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Sommer als Primus inter Pares

Sommer als Primus inter Pares

Die Schweizer Nationalmannschaft hat mit dem erstmaligen Viertelfinaleinzug an einer EM Schweizer Sportgeschichte geschrieben.

Agentur
sda
vor 3 Monaten in
Fussball
Yann Sommer war an der EM der Beste in einer starken Schweizer Mannschaft
Yann Sommer war an der EM der Beste in einer starken Schweizer Mannschaft
KEYSTONE/EPA/Alexander Hassenstein / POOL

Mit dem sportlich Erreichten und der Art und Weise, wie die Mannschaft von Vladimir Petkovic im Achtel- und Viertelfinal gegen Frankreich und Spanien auftrat, gewann die SFV-Auswahl Sympathien weit über die Landesgrenzen hinaus. Die Einzelkritik im Überblick:

Yann Sommer

Beflügelt durch die Geburt seines zweiten Kindes, weswegen Sommer das Team nach dem Spiel gegen Italien kurz verliess, steigerte sich der Keeper zur Hochform. Bereits im entscheidenden Vorrundenspiel gegen die Türkei war er ein starker Rückhalt, gegen Frankreich sicherte er sich in seinem 65. Länderspiel mit der entscheidenden Penalty-Parade gegen Kylian Mbappé den Eintrag in die Geschichtsbücher. Gegen Spanien rettete er seine in Unterzahl agierende Mannschaft mirakulös ins Penaltyschiessen.

Nico Elvedi

Der Verteidiger von Borussia Mönchengladbach war die Zuverlässigkeit in Person und stand wie Sommer und Akanji jede Minute auf dem Platz. Obwohl erst 24 Jahre alt, trat er auch in den hektischen Phasen ruhig und abgeklärt auf. In der Offensive trat er - anders als jeweils im Klub - kaum in Erscheinung.

Fabian Schär

Es war nicht das Turnier des langjährigen Abwehrchefs. Nach dem 0:3 gegen Italien fiel Schär aus der Mannschaft. Und trotzdem: Im Achtelfinal gegen Frankreich war auch der Ostschweizer ein wichtiger Faktor, half er doch in der Verlängerung mit, die aufgrund der nötig gewordenen Aufholjagd sehr offensiv ausgerichtete Mannschaft wieder zu stabilisieren. Seinen Penalty verwertete er im Achtelfinal souverän, im Viertelfinal scheiterte er dann kläglich.

Manuel Akanji

Der Verteidiger von Borussia Dortmund entwickelte sich im Lauf des Turniers zum Abwehrchef. Er absolvierte wie Sommer und Elvedi jede Minute und blieb ohne Fehl und Tadel. Akanji gehörte zu den Besten im Schweizer Team.

Ricardo Rodriguez

Der U17-Weltmeister von 2009 hätte die tragische Figur des Turniers werden können, als er gegen Frankreich beim Stand von 1:0 einen Penalty verschoss. Der linke Verteidiger, an dem Petkovic trotz fehlender Spielpraxis und Formkrise festhielt, steigerte sich im Lauf des Turniers und zeigte gegen Spanien seine beste Leistung.

Kevin Mbabu

Auch Mbabu flog nach dem Spiel gegen Italien aus der Startformation. Wie viele aus der zweiten Garde hatte der Genfer seinen grossen Auftritt im Achtelfinal gegen Frankreich. Kurz vor dem 1:3 wurde er eingewechselt, mit seiner Flanke in der 81. Minute auf Haris Seferovic, der zum 2:3 traf, leitete er die Wende ein und ebnete den Weg zur «magischen Nacht von Bukarest».

Silvan Widmer

Gegen die Türkei rückte er in die Mannschaft und half mit, dass sich die Verteidigung im Lauf des Turniers immer mehr stabilisierte. Gegen Frankreich hielt er zusammen mit Elvedi Mbappé in Schach, in der Offensive erzielte er hingegen kaum Wirkung.

Steven Zuber

Die positive Überraschung aus Schweizer Sicht. Als Joker ins Turnier gestartet, hauchte der Zürcher durch seine Nomination für die Startaufstellung gegen die Türkei der Offensive neues Leben ein und bereitete alle drei Treffer vor. Auch gegen Frankreich schlug er die Flanke zum Führungstreffer von Seferovic und holte später den Penalty heraus, den Rodriguez vergab.

