wie gehabt», kommentierte der Emmentaler und verwies auf die Verunsicherung im Super-G, die er nach wie vor verspüre. «Alles wie gehabt» heisst aber auch, dass Feuz in der Abfahrt die dritte kleine Kristallkugel in Folge ins Visier nehmen kann. In seiner Paradedisziplin klassierte sich der 32-Jährige in den letzten beiden Saisons ausnahmslos in den Top 10 und seit Anfang 2018 nur in 2 von 14 Abfahrten neben dem Podest.

Die Summe der Eindrücke aus Lake Louise mit dem gegen eine mentale Blockade ankämpfenden Marc Gisin als Abstrich ergibt das Bild, dass die Schweizer Speed-Equipe durchaus zuversichtlich fortfahren kann. In Beaver Creek stehen am Freitag und Samstag die nächsten Speedrennen auf dem Programm. Abgeschlossen wird der Abstecher nach Nordamerika am Sonntag mit einem Riesenslalom.

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