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«Ende Saison ist Schluss»

Spitzenschwinger Arnold «Nöldi» Forrer steht nach einer Zwangspause vor dem Comeback. Zwei grosse sportlich Ziele hat der 40-Jährige in diesem Jahr noch.

René
Weber
Mittwoch, 16. Januar 2019, 18:57 Uhr Schwingerkönig im Interview
Der Toggenburger Arnold Forrer plant, nochmals kräftig zuzupacken.
Keystone

Für die Schwinger ist der diesjährige Höhepunkt das Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest Ende August in Zug. Dieses hat auch Arnold Forrer im Visier. Der 40-jährige Toggenburger mit Verbindung zu Schänis wird im April in die Saison einsteigen. Im Gespräch erklärt «König» Forrer, wen er beim «Eidgenössischen» als Favorit sieht, was es für den Sieg in Zug braucht, dass er gerne als erster Schwinger 150 Kränze gewinnen würde und Ende Saison zurücktreten wird.

Arnold Forrer, auf der Startliste beim Berchtoldschwinget hat man Sie am 2. Januar vergeblich gesucht.
Ende April geht es für mich mit dem «Toggenburger» los. Dann werde ich parat sein. Im alten Jahr habe ich noch keine Schwingtrainings absolviert. Das habe ich in meiner Karriere nie getan. Ich in meinem Alter versuche nichts Neues. Mit meiner Hüfte sowieso nicht.

Sie sprechen Ihre Problemzone an. Wie geht es Ihnen gesundheitlich? Im letzten Jahr konnten Sie wegen Hüftproblemen kein einziges Fest bestreiten.
Es geht mir gut. Trainieren geht sogar sehr gut. Ich kann mit vollem Gewicht arbeiten. Kreuzheben, Kniebiegen, das geht alles. Das motiviert mich.

Sie wollen also nochmals angreifen?
Ich habe immer gesagt, dass ich es nochmals versuchen werde. Irgendwie hätte ich es im letzten Jahr durchwürgen können. Es war aber der richtige Entscheid, die gesamte Saison auszusetzen. Jetzt bin ich auf einem guten Stand. Es kommt gut.

Haben Sie konkrete Ziele?
Die Jungen plagen (lacht) … Nein, ich möchte den Leuten an den Festen einfach Freude bereiten. Natürlich möchte ich gleichzeitig den Kritikern, die behaupten, dass ich schon lange hätte aufhören sollen, das Gegenteil beweisen. Ich liebe halt diese Kränze. Da-rum schwinge ich noch immer. 150 Kränze möchte ich gewinnen. 145 habe ich. Und dann ist da natürlich auch noch das «Eidgenössische» in Zug. Es wird mein letztes Ziel.

Beenden Sie nach dem «Eidgenössischen» Ihre Karriere definitiv?
Ja, davon gehe ich aus. Ende Saison ist Schluss – zu 98 Prozent (schmunzelt). Ausser, ich werde nochmals Schwingerkönig. Dann höre ich natürlich nicht auf (lacht).

«Ich liebe halt diese Kränze. Darum schwinge ich noch immer.»
Arnold Forrer, Spitzenschwinger

Man sagt, dass man im Sport mit fortgeschrittenem Alter mehr trainieren muss, um mithalten zu können. Trifft das auch auf Sie zu?
Ich habe immer viel trainiert. Mehr als zwei Einheiten jeden Tag geht nicht und würde nichts bringen.

Wie konkret sieht das Programm Ihrer Abschiedssaison aus?
Abschliessend habe ich das noch nicht entschieden. Bei den Bergfesten ist die Auswahl klein: Weissenstein, Schwarzsee, Rigi und Schwägalp. Drei kann ich besuchen. Die Schwägalp ist gesetzt. Nach dem «Toggenburger» werde ich wohl das Thurgauer oder Zürcher Frühjahresfest bestreiten. Was dann kommt, entscheide ich bald, wenn ich mir den Festkalender genauer angeschaut habe. Wichtig wird sein, dass ich zwischen den Festen immer eine kleine Pause einschalten kann.

Nach den Rücktritten mehrerer Spitzenschwinger hat das Toggenburg seine Vormachtstellung in der Ostschweiz längst verloren. Ihnen fehlt es nun an starken Trainingspartnern.
Das ist kein Problem. Es finden jeden Montag Zusammenzüge des Verbandes statt. Dazu gibt es die Trainingsgruppe mit dem Bündner Armon Orlik, die sich in Schänis trifft, bei der ich auch mitmachen könnte. Das ist ideal, da ich in Schänis auch meine Käserei habe.

Sie haben das nächste Stichwort genannt: Armon Orlik. Ihn und den Thurgauer Samuel Giger gilt es am «Eidgenössischen» zu schlagen.
Sie haben mich vergessen (lacht). Nein, ganz klar. So, wie Giger im letzten Jahr geschwungen hat, ist er für mich am «Eidgenössischen» der absolute Favorit – genauso Orlik. Er muss einfach schauen, dass er gesund bleibt, dass alles hält. Dann stimmt es bei ihm im Kopf, und er wird für Zug parat sein. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass das «Eidgenössische» über zwei Tage geht. Es hat eigene Gesetze. So war das immer. So wird es auch im August sein. Man muss topfit sein. Wenn du in den Wochen davor nicht optimal trainieren kannst, nur ein wenig erkältet bist, dann wird es für jeden Schwinger schwierig.

2001 durften Sie sich in Nyon als König feiern lassen. 18 Jahre danach könnten sie sich in Zug den siebten Kranz an einem «Eidgenössischen» aufsetzen lassen. Es wäre das perfekte Abschiedsgeschenk.
Wenn ich gesund bleibe, gibt es nur dieses Ziel. Perfekt wäre es, wenn ich den 150. Kranz nicht in Zug machen müsste. Das würde ich gerne vorher erledigen. Ich nehme es aber, wie es kommt.

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