Granit Xhaka

Der Captain stand nach der Partie gegen Italien am meisten in der medialen Kritik. Wegen seiner Leistung, aber auch aufgrund von Nebensächlichkeiten wie dem Besuch eines Tattoo-Studios vor der Abreise nach Baku und dem Färben seiner Haare. Xhaka belehrte alle Kritiker eines Besseren und demonstrierte das, was er spätestens seit der Übernahme der Captainbinde ist: der unumstrittene Anführer dieser Mannschaft - auf und neben dem Platz! Gegen Frankreich spielte Xhaka sein wohl bestes von inzwischen 98 Länderspielen. Wegen zwei Verwarnungen wegen Reklamierens fehlte er gegen Spanien - und wurde schmerzlich vermisst.

Remo Freuler

Der Serie-A-Stammspieler blieb während der Vorrunde unauffällig und stand gegen Frankreich im Schatten des überragenden Xhaka, obwohl er mit 14,61 Kilometern von allen Spielern am meisten lief. Gegen Spanien wurde er zur tragischen Figur, als ihn Schiedsrichter Oliver wegen eines harten, aber nicht brutalen Tacklings in der 77. Minute mit einer direkten Roten Karte bestrafte.

Denis Zakaria

Der vor seiner schweren Knieverletzung so hoch gehandelte Mittelfeldspieler erlebte ein schwieriges Turnier. Nach seiner Einwechslung gegen Wales kassierten die Schweizer den Ausgleich, gegen Spanien lenkte er als Ersatz des gesperrten Xhaka bereits in der 8. Minute den Ball unglücklich ins eigene Tor ab.

Xherdan Shaqiri

Auch an dieser EM bewies Shaqiri, dass er ein Spieler für die besonderen Momente ist. Nach zwei schwachen Auftritten gegen Wales und Italien wurde er mit seinen beiden herrlichen Toren gegen die Türkei zum Matchwinner. Und nachdem er gegen Frankreich einer der Unauffälligeren gewesen war, sorgte er mit dem 1:1 gegen Spanien dafür, dass die Schweiz bis ins Penaltyschiessen vom nächsten Coup träumen durfte.

Breel Embolo

Der beste Schweizer und Torschütze im Startspiel gegen Wales war danach nicht mehr so auffällig. Dank seiner Robustheit war Embolo aber wertvoll für die Mannschaft, konnte er doch von den Gegnern oft nur mit Fouls, die aber nicht immer gepfiffen wurden, gestoppt werden. Er bekundete gegen Spanien Pech, als er nach 20 Minuten verletzt raus musste.

Haris Seferovic

Endlich wurde auch einmal an einer Endrunde für alle offensichtlich, warum Seferovic bei Benfica Lissabon regelmässig trifft. Sein Führungstreffer gegen die Türkei löste die Verkrampfung im Schweizer Spiel, beim historischen Coup gegen Frankreich glänzte er mit zwei herrlichen Kopfballtoren. Der U17-Weltmeister von 2009 zeigte auch neben dem Platz Führungsqualitäten.

Mario Gavranovic

Der Edeljoker machte mit seinem 3:3 in der 90. Minute gegen Frankreich die «Nacht von Bukarest» erst möglich, nachdem seine ersten beiden Tore an diesem Turnier wegen einer knappen Offsidestellung aberkannt worden waren. Gavranovic etablierte sich als sicherer Penaltyschütze: Als Einziger traf er sowohl gegen Frankreich als auch gegen Spanien vom Elfmeterpunkt.

Ruben Vargas

Die Bilder des weinenden Ruben Vargas gingen um die Welt. Gegen Frankreich noch einer der Helden, als er mit etwas Glück Hugo Lloris bezwang, war sein Schuss über das Tor im Penalty-Drama gegen Spanien letztlich diejenige Aktion, die für die Vorentscheidung sorgte.

Christian Fassnacht

Er profitierte womöglich von der Tatsache, dass Petkovic 26 und nicht nur 23 Spieler für das Turnier nominieren durfte. Nachdem er in der Vorrunde nicht berücksichtigt worden war, schlug gegen Frankreich die Stunde des Zürchers, der mit 21 noch im Amateurfussball gespielt hatte. Vor dem 2:3 und 3:3 hatte Fassnacht den Ball erobert und trug damit seinen Teil zum Coup gegen den Weltmeister bei.

Admir Mehmedi

Im Gegensatz zur WM 2014 und EM 2016 war für Mehmedi an diesem Turnier nur eine kleine Rolle zugedacht. Er verwertete im Penaltyschiessen gegen Frankreich den wichtigen fünften Versuch und setzte damit Mbappé unter Druck. Gegen Spanien fehlte er wegen einer Verletzung.

Ebenfalls eingesetzt wurden Loris Benito und Djibril Sow. Nicht zum Einsatz kamen die Torhüter Yvon Mvogo, Jonas Omlin, der während des Turniers verletzt abreiste, und Gregor Kobel sowie Edimilson Fernandes, Eray Cömert, Jordan Lotomba und Becir Omeragic.

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