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Wo und wie lange der Sport still steht

Das grassierende Coronavirus hat in den vergangenen Tagen und Wochen zu Absagen und Verschiebungen in der gesamten Sportwelt geführt. Seit dem Wochenende sind vorerst bis am 30. April alle Vereinsaktivitäten wie Sportanlässe, Veranstaltungen, Versammlungen und Trainings untersagt. Der Versuch einer Übersicht, ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Südostschweiz
Mittwoch, 18. März 2020, 16:03 Uhr Und wie Graubünden betroffen ist
Kurios: Armon Orlik könnte zu einem Profiteur der «Corona-Pause» werden.
KEYSTONE

Eishockey

Am 12. März hat der Schweizer Eishockeyverband entschieden, die Saison per sofort abzubrechen. Der Saisonabbruch gilt für alle Ligen in der Schweiz. Ebenfalls seit Donnerstag ausgesetzt wird der Spielbetrieb in der NHL. Ob die Saison in Übersee noch zu Ende gespielt werden kann, ist derzeit unklar. Eine Ausnahme unter den sonst überall abgebrochenen oder pausierenden Meisterschaften stellt die russisch geprägten KHL dar, die den Spielbetrieb – Stand 16.03. – lediglich eine Woche auszusetzen gedenkt.

Schlecht steht es um die im Mai stattfindende WM in Zürich und Lausanne. IIHF-Präsident René Fasel, zögert aber mit der Absage und verweist auf Bund und Kantone – wohl aus versicherungstechnischen Gründen.

In Graubünden betroffen

Während in der MSL der EHC Arosa und der EHC Chur in den Playoffs bereits auf sportlichem Weg ausgeschieden waren, wurde in der National League der Qualifikationsdritte HC Davos um die Playoffs gebracht. Ebenso fiel die Halbfinalserie auf Stufe U17 zwischen dem HCD und den ZSC Lions dem Coronavirus zum Opfer.

Unihockey

Ebenfalls am 12. März wurde klar, dass diese Saison in allen Ligen des Landes nicht mehr gespielt wird und die Saison wie im Eishockey ohne Schweizermeister beendet wird.

In Graubünden betroffen:

Mit dem Entscheid endeten die Saisons der Bündner NLA-Klubs Alligator Malans, Piranha Chur und Chur Unihockey und in der NLB für die Iron Marmots Davos-Klosters, die sich mitten in den Abstiegsplayoffs gegen den UHC Sarganserland befanden. Noch können sich die Marmots des Klassenerhalts nicht zu 100 Prozent sicher sein. «Für sämtliche Auf-/Abstiegsfragen werden mögliche Handlungsoptionen durch die Taskforce von Swiss Unihockey in Einbezug der zuständigen Gremien erarbeitet», heisst es seitens Verband.

Ob auch die Saison der beiden Bündner Schweden-Legionären Tim Braillard und Lara Heini beendet ist, steht noch in den Sternen. Die schwedische SSL hat den Spielbetrieb derzeit zwar unterbrochen, indes, Stand 16. März, mit der Ambition, die Saison noch zu Ende zu Spielen. Ein nächster Entscheid soll spätestens am 23. März fallen.

Wintersport

Als letzte Wintersport-Events der Saison 2019/20 dürften die Biathlon-Rennen vom 13. Und 14. März im finnischen Kontiolahti in die Geschichte eingehen. Vor allem für Selina Gasparin, die in der Verfolgung auf Rang 2 lief, war es ein durchaus versöhnlicher Saisonabschluss.

In Graubünden betroffen:

Weniger Glück als die Finnen hatten einige grössere Wintersport-Veranstaltungen in Graubünden. Als eines der ersten und gleichzeitig auch das prominenteste Opfer ist der Engadin Skimarathon zu nennen, den die Veranstalter bereits am 27. Februar auf Druck der kantonalen Behörden absagen mussten.

Weiter nicht stattfinden können nun am 20. und 21. März das Slopestyle-Weltcupfinale der Freeskier in Silvaplana sowie am 21. und 22. März die Schweizermeisterschaften der Alpinsnowboarder in Davos.

