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Dominik Paris: Auf Umwegen an die Spitze

Dominik Paris schafft es auf Umwegen doch noch. Der Italiener gehört längst zu den beständigsten alpinen Speed-Spezialisten.

Agentur
sda
Freitag, 28. Dezember 2018, 08:34 Uhr Ski alpin
Dominik Paris gehört längst zu den besten Speed-Fahrern
Dominik Paris gehört längst zu den besten Speed-Fahrern
KEYSTONE/ANTHONY ANEX

Das Klischee hätte gepasst. Der bodenständige Südtiroler mit respektabler Postur hätte durchaus zum Holzfäller getaugt. Es wäre das perfekte Bild gewesen vom Naturburschen, der sich im Wald die Kraft und Ausdauer holt, um im Winter als Skirennfahrer bereit zu sein.

Doch Dominik Paris fällte als Teenager im Sommer keine Bäume. Er arbeitete auf dem Bau. Und bereit war er ehedem nicht. Zumindest war er nicht gewillt, dem Skirennsport alles unterzuordnen. Er setzte seine Prioritäten anders. Freunde und Feiern waren ihm wichtiger als ein von Trainingsplänen bestimmter Alltag. Wieder brach in ihm, dem Jüngling aus Ulten, der Rebell durch. Wie damals, als er seine Schulzeit vorzeitig abgebrochen hatte.

Der Schafhirt

Das eine tun und das andere nicht lassen - für Paris war das keine Lösung. Zu gross war sein Drang, Spitzensportler zu sein. Die Lösung für sein Dilemma fand er auf einer Alp am Splügen-Pass. 100 Tage Hirtenleben, ausnahmslos umringt von Schafen, und konsequentes Training sorgten für die Wende. Die Begeisterung fürs Skifahren war zurück, der Kopf frei von Zweifeln. Paris wurde wieder Mitglied des Landeskaders Südtirol, dem er schon im Alter von 15 Jahren angehört hatte.

Die wiedergefundene Zielstrebigkeit zahlte sich schnell aus. Bereits in seinem dritten Europacup-Rennen nach der Rückkehr aus dem Bündnerland, einem Super-G in Sella Nevea im Friaul, feierte Paris seinen ersten Sieg. Zehn Monate danach debütierte er im Super-G in Gröden im Weltcup, in dem er Ende Januar 2011 als Zweitplatzierter hinter Didier Cuche in der Abfahrt in Chamonix endgültig den Durchbruch schaffte.

Mittlerweile hat Paris neun Weltcup-Siege in seinem Palmares stehen. Den ersten vor sechs Jahren und den bisher letzten vor zwölf Monate hatte er in der Abfahrt in Bormio errungen. Vor allem aber darf er sich schon dreifacher Hahnenkamm-Sieger nennen. Zweimal dominierte er in Kitzbühel in der Abfahrt, einmal im Super-G. Dazu gewann er an den Weltmeisterschaften 2013 in Schladming in der Abfahrt die Silbermedaille.

Der Familienvater

Paris hat nicht nur sportlich, sondern auch privat sein Glück gefunden. Anfang Juli wurde er erstmals Vater. Seine langjährige Lebenspartnerin Kristina brachte Söhnchen Niko zur Welt. Seit der Geburt sei er etwas ruhiger und wohl auch geduldiger geworden, sagt Paris. «In Bezug aufs Skifahren hat sich aber nichts geändert», sagt er. «Ich bin auf jeden Fall nicht langsamer geworden.» Der Skirennfahrer Paris versteht es nach wie vor, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren, das Familiäre auszublenden.

Diese Fokussierung war von ihm schon einmal gefordert, aus einem ganz anderen, bitteren Grund allerdings. Die Tragödie hatte sich im Juni vor fünf Jahren abgespielt. Sein älterer Bruder René verunfallte mit dem Motorrad tödlich. Dominik Paris verlor nicht nur den Bruder, sondern auch seinen besten Freund, mit dem er sehr viel Zeit verbracht und lange die Leidenschaft fürs Skifahren geteilt hatte.

Der Rockmusiker

Ablenkung fand und findet Paris in der Musik. Schon in früheren Jahren versuchte er sich in verschiedenen Formationen als Sänger und Gitarrist. Mittlerweile hat er sich mit Freunden zur Metal-Band «Rise of Voltage» zusammengetan. Im August veröffentlichten die vier das erste Album mit dem Titel «Time».

«Time». Zeit. Das passt zu Dominik Paris. Zum urchigen Südtiroler, der nicht nur gute Jahre und Monate hinter sich hat. Aber auch zum Skirennfahrer und seinem Kampf um Hundertstelsekunden.

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