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Wie Glamour nach Kansas City fand

Die Kansas City Chiefs streben am Sonntag in der Super Bowl in Las Vegas gegen die San Francisco 49ers ihren dritten Meistertitel in den letzten fünf Jahren an. Es wäre der Start einer neuen Dynastie.

Agentur
sda
11.02.24 - 05:00 Uhr
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Kansas City ist eine dieser langweiligen Städte im amerikanischen Bibelgürtel, da, wo die meisten nur auf dem Weg von einer Metropole in eine andere darüber hinweg fliegen. Die Stadt der Brunnen, auch wenn keiner von ihnen auch nur annähernd so interessant ist wie der Trevi in Rom, und Barbecue, fettig und etwas aus der Zeit gefallen. Dann brachte der Football mit einem Schlag ganz viel Glamour in den beschaulichen Mittleren Westen.

Die Kansas City Chiefs sind derzeit das Mass aller Dinge. Zum vierten Mal in den letzten fünf Jahren stehen sie in der Super Bowl, dem Final der National Football League. Langfristiger Erfolg ist in einer Liga mit Lohnobergrenze (Salary Cap) und einem Draft, in dem die schlechtesten Teams die besten Talente aussuchen, notorisch schwierig. Die New England Patriots schafften dies mit sechs Titeln (und drei weiteren Finals) zwischen 2002 und 2019 meisterlich.

Das Phänomen Patrick Mahomes

Dann traten die «Häuptlinge» aus Kansas City aufs Parkett. Mit Super-Bowl-Triumphen 2020 und 2023, dem Final 2021 und den Halbfinals 2019 und 2022 sind sie drauf und dran, eine der seltenen Dynastien aufzubauen, ein dritter Sieg am Sonntag würde diese zementieren.

Der Erfolg der Chiefs fusst auf vier Säulen. Die wichtigste ist der Quarterback Patrick Mahomes. Seit er die Zügel in der Hand hält, erreichte sein Team immer mindestens die Halbfinals. Mit 28 Jahren ist der Texaner für einen Quarterback noch immer relativ jung. Nach dem Ende seines - billigen - Rookievertrags, unterschrieb er eine Verlängerung um zehn Jahre, die ihm rund 500 Millionen Dollar einbringt. Dieses Geld fehlt für andere Starspieler, sodass man zum Beispiel den wohl besten, sicher aber schnellste, Wide Receiver Tyreek Hill nach Miami abgeben musste. Mahomes hat aber Erfolg, egal wie gut seine Passempfänger sind.

Das hat viel mit Chefcoach Andy Reid zu tun. Der 65-Jährige wirkt mit seinem Übergewicht und dem Walross-Schnauz in der gestylten Welt des Showbusiness wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit. Er ist aber ein offensives Genie, einer der kreativsten Köpfe, die je Football gecoacht haben und der jeden Gegner mit seinen Spielzügen aus der Balance bringen kann.

Daneben ist die Abwehr, die zu Beginn der Mahomes-Ära eine Schwäche war, nun zum eigentlichen Prunkstück der Mannschaft geworden. Kansas City weist in dieser Saison die zweitbeste Defensive der Liga auf.

Swift-Mania freut die NFL

Und dann ist da noch Travis Kelce. Es ist der Tight End (ein Blocker, der auch Pässe fängt), der dem Team aus der Provinz Glamour verleiht, respektive seine neue Freundin. Kelce ist seit Jahren der wichtigste Partner von Mahomes in der Offensive. Vor allem aber ist er seit vergangenem Sommer mit Taylor Swift liiert. Seit der Pop-Superstar an die Spiele ihres Schatzes pilgert, werden diese zu eigentlichen Shows - sie hat Football für eine völlig neue Fanbasis geöffnet.

Taylor Swift befeuert aber auch geradezu absurde Verschwörungstheorien. Zum einen heisst es, die Liga bevorteile die Kansas City Chiefs, da sie für nie gesehene Einschaltquoten sorgt und der NFL viel willkommene Publicity beschert. Zum anderen wittern konservative Medien und Beobachter - und in diesen Kreisen ist Football besonders populär - ein Komplott. Sie behaupten, dass sogar die amerikanische Regierung einen Super-Bowl-Triumph der Chiefs orchestriere, damit Swift ihre Millionen Fans bei der Siegesfeier auffordern könne, Joe Biden als Präsident wieder zu wählen.

San Franciscos Durststrecke

Die Super Bowl findet erstmals überhaupt im einst als Sündenpfuhl und wegen der Wettbüros verschmähten Las Vegas statt. Da passt es bestens, dass Swift noch etwas zusätzlichen Glamour und Gesprächsstoff liefert. Am Ende geht es aber «nur» um Sport.

Die Buchmacher sehen San Francisco, das in der Qualifikation deutlich mehr überzeugte, leicht im Vorteil. Die 49ers sind eine Art Gegenentwurf zu Kansas City. Das gesamte Kader ist nur so gespickt mit Stars, dafür ist der Quarterback Brock Purdy, als letzter im Draft von 2022 gezogener Spieler der so genannte «Mr. Irrelevant», (noch) wenig dekoriert und mit 870'000 Dollar Jahreslohn ein wahres Schnäppchen. Für die Chiefs sprechen Mahomes, Kelce und die Erfahrung in diesen grossen Spielen. Der letzte Titel der 49ers datiert aus dem Jahr 1995.

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