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21 Weltmeisterschaften, 21 Geschichten: Teil 2 von 1978 bis 2018

Der Fussball schreibt schöne, schmutzige und emotionale Geschichten. Zum Start der WM in Katar haben wir zu jeder bisher ausgetragenen Weltmeisterschaft eine spezielle Geschichte herausgesucht. Hier kommt der zweite Teil.

Lars
Morger
20.11.22 - 04:30 Uhr
Fussball
Objekt der Begierde: Der WM-Pokal in Grossformat steht vor einem Stadion der WM 2022.
Objekt der Begierde: Der WM-Pokal in Grossformat steht vor einem Stadion der WM 2022.
Bild Hassan Ammar / Keystone

Ihr habt den ersten Teil von «21 Weltmeisterschaften, 21 Geschichten» verpasst? Kein Problem! Den Artikel findet ihr hier. Nun aber ab in den zweiten Teil.

1978: Die «schmutzigste und traurigste» WM 

Die WM 1978 stand mit der seit 1976 in Argentinien existierenden Militärdiktatur – über 30’000 Oppositionelle wurden gefoltert und teilweise ermordet – unter keinem guten Stern. Auch wenn die Proteste – wohl auch wegen einer zu grossen Angst vor Diktator Jorge Videla – weitgehend ausblieben, ist es ein Skandal, der von dieser WM in Erinnerung bleiben wird. Videla und US-Aussenminister Henry Kissinger haben dafür gesorgt, dass Argentinien diese WM gewinnen wird. Argentinien brauchte für den Finaleinzug einen Sieg mit vier Toren Unterschied und gewann gegen das zuvor in der Abwehr starke Peru gleich mit 6:0. Beide Politiker wurden in der peruanischen Mannschaftsgarderobe gesehen. Nach der WM lieferte die Militärdiktatur 35’000 Tonnen Getreide an Peru und gab einen zuvor eingefrorenen 50-Millionen-Kredit wieder frei – ganz deutliche Indizien, dass der Finaleinzug manipuliert war. Diesen Final gewannen die Argentinier dann 3:1 nach Verlängerung gegen die Niederlande. 

1982: Aufbruchsstimmung und der Nichtangriffspakt

Das einzige Tor: Horst Hrubesch erzielt das 1:0 für Deutschland gegen Österreich.
Das einzige Tor: Horst Hrubesch erzielt das 1:0 für Deutschland gegen Österreich.
Bild Keystone

Das Gegenteil von 1978 war die nächste WM in Spanien. Nach 40 Jahren unter der Franco-Diktatur erlebten die Spanier einen zweiten Frühling. Dementsprechend fröhlich war die WM. Doch auch an dieser WM gab es einen kleinen Skandal. Im Gruppenspiel zwischen Deutschland und Österreich einigten sich die beiden Mannschaften auf einen Nichtangriffspakt. Das 1:0 für Deutschland brachte beide Mannschaften in die nächste Runde, während das punktgleiche Algerien aufgrund des schlechteren Torverhältnisses auf Platz 3 rutschte und die K.o.-Phase verpasste. Der Pakt war besonders in der 2. Halbzeit deutlich sichtbar, als sich die beiden Teams den Ball nur hin- und herschoben und keine Chancen sowie Abschlüsse passierten. Weltmeister wurde Italien dank eines 3:1-Siegs gegen Deutschland. 

1986: Maradona – Jahrhunderttor und «Hand Gottes»

Ein Bild für die Ewigkeit: Diego Maradona bezwingt Englands Goalie Peter Shilton mit einem Handstor.
Ein Bild für die Ewigkeit: Diego Maradona bezwingt Englands Goalie Peter Shilton mit einem Handstor.
Bild Keystone

Es ist eine der berühmtesten Szenen der Fussballgeschichte: In der 51. Minute des Viertelfinalspiels zwischen England und Argentinien an der WM in Mexiko beförderte der grosse Star der «Gauchos», Diego Maradona, die Ball nach einer Bogenlampe mit der Hand über England-Hüter Peter Shilton ins Tor. Maradona sprach später von der «Hand Gottes», die den Ball in die Maschen befördert habe – dieser Ausdruck wird auch heute noch verwendet, wenn von dieser Szene gesprochen wird. Im selben Spiel legte Maradona aber noch einen drauf. Mit einem Sololauf über 60 Meter umdribbelte er vier Minuten nach seinem legendären Tor sieben England-Spieler und bezwang Shilton zum 2:0. Das Tor wurde später zum schönsten Tor der WM-Geschichte gewählt – doch seht selbst:

Argentinien wurde dann auch zum zweiten Mal Weltmeister und Maradona zum besten Spieler des Turniers gewählt. 

