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Schweiz nach 3:1 gegen die Türkei auf Achtelfinal-Kurs

Schweiz nach 3:1 gegen die Türkei auf Achtelfinal-Kurs

Die Schweizer Nationalmannschaft wendet das vorzeitige Aus bei der EM ab. Sie setzt sich zum Abschluss der Vorrunde in Baku gegen die Türkei mit 3:1 durch und schliesst die Gruppe A auf Platz 3 ab.

Agentur
sda
vor 2 Monaten in
Fussball

Baku steht nicht länger als Mahnmal in den Schweizer Fussball-Annalen. 25 Jahre nach einer «debakulösen» Niederlage gegen den krassen Aussenseiter Aserbaidschan verhinderte die Schweiz am Kaspischen Meer einen schnellen und enttäuschenden Abgang von der EM-Bühne. Sie darf nach dem Sieg gegen die Türkei guter Hoffnung sein, als einer der besten vier Gruppendritten in die Achtelfinals vorzustossen. Es müsste in den anderen Gruppen fast mit dem Teufel zugehen, denn bei diesem Modus hat noch nie ein Dritter mit vier Punkten die K.o.-Phase verpasst.

Ob das Warten und Zittern bis längstens Mittwochabend gut ausgeht, darauf haben die Schweizer nun keinen Einfluss mehr. Was sie an diesem Abend aber beeinflussen konnten, das haben sie mit Bravour gemacht. Nur einen Makel hatte der Auftritt der Schweizer: Hätten sie am Ende um zwei Treffer höher gewonnen, hätten sie Wales noch von Platz 2 verdrängen und die Achtelfinal-Qualifikation damit bereits sichern können. Chancen für den benötigten Kantersieg erspielten sich die Schweizer vor allem in der ersten Viertelstunde nach der Pause.

Dennoch: Nach der heftigen Kritik der letzten Tage, die nach dem pitoyablen Auftritt gegen Italien nicht zu Unrecht auf Spieler und Trainer niedergeprasselt war, zeigten die Protagonisten eine Reaktion, welche ihnen hoch anzurechnen ist. Das beginnt bei Trainer Vladimir Petkovic mit seiner Aufstellung, geht über Torhüter Yann Sommer, dem einige tolle Paraden gelangen, zum starken Captain Granit Xhaka und endet bei den Torschützen Xherdan Shaqiri und Haris Seferovic. Nicht zum ersten Mal hat dieses Ensemble mit ihrem Trainer mentale Stärke demonstriert und sich aus einer misslichen Situation befreit.

Für keinen galt dies mehr als für Xherdan Shaqiri. Ohne Spielpraxis war er an die EM gereist, zeigte in den ersten beiden Spielen wenig Lust und war entsprechend kein Faktor. Und dann erinnerte in Baku plötzlich so vieles an den schwül-heissen Abend an der WM 2014 im fernen Brasilien, als Shaqiri auf heftige Kritik im grossen Stil reagierte und eine taumelnde Schweizer Mannschaft mit drei Toren im Turnier hielt.

In Baku nun traf Shaqiri zwei Mal – einmal sogar sehenswert mit seinem schwächeren rechten Fuss und einem Schlenzer unter die Latte. Es war das 2:0 nach 26 Minuten. Später sorgte Shaqiri mit dem 3:1 für die Entscheidung. Dieser Treffer war umso wichtiger, weil er die wieder belebte türkische Hoffnung nach dem Anschlusstor (Kahveci/62.) im Keim erstickte. Shaqiri zeigte das beste Länderspiel seit Jahren und schoss erstmals seit November 2014 zwei Tore für die Schweiz. Er war wieder der «Shaq-Attack», wie er zuletzt so sehr vermisste worden war.

Shaqiris 3:1 nach 68 Minuten nahm den punktelosen Türken die letzte Hoffnung auf einen versöhnlichen Abschluss ihrer misslungenen EM-Kampagne. Aber gerade in der Startphase hat die junge Mannschaft von Senol Günes der Schweiz einige Probleme bereitet. Die 2:0-Führung nach einer halben Stunde darf nicht kaschieren, dass Sommer in den Anfangsminuten den einen oder anderen Gegentreffer verhindern musste. Aus Schweizer Sicht malt man sich besser nicht aus, wie der Abend auch hätte ausgehen können, wenn die Türken mit der Unterstützung von fast 20'000 Landsleuten in Führung gegangen wären oder nach dem Anschlusstor länger auf den Ausgleich hätten drücken können.

So aber war Shaqiris zweiter persönlicher Treffer die Entscheidung in einem Spiel, das seine Spannungsmomente schon in den Stunden vor dem Anpfiff hatte. Die Aufstellungsfragen wurden kontrovers diskutiert, bis Petkovic eine nicht unbedingt erwartete Antwort lieferte. Bloss zwei Spieler kamen neu in die Mannschaft: Steven Zuber, der sich alle drei Assist gutschreiben liess, spielte auf dem linken Flügel. Für ihn ersetzte Ricardo Rodriguez Fabian Schär in der Dreierabwehr. Und auf der rechten Seite spielte Silvan Widmer anstelle von Kevin Mbabu.

Vor allem aber überraschte dies: Vladimir Petkovic hielt an Haris Seferovic fest, obwohl dieser gegen Wales und Italien so sehr enttäuscht hatte. Petkovic hatte aber das richtige Gespür, denn Seferovic benötigte nur sechs Minuten bis zum wichtigen Führungstor – sein erster Treffer an einer Endrunde seit zwölf Spielen und der WM 2014. Und so war dieses 3:1 gegen die Türkei ein bedeutender Sieg für Shaqiri, für Seferovic, für das ganze Schweizer Team - und vor allem aber auch für Vladimir Petkovic.

Schweiz - Türkei 3:1 (2:0)

Olympiastadion, Baku. - 17'138 Zuschauer. - SR Vincic (SLO). - Tore: 6. Seferovic (Zuber) 1:0. 26. Shaqiri (Zuber) 2:0. 62. Kahveci (Calhanoglu) 2:1. 68. Shaqiri (Zuber) 3:1.

Schweiz: Sommer; Elvedi, Akanji, Rodriguez; Widmer (92. Mbabu), Freuler, Xhaka, Zuber (85. Benito); Shaqiri (75. Vargas); Embolo (85. Mehmedi), Seferovic (75. Gavranovic).

Türkei: Cakir; Celik, Demiral, Söyüncü, Müldür; Ayhan (64. Yokuslu); Ünder (80. Karaman), Tufan (64. Yazici), Kahveci (64. Kökcü), Calhanoglu (86. Toköz); Yilmaz.

Bemerkungen: 77. Pfostenschuss Xhaka. Verwarnungen: 70. Calhanoglu (Foul). 75. Celik (Foul). 76. Söyüncü (Foul). 78. Xhaka (Reklamieren).

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