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Wie nahe sind die Bündner der Weltspitze?

In Doha beginnt am heutigen Freitag die Leichtathletik-WM. Bündner finden sich in der 22-köpfigen Schweizer Delegation keine. Bereits an der nächsten WM in zwei Jahren könnte dies indes anders sein. Denn gleich mehrere Bündner Talente scharren mit den Hufen.

Tobias
Kreis
Freitag, 27. September 2019, 12:41 Uhr Zum Start der Leichtathletik-WM
William Reais ist aktuell hinter Alex Wilson der zweitschnellste Schweizer über die 200m.
KEYSTONE

Die Bündner Leichtathletik befand sich lange im Dornröschenschlaf. An der nationalen Spitze tauchten nur selten Bündner Namen auf. Die gegenüber anderen Landesteilen hinterherhinkende infrastrukturellen Voraussetzungen machen eine flächendeckende Talentförderung schwierig.

Den strukturellen Widrigkeiten zum Trotz hat sich in der jüngeren Vergangenheit eine Gruppe von Bündner Athletinnen und Athleten gebildet, die über grosses Potenzial verfügt. Nicht mehr alle trainieren sie im Heimatkanton. Die Grundlagen für die aktuellen Höhenflüge haben sie aber allesamt in Graubünden gelegt.

Ein Leistungsüberblick zu den aktuell stärksten Bündner Athletinnen und Athleten zeigt, dass einige unter ihnen bereits in zwei Jahren an der WM in Eugene (USA) die Selektionskriterien erfüllen könnten – vorausgesetzt, die Entwicklung kommt nicht ins Stocken.

(Resultate iaaf.org & swiss-athletics.ch)

Fazit

Mit Annik Kälin und William Reais weiss Graubünden zwei der grössten Schweizer Leichtathletik-Talente in seinen Reihen. Die 19-jährige Kälin ist bereits als viertbeste Schweizer Siebenkämpferin der Geschichte notiert. Ein Ende der Entwicklung ist bei der Prättigauerin nicht absehbar. Ihr ist der Vorstoss in die internationale Elite zuzutrauen.

Über aussergewöhnliche Veranlagungen verfügt auch der Churer William Reais, der sich als 20-Jähriger auf nationaler Ebene eigentlich nur noch Star-Sprinter Alex Wilson zum Vorbild nehmen kann. Ob der schnellste Bündner aller Zeiten dereinst zu den Weltbesten gehören wird, ist offen. An der absoluten Weltspitze wird die Luft (vor allem im Sprint) aber dünn.

Mit dem erst kürzlich 17 Jahre alt gewordenen Speerwerfer Jan Gredig kristallisiert sich hinter den Überfliegern Kälin und Reais ein drittes Bündner Ausnahmetalent heraus. Auf Juniorenstufe mit dem 100 Gramm leichteren Speer dominierte er in der Schweiz die Konkurrenz nach Belieben. Nun, mit dem 800 Gramm wiegenden Elite-Gerät, hat er sich bei seinen ersten Versuchen bereits den nationalen Top 10 angenähert. Wie weit die Reise für ihn gehen kann, ist indes noch kaum abzuschätzen.

Selina Fehler, Karin Disch, Nina Gredig und Judith Goll komplettieren die Bündner Fraktion, die sich derzeit an der nationalen Spitze orientiert. Gerade Mittelstreckenläuferin Fehler hat zuletzt grosse Fortschritte gemacht. In der Altersspanne von 19 bis 22, in der sich die vier befinden, sind immer noch grosse Leistungssprünge möglich. Nach langer Durststrecke darf sich die Bündner Leichtathletik-Szene auf eine goldene Ära freuen.

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