×

Schweiz startet in Bad Ragaz in die EM-Vorbereitung

Schweiz startet in Bad Ragaz in die EM-Vorbereitung

Das Schweizer Nationalteam bereitet sich seit Mittwoch in Bad Ragaz auf die EM vor. Das taten die Griechen vor 17 Jahren auch - und wurden dann Europameister.

Agentur
sda
vor 3 Monaten in
Fussball
Xherdan Shaqiri bei der Ankunft in Bad Ragaz
Xherdan Shaqiri bei der Ankunft in Bad Ragaz
KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Bad Ragaz ist sich Fussball-Prominenz gewohnt. Borussia Dortmund hat sich hier schon mehrmals auf die Saison vorbereitet. Auch der FC Liverpool logierte bereits im Grand Resort Bad Ragaz. Das feudale Fünf-Sterne-Haus war sogar schon einmal Steigbügelhalter für einen EM-Triumph. 2004 holte Otto Rehhagel in Bad Ragaz mit seinen Griechen den letzten Schliff, bevor sie sich in Portugal zum sensationellen EM-Titel mauerten.

Von einem solchen Coup hat Nationalcoach Vladimir Petkovic allenfalls geträumt in der Nacht, bevor er am Mittwoch seine Spieler kurz nach Mittag in Bad Ragaz begrüsste. Offiziell ist die Zielsetzung der Schweizer zum Auftakt ins EM-Projekt moderater. «Es wäre eine Enttäuschung, wenn wir nicht in den Achtelfinal kommen würden», sagte Petkovic. Mehr lassen sich die Schweizer nicht entlocken.

Die Schweiz trifft in der Gruppe A auf Wales, Italien und die Türkei. «Man darf die Gegner nie unterschätzen, aber es ist realistisch, dass wir die K.o.-Runde erreichen», so Petkovic. Ein Ausscheiden nach der Gruppenphase wäre enttäuschend, zumal an der EM auch die vier besten Gruppendritten die Vorrunde überstehen. Es hat bei einem solchen Modus schon Teams gegeben, welche mit zwei Punkten in die Achtelfinals einzogen. Portugal spielte vor fünf Jahren in der Vorrunde drei Mal unentschieden, wurde Gruppendritter und war am Ende Europameister.

Sieben Trainingstage, zwei Testspiele

Vorerst sind in Bad Ragaz solche Gedanken aber im Hintergrund. «Erstes Ziel ist es, dass die Spieler gesund an die EM kommen.» Petkovic äussert diesen Wunsch nicht ohne Grund und Erfahrungswerte. Vor drei Jahren im Anlauf an die WM in Russland verletzte sich Granit Xhaka in Lugano am Knie. Das Malheur stellte sich letztlich als harmlose Prellung heraus. Xhaka musste nur ein paar Trainings und ein Testspiel ausfallen lassen. Doch zwischenzeitlich bangte Petkovic sogar um die WM-Teilnahme seines Regisseurs.

Wenn die SFV-Auswahl in den sieben Trainingstagen in Bad Ragaz und in den beiden Testspielen in St. Gallen gegen die USA (30. Mai) und Liechtenstein (3. Juni) von Verletzungspech verschont bleibt, dürften aus dem 29-Mann-Kader, das sich am Mittwoch besammelte, Gregor Kobel als vierter Torhüter sowie zwei aus dem Trio Dan Ndoye, Andi Zeqiri und Jordan Lotomba den Cut nicht schaffen. Petkovic benennt am nächsten Mittwoch die 26 Spieler für das definitive EM-Kader.

Wer auch immer am 7. Juni mit der Charter-Maschine von Zürich nach Baku fliegt, wo die Schweiz am 12. Juni in ihrem ersten EM-Spiel auf Wales trifft, er muss nicht nur spielerisch und taktisch, sondern vor allem auch menschlich ins Kollektiv passen. Petkovic: «Ich werde in den nächsten Tagen viele Gespräche führen. Die 26 Spieler im Kader müssen von der Motivation und von der Positivität her auf dem gleichen Niveau sein. Sie müssen für diese EM bereit sein - mit Bodenständigkeit und Respekt.»

Weingut statt Grotto

Als sich das Nationalteam 2016 und 2018 in Lugano auf die Turniere vorbereitete, gab es zwecks Team-Building jeweils eine Schifffahrt auf dem See und ein Nachtessen in einem Tessiner Grotto. In Bad Ragaz gibt es keinen See, dafür sind die Weingebiete der Bündner Herrschaft nah. «Wir werden uns einmal einen gemütlichen Abend auf einem Weingut machen», sagte Petkovic.

Dass die einzelnen Puzzleteile auch neben dem Rasen zueinander passen, ist in der aktuellen Zeit besonders wichtig. Wegen Corona gibt es nicht viele Möglichkeiten zur Ablenkung. Die gesamte SFV-Delegation bewegt sich sowohl in Bad Ragaz als auch später an der EM in einer Blase. Kontakte zur «Aussenwelt» sind untersagt. Einzig in den 72 Stunden vor dem Abflug nach Baku dürfen die Spieler ihre Familien und Freunde sehen.

An den von der UEFA festgelegten, strikten Corona-Schutzmassnahmen ändert auch die Impfung nichts. Beim SFV ist der gesamte Staff geimpft. Der Impfempfehlung an die Spieler dürften gemäss SFV rund 50 Prozent der Spieler nachkommen. Dennoch muss sich die ganze Delegation etwa alle vier Tage einem PCR-Test unterziehen und einen Bluttest machen.

Kommentieren

Kommentar senden
E-Paper
Folge uns auf Social Media!
Immer up-to-date mit den besten News aus der Medienfamilie Südostschweiz.
Nicht mehr fragen