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Alex Fiva nimmt einen neuen Anlauf als Papa

Mit seinem unglücklichen Abschneiden bei den Olympischen Spielen hatte Skicrosser Alex Fiva lange zu hadern. Mittlerweile gilt sein Fokus wieder der neuen Saison. Sie bringt ein Highlight neben der Piste.

Roman
Michel
Freitag, 14. Dezember 2018, 04:30 Uhr Skicross
Will die Fesseln auch mit 32 Jahren noch sprengen: Skicrosser Alex Fiva.
OLIVIA ITEN

Die Szene hat Alex Fiva nicht vergessen. Pyeong-chang, Olympische Spiele, Viertelfinal. Als souveräner Sieger der Qualifikation startet er in seinem Heat. «Parat» sei er gewesen, «alles aufgegleist» für den Exploit am Tag X. Doch Fivas Medaillenträume landeten in diesem Viertelfinal im Schnee. Im Duell Mann gegen Mann mit Marc Bischofberger wich er leicht zur Seite – und stürzte. Was danach folgte, ist bekannt: Der Appenzeller fuhr in Südkorea zu Olympia-Silber, Fiva blieb lediglich Platz 9. «Wäre ich nicht gegen einen Teamkollegen gefahren, hätte ich dort mehr investiert», sagte Fiva später. Wer weiss, vielleicht wäre sein Traum der ersten Medaille an einem Grossanlass dann in Erfüllung gegangen.

Kraftraum statt Heuschuppen

Was wäre, wenn? Diese Frage stellte sich Fiva immer wieder. «Ich habe schon noch eine Weile gehadert», gibt er zu, «irgendwann musste ich aber einfach abschalten.» Bischofberger gönnt er die Medaille aus ganzem Herzen. «Am Schluss ist es einfach toll, dass ein Schweizer auf dem Podest steht», so Fiva. Er weiss auch: Das Risiko gehört zum Skicross. Und: «Wir sind zwar Einzelsportler, treten aber auch als Team auf.»

«Mit Olympia habe ich schon eine Weile gehadert. Aber irgendwann musste ich einfach abschalten.»

Zusammen mit einen Kollegen bereitete sich der Parpaner denn auch wieder auf die neue Saison vor. «In den letzten Jahren fehlte mir fürs Sommertraining manchmal etwas die Motivation», so Fiva, dieses Jahr sei ihm der alljährliche Kraftaufbau im Fitnessstudio aber überraschend leicht gefallen. Lange Ferien lagen nicht drin: Nach Skitests zum Ende der Saison stieg Fiva bereits im Mai wieder ins Training ein. «Früher schuftete ich mit Armin Niederer jeweils ein-, zweimal pro Woche nach der Arbeit im Heuschuppen», erinnert er sich lachend, «heute ist das zum Glück alles etwas professioneller.»

Terminkollision: WM und Geburt

89 Weltcuprennen hat Fiva mittlerweile bereits absolviert, er gehört mit seinen 32 Jahren zu den «Ol-dies» auf der Tour. Auch wenn er ab und zu darauf angesprochen werde, Rücktrittsgedanken habe er sich noch keine gemacht. «Solange ich Spass habe, der Körper mitmacht und ich an der Spitze mitfahren kann, gibt es dafür keinen Grund.» Und doch dürfte sich Fivas Fokus in dieser Saison etwas verschieben: Ende Januar erwartet seine Freundin Regula Klossner das erste gemeinsame Kind. «Wir freuen uns riesig und sind bereits fleissig daran, das Kinderzimmer einzurichten», so Fiva. Nervös? «Nein, schliesslich haben viele andere Sportler diesen Spagat auch schon gemeistert.»

Der Zeitpunkt könnte aber zum Problem werden, findet doch Anfang Februar die WM in Solitude (USA) statt. Allzu viele Gedanken macht sich Fiva deswegen nicht: «Eine Möglichkeit wäre, dass ich ein paar Tage später anreise.» Und: Erst muss sich der Bündner überhaupt für fünf Titelkämpfe in Folge qualifizieren. Keine Selbstverständlichkeit, in Anbetracht der grossen Konkurrenz im eigenen Team. Der Kampf um die vier Startplätze hat sich durch die Absagen der Rennen in Val Thorens und Montafon zusätzlich intensiviert. Gerade beim Saisonauftakt in Frankreich wäre Fiva gerne gestartet, stand er dort doch vor zwei Jahren zuoberst auf dem Podium. Die Saison schloss er damals als Gesamtdritter ebenfalls in den Top 3 ab. In diesem Frühling verpasste er das Podest im Gesamtklassement als Vierter nur knapp. «Leider wurde das letzte Rennen der Saison abgesagt. Wer weiss, vielleicht hätte ich es sonst noch geschafft», sagt Fiva. Trotzdem ist er zufrieden: «Insgesamt zeigte ich konstante Leistungen und in Idre gelang mir mein 11. Weltcup-Sieg.» Das lässt sogar die Olympia-Enttäuschung etwas in den Hintergrund rücken.

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