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Albane Valenzuela: Mehr als eine Hoffnungsträgerin

Albane Valenzuela ist erst 21 Jahre alt. Aber die Genferin hat in der Golfwelt schon so viel erlebt, dass sie sich dauerhaft auf der US-Profi-Tour der Frauen festsetzen könnte. Qualifiziert ist sie.

Agentur
sda
Mittwoch, 06. November 2019, 01:05 Uhr Golf
Albane Valenzuela ist eine grosse Hoffnung im Schweizer Sport
Albane Valenzuela ist eine grosse Hoffnung im Schweizer Sport
KEYSTONE/AP/CHRIS CARLSON

Internationaler als Albane Valenzuela kann man nur schwer sein. In New York ist sie geboren, am 17. Dezember 1997. Ihre Mutter ist Französin, ihr Vater Mexikaner. Lange Zeit lebte die Familie in Genf. Die letzten vier Jahre verbrachte Valenzuela hauptsächlich in Kalifornien, wo sie an der renommierten Stanford-Universität ein College-Studium der politischen Wissenschaften absolviert, verbunden mit Golf im College-Team. Als sie 14 Jahre alt war, bekam Albane Valenzuela den Schweizer Pass, seither ist sie demnach dreifache Staatsangehörige.

Aber für welche Nation schlägt ihr Golferherz? «Tausendprozentig für die Schweiz», schiesst es aus ihr heraus. «Ich bin Schweizerin und fühle mich als Schweizerin.» Jahrelang spielte sie für die Schweiz in grossen Amateurmeisterschaften, nicht selten mit ihren Freundinnen, den ebenfalls begabten Lausanner Schwestern Kim und Morgane Métraux. Mit 18 Jahren qualifizierte sich - es war damals noch eine Überraschung - für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro. Es sei ein phantastisches Erlebnis gewesen, sagt sie. Der Wettkampf - sie wurde in dem hochwertigen Feld 21. - habe sie weitergebracht, und in der Schweizer Delegation habe sie Athletinnen und Athleten aus den verschiedensten Sportarten kennengelernt. «Die Stimmung war in der ganzen Delegation genial. Unter allen Athleten gab es Unterstützung und Respekt.»

Das Feeling unter den fünf Ringen will die ambitionierte Genferin auch nächstes Jahr erleben. Das Olympia-Turnier in Tokio ist eines ihrer grossen Ziele. «Und ich freue mich, wenn ich wieder für die Schweiz spielen kann.»

Vorher wird sie das Debüt als Profi auf der LPGA Tour (Ladies Professional Golf Association Tour) geben. Im ersten Halbjahr wird sie das Studium in Stanford abschliessen, und nachher wird sie das Spielrecht auf der Tour, das sie letzte Woche in der Qualifikation in North Carolina mit Bravour erlangt hat, uneingeschränkt nutzen können. Die LPGA Tour ist der mit Abstand grösste und bedeutendste Profi-Circuit der Frauen. Das wichtigste Turnier, das Women's US Open, ist mit 5,5 Millionen Dollar dotiert. Von einem Equal Pay, einer finanzielle Gleichbehandlung, kann man im Golf bei weitem nicht sprechen. Auf der US-Tour der Männer werden pro Turnier zwischen 6,5 und 12,5 Millionen Dollar ausgeschüttet. Dennoch gibt es auch bei den Frauen, gerade in den USA, ein respektables Wachstum.

Mit 21 Jahren sehr weit

Albane Valenzuela gehörte zu den besten Amateurgolferinnen der Welt. Die Sporen hat sie sich jedoch auch als Gast in den Feldern der Profis verdient. 2018 wurde sie 24. am US Open, heuer 37. am Genfersee, am Evian Masters, das ebenfalls zu den grossen fünf Turnieren im Frauengolf zählt. Mit 21 Jahren ist sie schon sehr weit gekommen.

Valenzuelas Vorbild ist Lorena Ochoa. Sie lernte die 37-jährige, früh vom Profisport zurückgetretene Mexikanerin, langjährige Weltnummer 1, persönlich kennen. Sie war von Ochoas Fertigkeiten beeindruckt, aber auch von deren Offenheit und Bodenständigkeit. «Ja, Lorena ist für mich ein echtes Vorbild», sagt die junge Schweizerin.

«Heiter und ruhig»

Albane Valenzuela darf ihrem Einstieg ins Dasein als Profi mit Zuversicht entgegenblicken. Ihr Spiel zeichnet sich durch eine hohe Konstanz aus, was sie in der achttägigen Qualifikation mit lauter Runden zwischen 69 und 73 Schlägen unterstrichen hat. Ihre ausgesprochene Stärke ist das lange Spiel, besonders jenes mit den Eisen. Im Umgang mit den kurzen Schlägern, den sogenannten Wedges, hat sie sich in diesem Jahr stark verbessert. Wie sieht es mit der im Golf enorm wichtigen mentalen Stärke aus? Valenzuela beschreibt sich als «heiter und ruhig». Sie stellt an sich selbst fest, dass sie Fehler auf der Runde akzeptieren und beiseite legen und sich sofort auf die nächsten Schläge konzentrieren kann. Dies ist eine Stärke, die die grossen Golfer, ob Männer oder Frauen, auszeichnet.

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