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Novak Djokovic kämpft um die Gunst des New Yorker Publikums

Novak Djokovic nimmt gegen den dänischen Teenager Holger Rune die erste Hürde auf dem Weg zum Grand Slam. Der extreme Support des Publikums für seinen Widersacher lösen beim Serben Irritationen aus.

Agentur
sda
01.09.21 - 20:00 Uhr
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Novak Djokovic muss trotz seiner Erfolge um die Gunst des Publikums in New York kämpfen
Novak Djokovic muss trotz seiner Erfolge um die Gunst des Publikums in New York kämpfen
KEYSTONE/AP/Frank Franklin II

Novak Djokovic machte nach der Partie keinen Hehl daraus, dass er das Verhalten des Publikums in der Night Session nicht hatte nachvollziehen können. Beim Platzinterview wirkte die Weltnummer 1 angefressen, später sagte er an der Pressekonferenz: «Die Atmosphäre war für mich alles andere als ideal. Aber inzwischen weiss ich, wie ich damit umzugehen habe.»

Das Phänomen ist bekannt: Trotz seiner herausragenden Leistungen und Erfolge fliegen Djokovic auf den Courts dieser Welt die Herzen nicht uneingeschränkt zu - vor allem in New York nicht. Am extremsten erfuhr er dies 2015 im Final gegen Roger Federer, als die gut 24'000 Zuschauer im ausverkauften Arthur Ashe Stadion in einer elektrisierenden Atmosphäre wie eine Wand hinter dem Schweizer gestanden hatten, die Fairness gegenüber dem Serben dabei aber mit Füssen traten.

Die Frage nach dem Warum

An die Tatsache, dass er in den Duellen mit Federer, der weltweit den grössten Zuspruch geniesst, die Rolle des Bösewichts innehat, hat sich Djokovic gewöhnt. Dass die Sympathien im Duell mit einem 18-jährigen Newcomer aus Dänemark aber so einseitig verteilt sind, haben den Serben offensichtlich getroffen. Zumal die langgezogenen «Ruuuuune»-Rufe des Publikums durchaus auch als Ausbuhen interpretiert werden konnten. Zumindest die Spieler hatten diese zu Beginn als solche wahrgenommen. «Man hofft immer, dass die Menge einem unterstützt, aber dies ist nicht immer möglich. Mehr kann ich dazu nicht sagen», sagte Djokovic.

Die Gründe für die einseitigen Sympathiebekundungen sind spekulativ. War es das klassische Muster der Unterstützung für den Underdog und der Wunsch der Zuschauer, keine einseitige Partie erleben zu müssen? Oder schlägt die Mehrheit der Fan-Herzen im Big Apple für die nicht anwesenden Federer und Nadal, die wie Djokovic 20 Grand-Slam-Titel gewonnen haben?

Vielleicht missinterpretierte das amerikanische Publikum auch eine Aussage Djokovics während den Olympischen Spielen, als dieser in Tokio davon sprach, dass «Druck ein Privileg» sei, was als Seitenhieb gegen die Kunstturnerin Simone Biles hatte verstanden werden können, die am hohen Erwartungsdruck zerbrach. Einige andere erinnerten sich wohl an das letzte Jahr, als Djokovic in den Achtelfinals disqualifiziert worden war, weil er im Frust eine Linienrichterin mit einem Ball abgeschossen hatte.

Vor- anstatt Nachteil?

Der Auftritt gegen Rune hat Djokovic zumindest aufgezeigt, was ihn in den nächsten zwei Wochen erwarten dürfte. Noch sechs Siege trennen ihn vom Grand Slam, womit er auch auf dem Papier zum grössten Spieler aller Zeiten avancieren würde. Dass er auf dem Weg zum Eintrag in die Geschichtsbücher nicht auf den uneingeschränkten Support des Publikums wird zählen können, wurde ihm am späten Dienstagabend deutlich vor Augen geführt.

Djokovic ist allerdings ein Meister darin, aus solchen Gegebenheiten Energie zu schöpfen, vor allem in den Duellen gegen Federer, gegen den er an Grand-Slam-Turnieren seit 2012 nicht mehr verlor. Dass der uneingeschränkte Support und die damit verbundene extreme Erwartungshaltung auch kontraproduktiv sein kann, hatte Serena Williams 2015 in New York erfahren. Auch die Amerikanerin machte sich damals auf, in Flushing Meadows den Grand Slam zu komplettieren, ehe sie im Halbfinal am grossen Druck zerbrach und gegen die Italienerin Roberta Vinci verlor.

«Die Geschichte bleibt ihre grösste Gegnerin», schrieb die «New York Post» am Tag danach. Womöglich hilft der mangelnde Support der Fans Djokovic, sich von seinem grössten Gegner zu lösen.

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