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Vom Prügelknaben zum Serienmeister – 30 Jahre Calanda Broncos

Vom Prügelknaben zum Serienmeister – 30 Jahre Calanda Broncos

Vor genau 30 Jahren wurden im damaligen «Hotel Falknis» in Landquart die Calanda Broncos – damals noch als Landquart Broncos – gegründet. Wenig sprach nach den ersten Jahren für die heutige Dominanz.

Rinaldo
Krättli
vor 2 Monaten in
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Es war kein ruhmreicher Beginn für die Landquart Broncos. Als sie vor 30 Jahren in ihre erste Saison gestartet sind, wurden sie in den ersten zwei Jahren in brutaler Deutlichkeit auseinandergenommen, wie der Verein rückblickend in ihrer heute erschienenen Chronik schreibt. 0:55, 0:73, 0:63 – nur um drei Beispiele zu nennen – gingen die Bündner Wildpferde in ihrer ersten Saison in der dritthöchsten Schweizer Liga unter. Kein Wunder, schienen die Broncos einem schnellen Tod geweiht, wie es weiter heisst: «Wir waren wirklich schlecht», lässt sich Initiant Marcel Brändli zitieren, «aber eigentlich war das auch klar. Wir hatten keinen Coach, so gut wie keine Spieler, die schon mal Football gespielt hatten, und überhaupt, eigentlich keine Ahnung, was wir da taten.» Das Zusammenspiel von (damals 20) heute gegen 50 oder mehr Spielern benötige eine exakte Strategie und eine besonders ausgeklügelte Führung.

Ein turbulentes erstes Jahrzehnt

Viele Spieler aus den Anfangsjahren warfen den Bettel hin, nachdem sie Woche für Woche auf dem Feld «verprügelt» wurden, so der Verein rückblickend. Die, die dabeiblieben, erlebten zwei Jahre später beim 32:20-Sieg in Wohlen den ersten heroischen Moment in der Klubgeschichte. Wiederum zwei (erfolgreichere) Jahre später gelang erstmals der Aufstieg in die höchste Schweizer Spielklasse. Die Geschichte setzte sich in der NLA fort: Nach einer sieglosen Premieren-Saison tasteten sich die Broncos 1997 ans Mittelfeld heran, um 1998 und 1999 erstmals ins Schweizer Endspiel einzuziehen. Das sportliche Rezept von damals habe bis heute Gültigkeit behalten: «Dies Basis muss ein starker Stamm aus einheimischen Spielern sein, dazu braucht es ein bis zwei überragende (naturgemäss meist nordamerikanische) Coaches und Import-Spieler, dazu eine Handvoll ausgewählter Verstärkungen aus der Schweiz oder nahen europäischen Teams», so der Verein.

Den ersten Erfolgen folgte der Abstieg in die Nationalliga B. Nach den beiden Finalniederlagen auf höchster Stufe gegen den damaligen Erzrivalen St. Gallen seien die Broncos implodiert. Zwar hatte man damals bereits eine U19-Equipe aufgebaut, die Broncos waren aber noch nicht breit genug aufgestellt, sowohl auf als auch neben dem Feld.

Die Broncos begannen in der NLB von Neuem. Mit aufgefrischtem Kader gelang zum 10-Jahr-Jubiläum die Rückkehr in die NLA, 2002 qualifizierte man sich wieder für die Play-offs, ehe die «Wildpferde» 2003 wie aus dem Nichts den ersten Schweizer Meistertitel gewannen. «Es ist und bleibt eine der grössten Sensationen, die es nicht nur im Football, sondern im Sport je gab», so der damalige Headcoach Marcel Brändli, der nach einem Dutzend Jahren aufopferungsvoller Arbeit in diversen Funktionen nun plötzlich am Schweizer Football-Olymp angekommen war. Unvergesslich, wie der Bündner Underdog in den Play-offs die dominierenden Zürich Renegades im Halbfinal (29:28) und die Basel Gladiators im Swiss Bowl (24:22) in letzter Sekunde niederrang, wie der Verein stolz festhält.

Allerdings zeigte sich auch, dass die Broncos immer noch zu wenig gefestigt waren: Nachdem ein halbes Dutzend Teamstützen 2005 zu Winterthur gewechselt waren (und dort prompt Meister wurden), implodierten die Bündner erneut und stiegen wieder in die NLB ab.

Die Bündner Stehaufmännchen nahmen einfach einen neuen Anlauf, qualifizierten sich gleich 2006 und 2007 für den NLB-Final, wo sie im zweiten Jahr mit einem jungen Team auch siegten und wieder in die NLA aufstiegen. Diesmal war die eigene Basis breiter, zudem standen in der U19 Talente wie Lukas Lütscher, Marco Mahrer, Kai Takahashi und Nate Fellberius im Team, die die Schweizer Footballszene im bevorstehenden Jahrzehnt nachhaltig prägen sollten. Unvergessen auch die Challenge, die die Broncos 2007 bewältigten, innert drei Tagen zwei Spiele gegen US-amerikanische College-Football-Teams zu bestreiten, die auf einer Europa-Tour waren. «Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, jede Herausforderung anzunehmen, sei sie noch so gross. Den schwierigen Weg zu gehen hat den Charakter des Vereins geprägt», erinnert sich Marcel Brändli.

