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Corinne Suter steht sich nicht mehr selbst im Weg

Corinne Suter ist in der Hundertstel-Entscheidung im WM-Super-G in Are eine der drei Glücklichen. Die Schwyzerin fährt aggressiv, lotet das Limit aus, riskiert einiges - und wird endlich belohnt.

Agentur
sda
Mittwoch, 06. Februar 2019, 02:02 Uhr Ski alpin
Verdienter Lohn für Corinne Suters angriffige und beherzte Fahrt im WM-Super-G: die Bronzemedaille
Verdienter Lohn für Corinne Suters angriffige und beherzte Fahrt im WM-Super-G: die Bronzemedaille
KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Es ging eng zu und her zum Auftakt der dritten Weltmeisterschaften in Are. Corinne Suter verpasste die Zeit von Weltmeisterin Mikaela Shiffrin nur um nur fünf Hundertstel, war ihrerseits aber lediglich zwei Hundertstel schneller als die Vierte, die Deutsche Viktoria Rebensburg.

Am wichtigsten Anlass des Winters schaffte Corinne Suter das, was ihr im Weltcup bisher verwehrt geblieben ist. Zum ersten Mal gelang ihr auf höchster Ebene der Sprung aufs Podest. Es war kaum zu glauben, dass da eine Fahrerin über die Piste raste, die sich in der internen Selektion nur knapp zu behaupten vermochte und erst am Samstag die Startzusicherung erhalten hatte. Den Ausschlag zu ihren Gunsten hatte Rang 6 gegeben, den sie in Garmisch-Partenkirchen, im letzten Weltcup-Super-G vor den Weltmeisterschaften, erreicht hatte.

«Ich habe schon während der Fahrt gemerkt, dass ich schnell unterwegs bin», erzählte die mit der Nummer 4 gestartete Schwyzerin. Umso enttäuschter war sie vorerst, dass sie die Bestzeit um einen Wimpernschlag verpasst hatte. «Dass ich nur knapp hinter Sofia Goggia lag, stimmte mich aber zuversichtlich, dass es ein gutes Resultat werden könnte.»

Bis das erfreuliche, erlösende Ergebnis Tatsache war, hatte Corinne Suter im Zielraum einige bange Momente zu überstehen. Das war nicht verwunderlich in einem Rennen, in dem die zeitliche Differenz zwischen der Ersten und der Achten lediglich 26 Hundertstel betrug.

Sinnbild der Entwicklung

Die Fahrt zur Bronzemedaille war sinnbildlich für die Wandlung und Entwicklung, die Corinne Suter in den vergangenen zwei Jahren durchlebt hat. Aus der hadernden, mit sich und der Welt oft unzufriedenen und vieles infrage stellenden Athletin ist eine Fahrerin mit Selbstbewusstsein geworden. Die Zeiten, in denen sie sich selber im Weg gestanden hat, sind vorbei. Der Reifeprozess zeigt Wirkung.

Resultatmässige Rückschläge vermögen Corinne Suter nicht mehr ins Bodenlose zu ziehen und aus der Bahn zu werfen. Da ist in jüngster Vergangenheit einiges passiert und auf den guten Weg gebracht worden. Sie erwähnt die Arbeit im Hintergrund, die von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen wird.

Auch dank der Zusammenarbeit mit Martin Betschart, einem Mentaltrainer und Experten für Selbstmotivation, verarbeitet die Schwyzerin unerfreuliche Momente mittlerweile umgehend. Sie mag deshalb auch nicht mehr auf die Zeit im letzten Sommer zurückblicken, als sie eine Blutvergiftung im rechten grossen Zeh während zwei Monaten zum Pausieren zwang. Sie will sich nicht mehr mit den fatalen Folgen beschäftigen, die die Infektion hätte haben können. «Das ist für mich abgeschlossen.»

Ohne Nebengeräusche

Unwichtiges und Nebengeräusche blendet Corinne Suter ohnehin aus, der Fokus ist uneingeschränkt auf ihre Aufgabe als Skirennfahrerin gerichtet. Diese Konzentration geht in den Rennen so weit, dass sie die Fahrten der vor ihr gestarteten Konkurrentinnen nicht mitverfolgt.

Die neue Schiene will Corinne Suter auf keinen Fall wieder verlassen. Für sie ist sie Gegenwart und Zukunft zugleich. Die unmittelbare Zukunft heisst WM-Abfahrt am Sonntag. Es folgt also der Auftritt in der Disziplin, in der Corinne Suter generell bisher den stärkeren Eindruck als im Super-G hinterlassen hat.

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