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Kasper kritisiert Sotschi und trauert 2022 nach

Der Bündner Gian-Franco Kasper ist seit 15 Jahren Präsident des Internationalen Skiverbandes FIS. In einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger» äussert der 69-Jährige Kritik am Gigantismus der Olympischen Spiele von Sotschi und spricht nochmals über die Olympia-Kandidatur Graubünden 2022. Weiter will Kasper nochmals für eine Amtszeit kandidieren.

Südostschweiz
Freitag, 29. November 2013, 15:00 Uhr
Gian-Franco Kasper will nochmals für eine Amtszeit kandidieren.

Olympisches. – Im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» sagt Gian-Franco Kasper, dass ihn Sport fasziniere, «ausser Fussball». Im Engadin, wo Kasper aufwuchs, spielte Fussball keine Rolle. Und dass die Weltmeisterschaft 2022 in Katar im Winter den Wintersport konkurrenziere, begeistere ihn wenig, so Kasper weiter. «Aber ich bin mir bewusst, dass Fussball das Publikum enorm interessiert, zugleich allerdings Aufmerksamkeit von allen andern Sportarten wegnimmt.»

Das im März vom Bündner Stimmvolk abgelehnte Olympiaprojekt Graubünden 2022 gehört für Kasper zu den grössten Niederlagen seiner langen Funktionärenlaufbahn. Kasper war als Präsident des Kandidaturkomitees bereits gewählt. Dass er sein Amt nie hat antreten können «hat mir schon wehgetan.»Kaspers Vater war 1948 OK-Präsident der St. Moritzer Winterspiele.

Hauptgrund im Gigantismus

Kasper erstaunte die Niederlage für die Austragung der Spiele 2022 nicht. «Die Angst vor den finanziellen Risiken war spürbar. Hinzu kam ein tiefes Misstrauen dem Internationalen Olympischen Komitee gegenüber», so Kasper. Und weiter: «Auch das Gebaren der Russen betreffend Sotschi half wenig. Die schmissen die Milliarden geradezu hinaus, begingen Umweltsünden.»

Dass sowohl Deutschland mit München 2022 und Österreich mit Wien 2028 in Volksabstimmungen Olympiaprojekte verwarfen, macht Kasper Sorgen. «Ich sehe den Hauptgrund im Gigantismus der Spiele. Die olympische Bewegung frisst sich selber, wenn sie so weitermacht, immer noch grösser wird», so Kasper im Interview. Dass die Dimensionen von Spielen reduziert werden kann, bezweifelt Kasper. «Aber man kann sie zumindest stabilisieren. Die Schweizer Kandidatur hätte dazu beigetragen.» Weiter sagt Kasper, dass Sotschi ein nationales Prestigeobjekt und damit ein Rückschritt für die olympische Bewegung sei.

Kaspers Amtszeit bei der FIS läuft im Frühling aus. Er kandidiert für eine fünfte Amtszeit. Dann will er den Ablauf im Riesenslalom und Slalom kürzen. «Wir müssen innerhalb von 90 Minuten die ganze Show veranstalten können.» Kasper studierte Psychologie, ist verheiratet, hat einen erwachsenen Sohn und wohnt im Kanton Bern. (phw)

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