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Wer folgt auf Luca Tavasci?

Reto «Rey» Keller, Stephan Gmür und Yuri Salvetti stehen als Bündner Behindertensportler des Jahres zur Wahl. Eine Jury entscheidet, wer am Freitag an der Bündner Sportnacht in Chur geehrt wird.

Jürg
Sigel
Mittwoch, 12. Juni 2019, 05:48 Uhr Bündner Behindertensportler des Jahres
Luca Tavasci gewann den Titel Bündner Behindertensportler 2018 an der Bündner Sportnacht.
OLIVIA ITEM

Zum sechsten Mal wird an der Bündner Sportnacht auch der Behindertensportler des Jahres ausgezeichnet. Die Skirennfahrerin Bigna Schmidt war 2014 die erste Siegerin. Ihr folgten Rollstuhl-Rugby-Nationalspieler Jeremy Jenal, Madlaina Gaudenz (Schwimmen/Langlauf), Pistolenschütze Paul Schnider und vor zwölf Monaten Luca Tavasci (Langlauf). Philipp Ruckstuhl, Geschäftsführer von Procap Grischun, freut sich, auch in diesem Jahr wieder dabei sein zu dürfen. Als grösste Behindertenorganisation mit rund 3000 Mitgliedern ist dieser Event für Procap Grischun wichtig. Der Behindertensportpreis wird erneut von einer Fachjury vergeben. Dieser gehören Nationalrat Martin Candinas, Ex-Skirennfahrer Silvano Beltrametti, Snowboard-Olympiasieger Nevin Galmarini, die ehemalige Plusport-Funktionärin Luana Bergamin und Procap-Grischun-Präsident Reto Crameri an. Das Gremium wird entscheiden, welcher der drei Kandidaten als Bündner Behindertensportler des Jahres ausgezeichnet wird. Die drei Nominierten im Kurzporträt.

Die Vielseitige

Reto «Rey» Keller aus Valendas, der sich schon als Kind dem Skifahren, Langlaufen, Bergsteigen und Kanufahren widmete, kehrte 2006 in die Schweiz zurück, nachdem er 1988 nach Kanada ausgewandert war. Einiges hatte sich für den am 20. Juni 64 Jahre alt werdenden Keller verändert. Nachdem er sich 1986 eine Knie- und Venenverletzung zugezogen hatte, lebte er während 15 Jahren mit künstlichen Venen. 2003 folgte die Amputation des linken Oberschenkels. Das hinderte Keller aber nicht daran, grosse sportliche Leistungen zu erbringen wie nur ein Jahr nach der Amputation das Erklettern des Ha Ling Peak in Kanada.

Für Reto Keller ist kein Aufstieg zu steil. OLIVIA ITEM

Heute ist Keller Organisationsberater, Coach und Bergführer, führt Sommer- und Wintertouren durch. 2018 bestritt er die Para Swiss Alps Traverse. In zehn Tagen legte er mit der Oberschenkelprothese 368 Kilometer mit 12 980 Höhenmetern zu Fuss, mit dem Velo und dem Kanu von Brissago bis an den Bodensee zurück. Sportlich hat Keller noch viel vor. Sein grösstes Ziel ist es jedoch, «gemeinsam mit gleichgesinnten Körperbehinderten am Berg unterwegs zu sein und Erlebnis und Freude zu teilen».

Der Ehrgeizige

Stephan Gmür aus Tarasp wuchs als Doppelbürger in Deutschland auf und war bis zu seinem 13. Lebensjahr im Einzugsgebiet München zu Hause. «Der Umzug ins Engadin hat meine sportliche Ausrichtung geprägt», sagt er. Gmür tauschte die Ski gegen ein Snowboard und den Kampfanzug (er trainierte Taekwondo) gegen ein Downhill-Bike. Später kam Gleitschirmfliegen dazu. Am 26. Juni 2014 erlitt er bei einem Speedflying-Absturz in Scuol eine Kompressionsfraktur der Wirbelsäule. «Ich habe seither eine komplette Paraplegie L1 und bin auf den Rollstuhl angewiesen.»

Stephan Gmür lässt sich nicht von seinem Weg abbringen. PRESSEBILD

Im Winter 2015/16 erlernte er das Monoskifahren und fiel schnell positiv auf. Im Mai 2017 fand er Aufnahme im Sichtungskader des Swiss-Paralympic-Skiteam, sechs Monate später erhielt er eine Rennlizenz. Ein zweiter Platz im SL-WPAS-Rennen im holländischen Landgraaf ist sein bisher bestes Resultat. «Im vergangenen Winter habe ich Powderskifahren gelernt und das Rückwärtsfahren.» Letzteres habe seines Wissens vor ihm im Monoski noch niemand gemacht, so Gmür, dessen grösstes Ziel die Teilnahme an den Paralympischen Spielen 2022 in Beijing ist.

Das Talent

Yuri Salvetti aus dem Engadin ist ein hörbehinderter Alpinskifahrer, der noch am Anfang seiner Karriere steht. Und diese Karriere könnte ihm einige Erfolgsmomente bescheren. «Ich bin ein offener junger Mann und bewege mich gern an der frischen Luft. Reisen gehört ebenfalls zu meinen Hobbys», beschreibt sich der 19-Jährige aus Celerina. Zu seinen sportlichen Stärken gibt einer seiner Trainer, Ermanno Corlier, Auskunft: «Yuri Salvetti hat erst drei Deaf-Ski-Europacup-Saisons bestritten. Er ist noch nicht ausgereift, aber auf gutem Weg. Technische Defizite, die er hatte, konnten wir korrigieren.»

Yuri Salvetti steht am Anfang einer Erfolg versprechenden Karriere. OLIVIA ITEM

2017 nahm Salvetti mit der Schweizer Nationalmannschaft der Gehörlosen auch an der Deaf-Ski-WM teil. Sein grosses Ziel ist die Qualifikation für die Deaflympics in diesem Jahr, die vom 12. bis 21. Dezember in Italien stattfinden. Und er will nicht nur einfach dabei sein. «Ich strebe eine gute Platzierung an», gibt Salvetti zu verstehen. Toprangierungen sollen auch im Europacup her. Die Messlatte ist hoch angelegt. Corlier: «Es muss eine Kontinuität her. Das Ziel ist es, dass Yuri im Riesenslalom und Slalom immer das Podest erreicht.» Die Fähigkeiten dazu habe er.

Neue Moderatorin, Formel-1-Gast und After-Show-Party

Insgesamt in fünf Kategorien werden an der achten Bündner Sportnacht Preise übergeben. Organisator der Gala ist der Bündner Verband für Sport. Für Präsident Thomas Gilardi, der vor wenigen Wochen Sportnacht-Gründer Remo Cavegn an der Spitze des Verbandes abgelöst hat, wird der Anlass zur Premiere. Genauso dürfte die Vorfreude bei Sandra Peng aus Chur und Albert Züger aus Thusis gross sein. Beide sind als Teilnehmer an der Publikumswahl ausgelost worden und sind damit mit einer Begleitperson zu den Feierlichkeiten eingeladen.

Für den musikalischen Rahmen des erstmals von Oceana Galmarini moderierten Abends ist die Band Guya’s All Stars besorgt. Die After-Show-Party findet im Musik-Event-Lokal «Selig» im Welschdörfli statt. (rw)

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