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Verstappen hält Norris in Schach

Max Verstappen gewinnt zum dritten Mal in Folge den Grand Prix von Kanada. Er siegt im Red Bull bei wechselnden Bedingungen vor den Briten Lando Norris im McLaren und George Russell im Mercedes.

Agentur
sda
09.06.24 - 22:07 Uhr
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Es war keine Tiefstapelei. Grund dafür hätte es nach dem Auftritt vor zwei Wochen im Grand Prix von Monaco auch keinen gegeben. Im Team Red Bull schlagen sie sich mit technischen Problemen herum - und machen daraus auch kein Geheimnis. Sie sprechen die Schwächen der Autos beim Überfahren der Randsteine an, sie reden vom Zeitverlust in den entsprechenden Passagen, der jetzt, da die direkte Konkurrenz die leistungsmässige Lücke praktisch geschlossen hat, mehr ins Gewicht fällt als früher.

Als Grund für das Manko sehen sie das Konzept des RB20, das unter anderem eine im Vergleich zu den Autos etwa der Scuderia Ferrari und des Teams McLaren deutlich härtere Federung umfasst und den blauen Wagen zu einem starreren Gefährt macht.

Verstappen nennt es altbekannte Schwächen. «Die Probleme haben wir seit zwei Jahren. Mit den Autos der beiden letzten Saisons hatten wir aber einen klareren Vorteil, womit das weniger Gute etwas kaschiert werden konnte.» Die Weiterentwicklung bei den Kontrahenten führe jetzt aber dazu, dass es diesen Vorsprung nicht mehr gebe, «vor allem dann, wenn der grösste Schwachpunkt am Auto nicht ausgemerzt wird».

Das Problem mit dem Simulator

Die Ingenieure im Team Red Bull sind bekannt dafür, auf technische Mängel umgehend reagieren, eine Lösung präsentieren zu können. Im gegenwärtig akutesten Fall tappen sie allerdings noch im Dunkeln. In der Equipe um Verstappen geht mittlerweile die Vermutung, dass der Grund allen Übels beim Simulator liegt. Die Einrichtung, die unter anderem die Nachahmung der Realität möglich macht, soll Daten liefern, die von jenen in der «realen Welt» abweichen.

Die Erkenntnis wollen sie bei den Roten Bullen gemäss Sportchef Helmut Marko schon im vergangenen September während des Grand-Prix-Wochenendes in Singapur gewonnen haben. Das Rennen im Stadtstaat war im letzten Jahr das einzige, das nicht einen Fahrer des Rennstalls Red Bull als Gewinner sah.

Die Crew in der Basis in Milton Keynes in England hat sich daran gemacht, den Simulator einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Die Fehlersuche erfordert Zeit; kurzfristig sei keine Lösung möglich. «Vorerst geht es darum herauszufinden, weshalb das Gerät Daten hervorbringt, die nicht der Wirklichkeit entsprechen», sagt Marko.

Entsprechend besorgt blickte der Österreicher Richtung Montreal. Er rechnete nach dem enttäuschend verlaufenen Abstecher nach Monaco erneut mit einem «schwierigen Wochenende». Auch er vermutete die Fahrer von Ferrari oder von McLaren im Vorteil. Marko sah sich vorerst in seinen nicht allzu hohen Erwartungen bestätigt. Verstappen tat sich in den freien Trainings schwer, dazu gesellten sich Sorgen um die Gangschaltung und den Antriebsstrang, der im Wortsinn nicht wie gewohnt auf Touren kam und einen Wechsel erforderte.

Im Qualifying begann sich das Blatt aber zu wenden. Verstappen sicherte sich mit der auf die Tausendstelsekunde gleichen Zeit wie der aus der Pole-Position losgefahrene Brite George Russell im Mercedes Startplatz 2 - und legte so die Basis zum dritten Sieg in Folge auf dem Circuit Gilles Villeneuve.

Die Entscheidung bei Neutralisation

Die Entscheidung zugunsten von Verstappen fiel während der ersten von zwei Safety-Car-Phasen, während der er Norris als Führenden ablöste. Die Neutralisation war nach knapp einem Drittel der Distanz wegen eines Unfalls des Amerikaners Logan Sargeant im Williams nötig geworden.

Verstappen hatte bei den wegen zwischenzeitlichen Regens wechselnden Streckenverhältnissen auf dem Weg zum Grand-Prix-Sieg Nummer 60 nur noch einen kritischen Moment zu überstehen, als er die Spitzenposition im Zuge der zweiten Boxenstopps gegen Norris nur mit knappem Vorsprung zu verteidigen vermochte.

Mit dem sechsten Sieg im neunten Grand Prix des Jahres grenzte Verstappen die in den vergangenen Wochen bei den grössten Widersachern entstandene Euphorie wieder etwas ein. Der Niederländer stellte mit aller Deutlichkeit klar, dass er auch in Zeiten wie diesen, in denen es auf technischer Seite nicht vollends rund läuft, imstande ist, seine Position als Primus der Formel 1 zu festigen.

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