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No Love statt One Love

Claudio
Sidler
22.11.22 - 09:01 Uhr
Fussball
Kommentar

Die Fussball-WM in Katar, sie gibt nach wie vor hauptsächlich neben dem Platz zu reden. Wochenlang dominierten haarsträubende Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen und toten Gastarbeitern die Schlagzeilen, damit sollte aber eigentlich seit Sonntag Schluss sein. Rollt nämlich ein Ball über den grünen Rasen, dann verstummt auch die Kritik. So in etwa stellte es sich jedenfalls Fifa-Präsident Gianni Infantino vor.

Es kam aber, nicht ganz unvorhergesehen, ganz anders. Am Montag erklärten mehrere europäische Mannschaften, unter anderen auch die Schweiz, dass ihre Kapitäne nicht mit speziellen «One Love»-Binden auflaufen werden. Diese waren zuvor von der Fifa genehmigt worden und sollten subtil auf die Menschenrechte aufmerksam machen. Subtil, weil nicht die bekannten Regenbogenfarben darauf zu sehen sind, die als global verständliches Symbol für Vielfalt stehen. Nein, diese hätten als Kritik an der Menschrechtssituation im Gastgeberland interpretiert werden können und Kritik wird von der Fifa und Katar grundsätzlich nicht geduldet. Als Kompromiss wurde eine willkürliche Farbkombination gewählt, entfernt erinnert sie an die Regenbogenflagge.

Rückzieher: Der Schweizer Granit Xhaka trägt die «One Love» Kapitänsbinde am Arm.
Rückzieher: Der Schweizer Granit Xhaka trägt die «One Love» Kapitänsbinde am Arm.
Bild Laurent Gilliéron / Keystone

Eine generische Kompromissbinde

Die Kompromissbinde, sie war ein Kniefall der Nationalteams vor der Fifa, damit sie wenigstens den Schein von Moral wahren konnten. Mittlerweile ist aber selbst diese generische und nichtssagende Binde verboten worden, gar mit Strafen wird gedroht. Diese Drohungen sind auf die Kataris zurückzuführen. Kritik wird nicht geduldet. Dass nun die Nationalteams sofort einknickten und ihre Überzeugungen verleugnen, ist enttäuschend. Schliesslich haben sie diesen Weg des Protests frei gewählt. Klar, die Teams wollen nun auch ohne die Binde moralische Zeichen setzen. Aber Zeichen, die man nur dann setzt, wenn man dadurch keinerlei Konsequenzen zu befürchten hat, sind schlichtweg keine Zeichen.

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