1990: Deutschland zum Dritten

Entscheidung: Andy Brehme verwandelt in der 85. Minute den Strafstoss zum Weltmeistertitel.
Entscheidung: Andy Brehme verwandelt in der 85. Minute den Strafstoss zum Weltmeistertitel.
Bild Keystone

Deutschland krönte sich in Italien bereits zum dritten Mal zum Weltmeister. Andy Brehme entschied die Partie mit einem Elfmeter in der 85. Minute zugunsten der «Mannschaft». Dabei wäre eigentlich Lothar Matthäus als Elfmeterschütze vorgesehen gewesen – er musste jedoch in der Pause seine Schuhe wechseln und lehnte es daher ab, den Strafstoss zu treten. Mit dem Finalsieg gegen Argentinien gelang es erstmals einer europäischen Mannschaft, ein WM-Final gegen ein Team aus Südamerika zu gewinnen. 

1994: Baggios Misstritt und Zuschauerrekord

Das Finale der WM 1994 in den USA ist das erste in der Geschichte, das im Elfmeterschiessen entschieden wurde. Zur tragischen Figur machte sich mit Roberto Baggio die italienische Fussballikone mit dem markanten Zopf. Er verschoss den entscheidenden Elfmeter und blieb still, wie angewurzelt und mit gesenktem Kopf beim Penaltypunkt stehen – ein Bild, das um die Welt ging. Baggio machte Brasilien damit wieder zum alleinigen Rekordhalter für die meisten WM-Titel (4). 

Mit Brasilien fand eine besondere WM einen würdigen Sieger. Zuvor war der Fussball in den USA nicht mehr als ein Nischensport. Durch die WM, die mit fast 69’000 Zuschauer im Schnitt einen bis heute gültigen Rekord aufstellte, gewann der Fussball auch in Nordamerika an Auftrieb. Übrigens war auch die Schweiz nach einer langen Durststrecke erstmals seit 1966 wieder an der WM dabei. Die «Nati» verlor im Achtelfinale gegen Spanien 0:3. 

1998: Frankreich landet den grossen Heimcoup

Bei der erstmals mit 32 Mannschaften ausgetragenen WM landete Gastgeber Frankreich den grossen Coup. Im Finale besiegt die «Equipe Tricolore» den amtierenden Weltmeister Brasilien gleich 3:0 und versetzt damit ein ganzes Land in den Ausnahmezustand. Der gefeierte Held war Weltstar Zindedine Zidane, der seine Mannschaft mit zwei Toren praktisch im Alleingang zum Titel schoss. 

Die Schweiz konnte sich nach 1994 nicht erneut für die Endrunde qualifizieren. 

2002: Ronaldo nutzt Kahns einzigen Bock

Die Entscheidung: Ronaldo bezwingt Oliver Kahn nach dessen Fehler zum siegbringenden Tor im WM-Final 2002.
Die Entscheidung: Ronaldo bezwingt Oliver Kahn nach dessen Fehler zum siegbringenden Tor im WM-Final 2002.
Bild Keystone

Erstmals in der Geschichte der WM fand diese 2002 in Asien statt. Japan und Südkorea waren die Ausrichter. Dem Türken Hakan Sükür gelang das schnellste Tor der WM-Geschichte, er traf nach 11 Sekunden. Im Final standen aber zwei Mannschaften, die in ihrer Geschichte zusammen schon sieben Weltmeistertitel ergattern konnten. Deutschland hatte seinen Finaleinzug zu grossen Teilen seinem Torhüter Oliver Kahn zu verdanken, der mit brillanten Leistungen auf sich aufmerksam machte. Ausgerechnet im Final unterlief ihm aber der entscheidende Fehler. Er liess einen scheinbar harmlosen Schuss nach vorne abprallen und Brasiliens Starstürmer Ronaldo nutzte diesen Fehler eiskalt aus – Brasiliens fünfter Titel wurde Tatsache. Kahn wurde sowohl zum besten Torhüter als auch zum besten Spieler gewählt – was jedoch für ihn nur ein schwacher Trost gewesen sein dürfte. 

2006: Das Sommermärchen und ein legendärer Abgang

Rot zum Ende der Karriere: Zinedine Zidane wird im WM-Final nach einer Tätlichkeit vom Feld gestellt.
Rot zum Ende der Karriere: Zinedine Zidane wird im WM-Final nach einer Tätlichkeit vom Feld gestellt.
Bild Keystone

Erst zum zweiten Mal in der WM-Geschichte standen 2006 weder Deutschland noch Brasilien im WM-Final. Italien und Frankreich hiessen die beiden Kontrahenten. Zinedine Zidane beendete nach der WM seine Karriere und der WM-Final war seine allerletzte Partie. In dieser sorgte er für eine legendäre Szene, als er Italiens Verteidiger Marco Materazzi nach minutenlanger Provokationen des Italieners einen Kopfstoss verpasste. Zidanes Karriere ging also mit einer Roten Karte zu Ende. Italien wurde dann im Elfmeterschiessen zum vierten Mal Weltmeister. Den Kopfstoss siehst du hier mit französischem Originalkommentar: 

