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Spektakuläre Giro-Etappe führt durch Graubünden

Spektakuläre Giro-Etappe führt durch Graubünden

Graubünden ist Teil des Giro d‘Italia. In der zweitletzten Etappe geht es am Samstag über die Pässe San Bernardino und Splügen. Es ist eine Etappe für den Puschlaver Bergspezialisten Matteo Badilatti.

Rinaldo
Krättli
vor 3 Wochen in
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Der Puschlaver Matteo Badilatti fährt bei seiner ersten Teilnahme am Giro d’Italia auch durch Graubünden.
PRESSEBILD

In der zweitletzten Etappe wird es für die Fahrer des Giro d‘ Italia brutal. Gleich zweimal erklimmen sie kolossale Pässe. Zuerst geht es über den San Bernardinopass, dann über den Splügenpass, beide auf über 2000 Metern über Meer. Zielankunft ist auf der Alpe Motta in Italien, nach einem letzten harten Aufstieg.

Mit dabei ist auch der Bergspezialist Matteo Badilatti, der für das UCI World Team Groupama (FDJ) fährt. Für Badilatti ist mit der erstmaligen Giro-Teilnahme bereits ein Traum in Erfüllung gegangen. Mit der Bergetappe durch Graubünden kann er nun gar vor heimischem Publikum auftreten. Gut möglich, dass Badilatti die Chance nutzt, um auf sich aufmerksam zu machen. Gewohnt ist sich der 28-Jährige solch hohe Anstiege. Aufgewachsen im Puschlav, hat Badilatti schon vor Beginn seiner Profikarriere regelmässig den Berninapass erklommen.

San-Bernardino-Pass: Der Monsteraufstieg

Doch auch bei Badilatti dürften die Oberschenkel brennen, angesichts der kolossalen Aufstiege, die am Samstag zu bewältigen sind. Gestartet wird die zweitletzte Giro-Etappe um 12.30 Uhr auf rund 200 Metern über Meer im italienischen Verbania, das am Lago Maggiore liegt. Dem See entlang geht es  weiter über die Grenze in die Schweiz: zuerst durch Ascona, dann durch Locarno. Im Bündnerischen Roveredo werden die Fahrer um 14 Uhr erwartet. Bis dahin werden die Athleten die ersten 100 Höhenmeter absolviert haben. Doch spätestens hier dürfte es mit der Idylle vorbei sein.

Es folgt der Monsteraufstieg bis zum San-Bernardino-Pass. 1757 zusätzliche Höhenmeter müssen die Giro-Teilnehmer bezwingen. Erholung wird Bergfloh Matteo Badilatti und Co. dabei kaum erhalten. Die nächsten rund 40 Kilometer geht es praktisch permanent steil bergauf. Einzig vor San Bernadino (angenommene Ankunftszeit ab 15 Uhr) wird den Fahrern eine kurze Abfahrt gegönnt. Bis dahin beträgt die Steigung meist acht Prozent oder höher. In einzelnen Abschnitten beträgt sie gar zwölf Prozent. Ab San Bernardino nimmt die Steigung nur marginal ab. Die erste Bergankunft auf dem San-Bernardino-Pass ist dann auf 2065 Metern über Meer erreicht, die ersten Fahrer dürften um 15.15 Uhr ankommen.

Der Anstieg auf den San-Bernadino-Pass.

Danach folgt eine eher kurze Erholung bis nach Splügen. Rund 20 Kilometer lang geht es dabei bergabwärts bis auf 1460 Meter über Meer nach Splügen (ca. 15.40 Uhr). Zusammen mit den nächsten Höhenmetern werden ab dann auch wieder die Laktat-Werte steigen. Mit dem Splügenpass auf 2115 Metern wartet der nächste zu bezwingende Koloss. Auch hier beträgt die Steigung meist rund acht Prozent (maximal zwölf Prozent). Danach folgt, wieder auf italienischem Staatsgebiet, eine technisch anspruchsvolle und steile Abfahrt, die teilweise durch Tunnels und Lawinenschutzgalerien.

Der Aufstieg auf den Splügenpass.

Rund 1000 Meter tiefer gelegen als der Splügenpass kommt das Fahrerfeld in Campodolcino an, wo der finale Aufstieg beginnt. Mit 552 zu absolvierenden Höhenmetern zwar jener mit den wenigsten Höhenmetern gleichzeitig aber auch jener mit der höchsten durchschnittlichen Steigung, die teilweise bei 13 Prozent liegt. Das Ziel ist auf der Alpe Motta auf 1727 Metern über Meer erreicht.

Dass eine Giro-Etappe durch Graubünden führt, freut die Touristiker, schaut doch ein Millionenpublikum am TV zu, wenn die Radstars durch die schönen Landschaften des Misox und Hinterrheins fahren und die eindrücklichen Passstrassen über den San Bernardino und zum Splügenpass hochjagen.

Dass es sich zudem um die zweitletzte Etappe des Giros handelt, macht die «Graubünden-Etappe» umso spezieller, da sie auch sportlich zu den Relevantesten gehören wird. Denn in Graubünden könnte die Vorentscheidung fallen. Könnte, denn auf der letzten Etappe, die als Zeitfahren durchgeführt wird, kann das Klassement nochmals durchgewirbelt werden. Mit einer Länge von über 30 Kilometern kann in diesem Rennen noch einiges an Zeit gutgemacht werden, respektive verloren gehen. Nach den Bergetappen an den vorangegangenen Renntagen sind im flachen Zeitfahren zudem andere Qualitäten gefragt.

Matteo Badilattis Team FDJ konnte am diesjährigen Giro während drei Renntagen das Ledertrikot, das Maglia Rosa für sich beanspruchen. Der Ungar Attila Valter, mittlerweile nicht mehr in den Topten, überzeugte dabei auch dank der Hilfe der Schweizer Matteo Badilatti und Sebastian Reichenbach. Nach der Etappe 14, mit dem legendären Bergaufstieg auf den Monte Zoncolan, durfte der Puschlaver gar das Lob des Teamchefs Philippe Mauduit abholen. In einem Artikel des Teams FDJ sagt dieser: «Sebastian und Matteo haben im Finale einen tollen Job gemacht. Sie haben die Verluste für Attila begrenzt, der, wenn er alleine gewesen wäre, wahrscheinlich viel mehr verloren hätte. Das zeigt, dass die Jungs für Attila kämpfen und dass sie um das Trikot kämpfen.»

Auch Matteo Badilatti behält diese Etappe in bester Erinnerung, wie im Artikel weiter hervorgeht: «Es ist immer schön, so einen mythischen Anstieg zu fahren. Es war eine Etappe, die ich in meiner Bucket List haben wollte, und es war eine tolle Erfahrung.» Und dass er im Team, dem er seit dieser Saison angehört, angekommen ist, zeigt folgende Aussage: «Ich fühle mich immer besser, die Stimmung im Team ist sehr gut und wir werden versuchen, das Beste aus den Rennen vor Mailand (Zielankunft am Sonntag) herauszuholen.»

Matteo Badilattis Dienste dürften auch in der Etappe durch Graubünden von grossem Wert sein. Der Bergfloh aus dem Puschlav hat sich an der diesjährigen Ausgabe des Giro d’Italia als Helfer in den Bergen einen Namen gemacht. Für das Maglia Rosa ist der Rückstand für seinen Teamkollegen Attila Valter mit über einer halben Stunde indes zu gross.

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