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Das Schweizer Speedteam im Check

Nach den ersten Abfahrtstrainings der Saison ist klar: Beat Feuz ist bereit. Aber ist er der einzige Schweizer Trumpf in den Speed-Disziplinen? Die Topfahrer von Swiss-Ski im Check.

Agentur
sda
Samstag, 24. November 2018, 04:30 Uhr Ski alpin

Beat Feuz: Der Beflügelte

«Besser geht's nicht», sagt Beat Feuz über seine letzte Saison. Vielleicht ja doch. Der Abfahrtsweltmeister von 2017, der im letzten Winter achtmal auf dem Weltcup-Podest stand, die Abfahrts-Kristallkugel und zwei Olympia-Medaillen gewann, hat seine Knieprobleme im Griff und wirkt durch die Geburt von Tochter Clea beflügelt. In Lake Louise macht der Emmentaler einen bestechenden Eindruck. Der neue Ski, den er im zweiten Training zur Abfahrt vom Samstag ausprobierte, könnte sich als Rakete erweisen.

Mauro Caviezel: Der Trainingsweltmeister

Aufgepasst auf Mauro Caviezel! Nimmt man die Trainings als Massstab, ist die Nummer 2 im Schweizer Speedteam bereit für den nächsten Schritt. Der 30-jährige Bündner, letzte Saison sieben Mal in den Top 10, gab in der Vorbereitung richtig Gas. Er ist endlich über eine längere Zeitspanne unverletzt und musste im Vergleich zu vielen anderen Jahren keinen Trainingsrückstand aufholen. Entsprechend blickt er auf einen reibungslosen Aufbau zurück. Der Podestplatz vom Frühjahr 2017 in Aspen soll und dürfte nicht sein einziger bleiben.

Gilles Roulin: Intelligent, diszipliniert - und schnell?

Der Zürcher will an seine formidablen letzten Jahre anknüpfen und sich noch einmal verbessern. Nach einem imposanten Lauf im Europacup klassierte er sich letzte Saison in 16 seiner 20 Weltcuprennen in den Punkten. Dennoch bezeichnet ihn Cheftrainer Tom Stauffer als Wundertüte. Vielleicht, weil sich Roulin in den Rennen zu steigern vermag, vielleicht, weil beim Senkrechtstarter einfach vieles anders ist. Der 24-Jährige kommt aus dem Flachland, studiert im siebten Semester Jus und trotzte bei seinem Aufstieg in die Top 20 der Abfahrer schon manchen Widrigkeiten. Einst aus den Kadern von Swiss-Ski gefallen, kämpfte er sich mit eiserner Disziplin zurück. Roulin reflektiert, äussert sich durchdacht und versteckt seine Gefühle nicht. Der Tod seines langjährigen Gefährten und Freundes Gian Luca Barandun, von dem er mit einem berührenden offenen Brief Abschied nahm, beschäftigt ihn noch.

Carlo Janka: Zurück in die Zukunft

Der Bündner erlebte einen bitteren letzten Winter. Kurz vor Saisonbeginn zog er sich einen Kreuzbandriss zu. Er verzichtete in der Folge auf eine Operation, durfte im Februar an die Olympischen Spiele mitreisen, kam dort aber nur in der Kombination zum Zug (15. Platz). Im Sommer wechselte er zunächst das Schuhmaterial, griff dann aber wieder auf das alte Modell zurück. Obwohl ihn der Tod von Teamkollege Gian Luca Barandun noch beschäftigt, zeigt die Leistungskurve rechtzeitig zum Start der neuen Saison nach oben. «Mir fehlen noch ein Paar Rennkilometer, aber die Richtung stimmt. Es kommt immer besser», sagt Janka. Sein Plan: Mit altem Schuh an alte Zeiten anknüpfen.

Patrick Küng: Der Neustarter

Dem Abfahrtsweltmeister von 2015 misslang die letzte Saison gründlich. Er fuhr nur einmal in die Top 10 und stürzte im Super-G komplett ab. Zwischenzeitlich gekeimte Rücktrittsgedanken schob der 34-jährige Glarner nach einer kurzen Auszeit beiseite. Stattdessen wagt er einen Neustart. Er wechselte Team und Material, fährt neu Fischer- statt Salomon-Ski und trainiert nun mit der «B-Gruppe», wo er wieder mit seinem Lieblingstrainer Simon Rothenbühler zusammenarbeitet. In den ersten Trainings von Lake Louise liess er Aufwärtstendenz erkennen. «Ich habe wieder Freude am Skifahren», sagt Küng.

Marc Gisin: Weniger Sparflamme

Das Schädel-Hirn-Trauma, das Marc Gisin im Januar 2015 bei seinem schweren Sturz in Kitzbühel erlitt, schränkte den Hünen aus Engelberg auch im letzten Winter noch ein. Ein 5. Platz in Kitzbühel rettete seine Saison, wie er selbst sagt. Ansonsten schaffte er es nicht in die Top 15. Gisins Energiereservoir ist auch heute kleiner als vor dem Sturz. Er ist aber weiter als vor einem Jahr. Der 30-Jährige sieht «eine Basis, auf der sich aufbauen lässt». Sein primäres Ziel ist es, sich im Startnummern-Ranking nach vorne zu arbeiten.

Niels Hintermann: Der Rückkehrer

Der 23-jährige Zürcher, 2017 Sensationssieger in der Kombination von Wengen, verpasste die letzte Saison wegen einer Schulterluxation und damit verbundener Operation komplett. Seit März arbeitete er wieder auf Schnee auf sein Comeback hin. Inzwischen sind die Einschränkungen nur noch minim. Die Trainingseindrücke von Lake Louise decken sich mit dem eigenen Befinden. «Ich fühle mich sehr gut», sagt der Absolvent der Spitzensport-RS.

Marco Odermatt: Der Joker

Der Schritt vom Europacup und den Junioren in den Weltcup ist bekanntlich gross, Marco Odermatts Potenzial aber unbestritten. Auf der höchsten Stufe soll der 21-jährige Nidwaldner vorerst im Riesenslalom Fuss fassen. In den Speed-Disziplinen darf Odermatt verschiedentlich Erfahrungen sammeln wie in Lake Louise mindestens in den Abfahrtstrainings und voraussichtlich im Super-G vom Sonntag. Nicht ausgeschlossen, dass er für die eine oder andere Überraschung sorgen wird.

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