×

Verletzungen rauben Beeler/Krattiger immer wieder den Schwung

Das Schweizer Beachvolleyball-Duo mit dem Joner Nico Beeler und dem Amriswiler Marco Krattiger erlebte eine spezielle, von Verletzungen geprägte Saison. Den angepeilten 20. Rang in der Weltrangliste haben die beiden verpasst, sie sehen aber klare Fortschritte in ihrem Spiel.

Linth-Zeitung
Mittwoch, 05. Dezember 2018, 04:30 Uhr Volleyball
Nach einer Saison mit Verletzungssorgen hoffen der Joner Nico Beeler (rechts) und sein Spielpartner Marco Krattiger 2019 auf mehr «Schwein».
ARCHIV

von Köbi Hefti

Das zweite gemeinsame Jahr von Nico Beeler und Marco Krattiger auf der Profi-Tour hat gezeigt, dass sie mit den besten Teams der Welt mithalten können. «Dafür braucht es aber über das gesamte Spiel hinweg eine grosse Konstanz», sind sie sich einig und ergänzen, dass dies vor allem zu Beginn der Saison nicht immer so war.

Nach dem schwierigen Saisonstart reagierte das Duo mit einer taktischen Massnahme, einem Seitenwechsel. Beeler spielte fortan wie früher auf der rechten Seite. Dieser Neustart lohnte sich. Die beiden Ostschweizer fanden zu ihrem Spiel und entsprechend kamen auch die guten Resultate, wie der 5. Rang beim 4-Sterne-Turnier in Itapema (BRA) im Mai.

Erster gemeinsamer Titel

Mitte Juni erlebte Krattiger einen herben Rückschlag. Bei einem Sprint erlitt er einen Muskelfaserriss im Oberschenkel. Es war ein Schock für den Thurgauer, wie auch für Trainer Markus Egger. «Als ich mit dem Trainer telefonierte und ihm sagte, dass ich zwei Monate ausfallen würde, herrschte einfach nur Stille», erinnert sich Krattiger. Als Duo mussten Beeler/Krattiger viele grosse Turniere sausen lassen, darunter auch den Heimevent in Gstaad, der jeweils ein Saisonhöhepunkt darstellt. Immerhin verlief der Heilungsprozess schneller. So konnten Nico Beeler und Marco Krattiger Mitte Juli bei der Europameisterschaft in Holland antreten. Und wie sie dies taten: Mit hervorragenden Leistungen räumten sie einige deutlich höher eingestufte Teams aus dem Weg und klassierten sich am Ende auf dem 5. Rang.

«Ich hatte eine spezielle Saison – ich war so oft Einzelsportler wie noch nie.»
Nico Beeler, Beachvolleyballer aus Jona

Kurz darauf erreichten sie mit ihrem ersten gemeinsamen Schweizermeister-Titel ein weiteres Ziel. Damit unterstrichen sie ihre Leaderposition auf dem nationalen Parkett. In den 17 Spielen gegen die inländische Konkurrenz blieben sie makellos.

Vorzeitiges Saisonende

Wie nahe Freud und Leid zusammen sein können, erlebten Nico Beeler und Marco Krattiger kurze Zeit später in Kalifornien. Beim Einladungsturnier King of Court, einem neuen, attraktiven Format im Beachvolleyball, spielten sie gross auf, am Ende gab es den 3. Rang inmitten der Weltelite – doch einer musste beim letzten Spiel zuschauen. Marco Krattiger rutschte im Halbfinal auf der Linie unglücklich aus und erlitt dabei eine schwere und schmerzhafte Bänderverletzung an den Zehen. Immerhin verblieb Nico Beeler im Turnier – einfach mit einem temporären Partner wie bereits in Gstaad.

Nach dieser Verletzung Krattigers war die Saison der Ostschweizer aber vorbei und der Saisonplan ein weiteres Mal Makulatur. Nichts wurde mit der Teilnahme an den ersten Qualifikationsturnieren für Olympia 2020.

Mittlerweile ist die Verletzung beim Thurgauer weitgehend verheilt. Er erklärt: «Die Zehen sind für die Stabilisation im Sand sehr wichtig. Es sind lustige Übungen, die ich mache, um diesen Körperteil zu stärken. Bisher interessierte mich mein Körper vor allem vom Knie an aufwärts und so war diese Verletzung eine ganz neue Erfahrung.»

Die beiden Blessuren seines Partners hatten auch für Nico Beeler nachhaltige Auswirkrungen. «Ich hatte eine spezielle Saison – ich war so oft Einzelsportler wie noch nie», sagt der Joner.

«Wenn wir weiterhin mit derselben Energie ans Werk gehen, werden wir es unter die besten fünf Teams der Welt schaffen.»
Nico Beeler, Beachvolleyballer aus Jona

In der Rückblende sind die sportlichen Erfolge und die Verletzungen für das Beachvolley-Nationalteam Beeler/Krattiger die prägenden Momente der Saison 2018. «Wir hatten einen guten Lauf und wurden dadurch ausgebremst», sagen sie übereinstimmend. Die Zwangspausen brachten aber auch Positives. Es blieb mehr Zeit, um ihr Sponsoring und Marketing zu optimieren. Beeler ergänzt: «Wir werden immer grösser und arbeiten seit diesem Jahr mit einem Management zusammen. Es ist uns gelungen, eine gute Basis zu legen.» Die Konzentration galt jedoch auch in dieser Zeit ihrem Sport. Sie hätten sich im psychologischen Bereich weiterentwickelt und an Details gearbeitet, berichten sie. So war bei Beeler beispielsweise die Frustrationstoleranz ein Thema.

Für Zukunft zuversichtlich

Das Fazit des Duos Beeler/Krattiger über die Saison fällt differenziert aus: «In der Weltrangliste stehen wir mit Rang 33 nicht dort, wo wir sein wollten. Bei der EM und SM, wo es um Medaillen ging, spielten wir gut.» Deshalb betonen sie: «Das Thema Konstanz wird uns auch in den kommenden Jahren weiterhin begleiten und entscheiden, ob wir es schaffen oder nicht.»

Beeler bleibt für die Zukunft zuversichtlich: «Wir können wirklich gut spielen und wissen, was wir besser machen müssen.» Ob sie in zwei oder fünf Jahren dort seien, wo wir sein wollten, sei offen. Beeler dazu: «Wir müssen Geduld haben. Wenn wir weiterhin mit derselben Energie ans Werk gehen, werden wir es unter die besten fünf Teams der Welt schaffen.» Das Duo ist sich einig, dass es im Hinblick auf das grosse Ziel Tokio 2020 nicht viel zu ändern sei. Sie müssten jedoch noch akribischer arbeiten, sich als Team weiterentwickeln sowie das blinde Verständnis und die Automatismen im Spiel verbessern.

Kommentar schreiben

Kommentar senden