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Österreich versucht es heuer mit der Euphorie-Bremse

Österreich versucht es heuer mit der Euphorie-Bremse

Vor fünf Jahren startete Österreich voller Euphorie und für viele als Geheimtipp in die EM in Frankreich - und stürzte ab. Heuer werden die Erwartungen trotz stärkerem Kader klein gehalten.

Agentur
sda
vor 3 Monaten in
Fussball
Erstmal kleine Brötchen backen: Franco Foda will mit dem ÖFB-Team erstmals an einer EM-Endrunde gewinnen und die Gruppe überstehen
Erstmal kleine Brötchen backen: Franco Foda will mit dem ÖFB-Team erstmals an einer EM-Endrunde gewinnen und die Gruppe überstehen
KEYSTONE/EPA/CHRISTIAN BRUNA

Im Nachhinein ist man immer schlauer, im Fussball gilt dies sowieso. Darum war nach der Vorrunde der EM in Frankreich vor fünf Jahren für alle offensichtlich, was zuvor kaum jemand gesehen hatte: Österreich war dem Druck der Erwartungen nicht gewachsen. Sieglos in der Gruppenphase schied das Team des Zürcher Trainers Marcel Koller aus, dem viele den Vorstoss in die Halbfinals zugetraut hatten. «Womöglich hätte ich etwas dagegen ankämpfen sollen», sagte der damalige Cheftrainer Koller in Bezug auf die grosse Euphorie, die in Österreich herrschte, gegenüber Keystone-SDA rückblickend.

Im ÖFB wird dies offenbar ähnlich gesehen, weshalb sich vom Verband im Vorfeld der paneuropäischen Endrunde niemand vehement gegen einen in den Medien transportierten Defätismus wehren mag. «Mir ist es lieber, wir haben nicht im Vorfeld die Euphorie - sondern vielleicht als Nachhall zur Europameisterschaft», sagte Verbandspräsident Leo Windtner gegenüber der österreichischen Nachrichtenagentur apa. Der 70-Jährige glaubt zwar an die Stärke des Teams, an den ersten Sieg eines österreichischen Nationalteams an einer EM-Endrunde und an den Vorstoss in die Achtelfinals. Dass dies aber nicht ganz Österreich tut wie 2016, stört ihn nicht.

Für die Kritiker in Österreich sind die Parallelen zu der Endrunde vor fünf Jahren augenscheinlich, die letzten Tests dürften sie in ihrem Denken bestätigt haben. Das Team von Franco Foda blieb in den letzten drei Einsätzen ohne Treffer, in der WM-Qualifikation gegen Dänemark fiel es mit vier Gegentoren in der zweiten Halbzeit auseinander. Unter dem deutschen Coach fehle es der ÖFB-Equipe im letzten Drittel an «erkennbaren Prinzipien und definierten Aufgaben und Rollen für die Spieler», urteilte etwa der «Kurier».

Bestes Österreich aller Zeiten?

Die Klasse, gerade kleine Gegner wie etwa den erstmaligen EM-Teilnehmer Nordmazedonien zu dominieren, ist in Fodas Team zweifellos vorhanden. Die Nationalmannschaft um Captain Julian Baumgartlinger und Starspieler David Alaba kommt im Stile einer Bundesliga-Auswahl daher. Bei der Hauptprobe vergangenen Sonntag gegen die Slowakei (0:0) kamen abgesehen Luzerns Louis Schaub und dem in China engagierten Marko Arnautovic ausschliesslich Feldspieler zum Einsatz, die in der letzten Saison in der höchsten deutschen Liga beschäftigt waren.

«Was die Qualität des Kaders betrifft, sind wir in der Breite sicherlich gewachsen», urteilt Präsident Windtner. Gegen die Slowakei konnte Foda neben Schaub und Arnautovic nach der Pause auch noch Augsburgs Gregoritsch, Frankfurts Ilsanker, Leipzigs Laimer und Hoffenheims Posch einwechseln. Diesbezüglich scheint Foda vor dem EM-Auftakt am Sonntag in der Tat ein Luxusproblem zu haben: Wie hält er gestandene Bundesliga-Profis auf der Bank des Nationalteams während einer EM-Endrunde bei Laune?

«Die Jungs brennen. Sie sind im Training sehr willig und engagiert, alle ziehen an einem Strang, die Einheit ist spürbar. Da wird es brutal schwer, drei von ihnen auf die Tribüne zu setzen, weil es sich jeder verdient hat, im Kader zu stehen», sagt Foda. Der 55-Jährige versucht im Vorfeld die Stimmung durch gutes Zureden hoch zu halten. Ein Sieg zum Auftakt gegen Nordmazedonien würde der ÖFB-Auswahl zusätzlichen Schub geben und auch im Land die Euphorie wieder etwas entfachen. Aktuell ist die Situation in Österreich so: Fodas Jungs mögen auf die EM brennen, der Rest des Landes tut es (noch) nicht.

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