Die WM 2006 ging als deutsches Sommermärchen in die Geschichte ein. Auch wenn später bekannt wurde, dass die Vergabe gekauft war, organisierte Deutschland ein rauschendes Fussballfest, bei dem die Heimmannschaft – an die keine grossen Erwartungen gestellt wurden – in den Halbfinal vorstiess. Für eine besondere Geschichte sorgte auch die Schweiz. Sie ist bis heute die einzige Mannschaft, die an der WM ohne Gegentor ausgeschieden ist. Dies, weil im Achtelfinale gegen die Ukraine mehreren Schweizer Spielern im Elfmeterschiessen die Nerven versagten:

2010: «Wembley-Tor» 2.0 und Tiki-Taka

Nach der Premiere in Asien acht Jahre zuvor fand 2010 erstmals eine WM in Afrika statt. Im Achtelfinale zwischen England und Deutschland gab es eine Wiederholung des «Wembley-Tors» von 1966 – einfach umgekehrt. Diesmal profitierte Deutschland davon, dass Frank Lampards Treffer nicht gegeben wurde. Nach diesem Fehlentscheid wurde die Torlinientechnologie eingeführt. Dominiert wurde das Turnier von Spanien. Die Iberer, die für ihr Kurzpassspiel namens Tiki-Taka bekannt waren, holten sich den ersten WM-Titel überhaupt – dank eines Treffers von Andres Iniesta in der 116. Minute im Final gegen die Niederlande:

Die Schweiz scheiterte bereits in der Gruppenphase, obwohl im ersten Spiel der spätere Weltmeister besiegt werden konnte. Nach der Niederlage gegen Chile und dem mageren 0:0 gegen Honduras war das Turnier aber zu Ende. 

2014: Das zweite Brasilien-Debakel und Götzes goldener Moment

Gross waren die brasilianischen Hoffnungen auf den ersten Weltmeistertitel seit 2002 – und dann noch im eigenen Land. Die Träume zerschlugen sich im Halbfinale gegen Deutschland jäh. Es war gar ein regelrechtes Debakel, das die «Selecao» erlebte. In Belo Horizonte erlebte sie ein zweites «Maracanaço», der Bezeichnung für die Niederlage im WM-Final 1950. Gleich 1:7 gingen die Gastgeber gegen das deutsche Ensemble unter, das Brasilien in eine tiefe Depression schickte. Das Spiel wurde später in Anlehnung auf den Stadionname als «Mineiraço» bekannt, was sinngemäss der «Schock von Mineirão» bedeutet. Die Highlights dieser Partie findest du hier (Achtung: Brasilien-Fans sollten dieses Video nicht anklicken):

Deutschland marschierte so also in den Final, wo es auf Argentinien traf. Wie schon 2006 und 2010 ging das Finalspiel in die Verlängerung. Dort hatten die Deutschen das Glück auf ihrer Seite. Mario Götze, in der 88. Minute eingewechselt, erzielte nach 113 Minuten das Goldene Tor: 

Die Schweizer Mannschaft scheiterte im Achtelfinale ganz knapp an Argentinien (0:1 nach Verlängerung), nachdem sie sich mit einem 3:0 gegen Honduras im letzten Gruppenspiel für die K.o.-Phase qualifizierte. 

2018: Die WM der Überraschungen

Die bisher letzte WM in Russland sorgte für einige Überraschungen. Der amtierende Weltmeister Deutschland schied bereits nach der Gruppenphase aus. Im Achtelfinale folgten Spanien, Portugal und Argentinien, im Viertelfinale auch Brasilien. Im Halbfinale standen Belgien, England, Kroatien und Frankreich. Letztere beide qualifizierten sich für den Final, den die Franzosen mit 4:2 für sich entschieden. 

Die Schweiz erlebte eine erneute Achtelfinal-Enttäuschung. Gegen Schweden war sie leicht favorisiert, unterlag aber 0:1. 

Mehr zur Fussball-WM in Katar findet ihr hier:

Lars Morger schreibt als Redaktor Sport mit Schwerpunkt Eishockey für die gemeinsame Sportredaktion der Zeitung «Südostschweiz« und «suedostschweiz.ch». Mehr Infos

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Na ja besonder's war die Fussball WM nie denke an das "Wunder von Bern" die "goldene Hand Gottes" von Diego Maradona, immer wurde getrickst oder politisiert..doch diese WM übertrifft jede fusballerische Pietät und man muss sich langsam fragen, ober das Wallis ein Sumpf der Mafia ist....nein diese WM hat wirklich nichts mit Fussball zu tun und muss boykottiert werden

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