Was danach folgte, war eine in der 35-jährigen Schweizer Footballgeschichte einmalige Erfolgsserie. Seit 2008 qualifizierten sich die Broncos jedes Jahr für den Swiss Bowl. Mittlerweile umgetauft in Calanda Broncos (vorher Landquart Broncos) holten in den 13 Finals insgesamt 10 weitere Schweizer Titel. Angefangen bei der Rückkehr an die nationale Spitze beim dramatischen TV-Spiel gegen die Zürich Renegades 2009 folgte 2010 der absolute Triumph: Die Broncos holten sich 2010 nicht nur als erste Schweizer Meisterschaft den EFAF-Cup, den damals zweitgrössten europäischen Wettbewerb, sondern gewannen auch die nationale Meisterschaft ohne eine einzige Niederlage und wurden auch in der U19 Schweizer Meister. Ein Triple, das die bevorstehende Dominanz der Broncos im folgenden Jahrzehnt ankündigte.

Die darauffolgenden Jahre waren geprägt von den Anstrengungen des damaligen Präsidenten Walter Tribolet, die Broncos nicht nur zur Nummer 1 im EFAF-Cup zu machen, sondern den höchsten Football-Gipfel auf dem Kontinent zu erklimmen. Die Kluft zu den rund zehn «Profi-Teams» Europas war immer noch gross, und so machten sich die Broncos bald einen Namen darin, ihr Kader mit Top-Spielern von nah und fern zu verstärken. Die Schweizer Meisterschaft entwickelte sich dabei zur Aufwärmliga für die mit Stars gespickten Bündner, die auf nationaler Ebene nebenbei mehrere Jahre lang ungeschlagen blieben.

2012 ging der grosse Traum der Broncos-Organisation in Erfüllung: Vor über 4000 Zuschauern in Vaduz entthronten die Broncos die grossen Vienna Vikings im Eurosport-Live-Spiel und holten sich den Eurobowl, die höchste europäische Football-Krone.

Nachdem Präsident Tribolet sein Amt 2014 aufgab und in die USA auswanderte, schien ein erneuter Zusammenbruch möglich, so der Verein. Die Ausgangslage sei allerdings eine ganz andere gewesen: Die Bündner verfügten über ein wettkampferprobtes, einheimisches Kader und eine funktionierende Nachwuchsabteilung, die mittlerweile auch durch eine erfolgreiche U16- und eine U13-Equipe ergänzt worden war. Dazu hätten die Bündner das Glück gehabt, von einer umsichtigen frischen Vorstandsequipe angeführt zu werden, der es gelungen sei, die Brücke zu den «neuen Broncos» zu bauen. «Es waren viele Baustellen, die wir aufräumen mussten. Wir hatten aber immer noch viel Know-how und starke Schweizer Spieler an Bord», erinnert sich Vizepräsident Daniel Zinsli, Broncos-Mitglied aus erster Stunde, «wir hatten zudem meist das Glück, gute ausländische Verstärkungen zu finden und 2015 mit Geoff Buffum - der uns 2012 schon zum Eurobowl-Sieg geführt hatte - den für uns besten Headcoach überhaupt wieder zu engagieren.»

Unter dem Erfolgscoach gelang den Broncos die Transformation zu einem nachhaltigen Klub, bestehend aus Spielern, die zu 90 Prozent aus der Region stammen. Seit der Rückkehr Buffums gewannen die Broncos vier weitere Meistertitel (2015, 2016-2019), dazu den Herbstcup im letzten Jahr. Auch europäisch arbeiteten sich die Broncos ohne Import-Schwemme fast ganz nach oben: Im CEFL-Europacup-Final 2019 scheiterten die Bündner erst nach einer Schiedsrichter-Fehlentscheidung in den Schlusssekunden, wie der Verein schreibt.

Dass ein American-Football-Klub aus einer kleinen Stadt wie Chur dabei national und international seinen Stempel aufdrücken kann, ist im Grunde ein Märchen, das nur der Sport so schreiben kann, so der Verein. Die Herausforderungen bleiben aber. «Eine grosse Spielergeneration nähert sich bei uns dem Ende ihrer Karriere», gesteht Daniel Zinsli ein, «ein Umbruch wird in den nächsten Jahren sicher stattfinden. Diese Herausforderung ist für uns aber sowieso eine Daueraufgabe. Die Konkurrenz ist stark und man muss jeden Tag dranbleiben, wenn man oben bleiben will.»

Die Basis und die Konstanz seien aber auf einem anderen Level als früher: Der Vorstand wird ein weiteres Jahr von Präsident Christoph Sünderhauf angeführt, Headcoach Geoff Buffum und sein Assistent Alexander Durazo stehen ein weiteres Jahr an der Seitenlinie der Broncos, die US-Verstärkungen Conner Manning (Quarterback) und Max Gray (Safety) aus der vorletzten Saison sind ebenfalls zurück und aus dem Nachwuchs ist auch in den nächsten Jahren kontinuierlicher Nachschub zu erwarten: Beide Vollkontakt-Juniorenteams standen letzte Saison im schweizerischen Endspiel. Das nächste Kapitel darf geschrieben werden.

Über 1000 Footballerinnen und Footballer aus der Region haben in den letzten 30 Jahren bei den Broncos Football gespielt, über 800 haben sich dabei in Ausrüstung an Vollkontakt-Football gewagt. Zum 30-Jahr-Jubiläum gründen die Broncos eine Alumni-Organisation, zu der alle ehemaligen Spieler, Funktionäre, Betreuer und Coaches Zugang haben. Den Startschuss macht ein Alumni-Gründungsfest anlässlich des Heimspiels vom 21. August 2021 an der Churer Ringstrasse gegen die Bern Grizzlies. Alle Ehemaligen sind kostenlos zur Gründungsparty und zum Spitzenspiel eingeladen.

Am Sonntag, 13. Juni, sind die Schwäbisch Hall Unicorns, Vizechampion der German Football League, im Rahmen der Central European Football League an der Churer Ringstrasse zu Gast.

Am 20. Juni folgt dann gegen die Geneva Seahawks, letzter Swiss-Bowl-Finalgegner der Broncos 2019, der Auftakt zur NLA-Saison 2021.

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