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Die Schweizer Sportwelt erwacht aus dem Corona-Schlaf

Der Schweizer Sport taut wieder auf. Ab dem 6. Juni kehrt zumindest auf den Trainingsplätzen weitgehend die Normalität zurück. Nun stehen die Verbände vor der schwierigen Aufgabe, für die Elite Wettkämpfe zu organisieren.

Südostschweiz
Freitag, 29. Mai 2020, 14:56 Uhr Wettkampfsport kehrt zurück
Timea Bacsinszky und ihre Kolleginnen schwingen wieder den Schläger – bald auch in Wettkämpfen.
KEYSTONE

Die meisten Verbände halten sich noch bedeckt. Sie arbeiten mit der neuen Verordnung des Bundes daran, Richtlinien und Termine für die Wettkämpfe ab dem 6. Juni zu finalisieren. Umfassende Saisonplanungen dürften kaum vorgelegt werden. Ob nun Veranstaltungen mit maximal 300 Personen (ab 6. Juni), maximal 1000 (der Bundesrat befindet darüber am 24. Juni) oder unbeschränkter Anzahl (bis 31. August untersagt) erlaubt sind, nimmt grundlegend Einfluss auf eine Wettkampfplanung.

Im Bereich Spitzensport ist der Beschluss des Bundesrates für einen Verband nur einer von vielen Faktoren. Die Planungen der internationalen Dachverbände, die weltweiten Reisebeschränkungen oder die Absprachen mit TV-Anstalten, Sponsoren und Veranstaltern geben ebenso den Takt vor. Das Herz des Wettkampfsportes beginnt wieder zu schlagen, aber vom Maximalpuls ist es noch weit entfernt.

Leichtathletik

Die Leichtathleten beginnen mit kleinen Schritten und haben mit den Schweizer Freiluft-Meisterschaften Mitte September ein grosses (Fern-)Ziel vor Augen. Swiss Athletics informiert bis am 2. Juni, an welchen kleineren Meetings die Elite in einer ersten Phase aus dem Startblock schiesst. Für die Schweizer Meisterschaften darf wohl der 11. und 12. September in der Agenda rot angestrichen werden. Weltklasse Zürich und das vor der Coronavirus-Krise vorgesehene Bellinzona sind als Organisator aus dem Rennen. Die Athletissima (2. September) und Weltklasse Zürich werden ihre Pläne separat mitteilen.

Auch die Volksläufer warten noch auf das Schutzkonzept für Running-Events. Doch ein klassischer Anlass mit Hunderten von Gleichgesinnten im Startsektor dürfte bis Ende August Wunschdenken bleiben.

Springreiten

Die Springreiter auf regionalem Niveau galoppieren bald wieder auf die Hindernisse zu. Für die Weltnummer 1 Steve Guerdat oder den Europameister Martin Fuchs hingegen hat der 6. Juni kaum sportliche Konsequenzen. "Zwischen 70 und 80 Prozent meines Einkommens erarbeite ich durch Preisgelder und finanziere damit meinen Betrieb", sagte Guerdat unlängst in einem Interview mit der "PferdeWoche". Für viele seiner Profi-Kollegen gab es diese Woche mit der erwarteten Absage der Global Champions Tour einen weiteren Tiefschlag. Die weltweit höchstdotierte Springsport-Serie hätte ohne Coronavirus-Krise mit einem geplanten Gesamtpreisgeld von mehr als 40 Millionen Euro gelockt.

Tennis

Im Tennis fliegen die Bälle bei der Interclub-Meisterschaft übers Netz. Die Nationalliga A, vom 28. Juli bis 9. August terminiert, wird mit einer äusserst starken nationalen Besetzung aufwarten. So hat Belinda Bencic ihren Einsatz in der höchsten nationalen Spielklasse angekündigt.

Aktuell werden diverse Turnierserien konzipiert, um den Schweizer Top- und Nachwuchsspielern Matchpraxis und Verdienstmöglichkeiten zu bieten. Bis Ende Juli sind die internationalen Turniere der WTA-, ATP-, ITF- und Tennis-Europe-Touren noch untersagt. Swiss Tennis versucht zusammen mit den Organisatoren neue Termine für die Turniere in der Schweiz zu finden.

Rudern

Die Ruderer warten für ihren Saisonhöhepunkt mit den Schweizer Meisterschaften auf den Bundesratsentscheid vom 24. Juni. Die Titelkämpfe, ursprünglich vom 26. bis 28. Juni terminiert, wurden in den Herbst verschoben. Swiss Rowing arbeitet an Szenarien, wann und wie eine Schweizer Meisterschaft 2020 auf dem Rotsee durchgeführt werden kann. Dazu müssen jedoch die Rahmenbedingungen für Grossveranstaltungen bekannt sein.

Für die Elite locken auch die Europameisterschaften in Poznan in Polen, die vom 9. bis 11. Oktober stattfinden (sollen).

Schwingen

Ob in diesem Jahr die wirklich Bösen noch wettkampfmässig in den Sägemehlring steigen, bleibt offen. Ohne Publikum geht im Schwingen gar nichts. Bereits im April sagte der Eidgenössische Schwingerverband wegen des Veranstaltungsverbots alle Kranzfeste bis Ende August ab - auch das am 30. August geplante Jubiläumsfest "125 Jahre ESV" in Appenzell, das nun an 5. September 2021 steigt. Als einziger grösserer Anlass bildet das Berner Oberländische Fest in Frutigen, das provisorisch auf den 3. Oktober verschoben ist, noch eine Unbekannte.

Beachvolleyball

Die Beachvolleyballer stehen vor einem besonderen Problem. Viele ihrer Turniere finden in Badeanstalten statt. Neben den Badegästen würden auch noch die Wettkampfsportler das Areal betreten. Über das Wettkampf-Programm und -Format der nächsten Wochen informiert Swiss Volley am Freitag.

Rad

Swiss Cycling hat insofern Glück, dass die UCI am Termin der Strassen-WM in Aigle und Martigny (20. bis 27. September) festhält. Die Mountainbike-Weltcup-Rennen in Lenzerheide sind neu auf den 4. bis 6. September angesetzt worden. Die zwei grossen Brocken scheinen somit in trockene Tücher gelegt zu sein. Die Richtlinien zur Durchführung von Radsport-Wettkämpfen dürften am 3. Juni publiziert werden.

Schwimmen

Wo die Schweizer Spitzenschwimmer 2020 im Kampf gegen die Uhr ins Wasser hechten, ist schwer abzuschätzen. Die nationalen Titelkämpfe für den Sommer sind abgesagt. Der WM-Zweite Jérémy Desplanches lebt und trainiert in Frankreich, Maria Ugolkova wird wohl Einladungen für Meetings im Ausland annehmen. Mit den Schweizer Kurzbahn-Meisterschaften in Sitten und einem Olympia-Qualifikationsmeeting im Dezember in einem 50-m-Becken zeichnen sich die nächsten wichtigen Daten erst für den Winter ab.

Triathlon

Schweizer Meisterschaften dürften hingegen die Triathleten abhalten. Sie sollen in einen für den September geplanten Wettkampf integriert werden. (sda)

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