Fussball

Derzeit befinden sich alle europäischen Ligen in der «Corona-Pause». Am 17. März hat die Uefa bereits entschieden, die im Juni und Juli geplante EM-Endrunde um ein Jahr zu verschieben. Dieser Entscheid soll auch den europäischen Ligen etwas Luft verschaffen, um die Meisterschaften doch noch fertig zu spielen. Am Freitag hatte die Swiss Football League (SFL) bereits den Meisterschaftsbetrieb in allen Ligen und allen Regionalverbänden vorerst bis zum 30. April eingestellt.

In Graubünden betroffen:

Für das Bündner Fussball-Flaggschiff Chur 97 hätte am Samstag 14. März die Rückrunde in der 2. Liga interregional gegen den FC United Zürich starten sollen. Der SFL-Entscheid zum Saisonunterbruch kam dem Spiel jedoch knapp zuvor. Chur 97 führt die Tabelle nach der Hinrunde mit sechs Punkten Vorsprung auf das zweitplatzierte Seuzach an.

Tennis

Sämtliche ATP- und WTA-Turniere bis zum 7. Juni sind abgesagt. Das French Open in Paris, das am 18. Mai hätte beginnen sollen, wird nach dem Willen des französischen Tennisverbands FFT erst in der Zeit vom 20. September bis zum 4. Oktober stattfinden.

In Graubünden betroffen:

Unmittelbar von einem Turnierabbruch betroffen waren am 13. und 14. März die beiden Bündner Tennisspieler Jakub Paul und Simona Waltert. Paul, der sich an einem ITF-Turnier in Portugal befand, musste am Donnerstag die Absage seines Doppel-Einsatzes zur Kenntnis nehmen, nachdem er am Morgen im Einzel noch im Einsatz stand. Waltert wurde tags darauf in Südafrika auf dem Weg zu ihrem besten Saisonergebnis ausgebremst.

Derzeit nach wie vor terminiert sind die grossen Turniere in Klosters, namentlich das neue Men’s ITF Open (22. bis 28. Juni), die Junioren-EM (20. bis 26. Juli), das Swiss Seniors (9. bis 16. August) und die ATA Junior Trophy (29. August bis 5. September).

Schwingen

Die Weisungen des Bundes bedeuten, dass Armon Orlik und Co. die Kranzfestsaison ohne jede schwingerische, wettkampfmässige Vorbereitung beginnen werden. Wann und ob der Hauptteil der Saison überhaupt beginnen kann, ist offen. Nach dem noch gültigen Kalender würde es am 3. Mai mit dem Thurgauer Kantonalfest in Dussnang und dem Zuger Kantonalen in Cham losgehen. Im Südwestschweizer Teilverband hat man prophylaktisch gehandelt: Die Kantonalfeste im Waadtland, im Freiburgischen und im Wallis, die alle im Mai hätten stattfinden sollen, sind abgesagt respektive verschoben.

In Graubünden betroffen:

Dem Bündner Eidgenossen Armon Orlik könnte die Coronavirus-Zwangspause in die Karten spielen. Weil der 24-jährige Maienfelder das Schwingtraining wegen seiner Rückenverletzung verspätet aufnehmen konnte, kann er die Zeit bis zu seinem ersten Festbesuch gut gebrauchen.

Abgesagt sind derweil der Bündner Kantonal-Nachwuchsschwingertag vom Samstag, 18. April, in Trimmis sowie das Bündner Frühjahrsschwinget gleicherorts tags darauf. Für Teamleader Orlik war dieses Fest als Einstieg in die diesjährige Wettkampfsaison vorgesehen gewesen.

Leichtathletik

Auch die Planung der hochdekorierte Leichtathletik-Serie Diamond League bleibt vor dem Coronavirus nicht verschont. Die ersten drei Stationen (17. April in Katar, 9. und 16. Mai in China) können aufgrund des Virus nicht wie gewünscht stattfinden.

In Graubünden betroffen:

Am 23./24. Mai 2020 findet das internationale Mehrkampfmeeting in Landquart statt. Die Veranstaltung ist bis dato nicht abgesagt.

(krt/sda)

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