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Gegen die Ukraine geht es um mehr als nur um den Ligaerhalt

Siegt die Schweiz am Dienstag gegen die Ukraine 1:0, 2:1 oder mit zwei Toren Differenz, bleibt sie in der Liga A der Nations League. Davon hängt ab, wie das Jahr beurteilt wird. Und nicht nur das.

Agentur
sda
Dienstag, 17. November 2020, 05:15 Uhr Fussball
Das wollen die Schweizer Fans nicht nur im Training sehen: Jubel bei Xherdan Shaqiri (links) und Mario Gavranovic
Das wollen die Schweizer Fans nicht nur im Training sehen: Jubel bei Xherdan Shaqiri (links) und Mario Gavranovic
KEYSTONE/ALEXANDRA WEY

Da ist zuerst einmal diese Statistik, die hervorgekramt wird nach jedem Spiel, das die Schweiz nicht gewinnt. Sieben Mal am Stück hat sie jetzt nicht gewonnen. Das gab es seit 1998 nicht mehr. Und wenn die SFV-Auswahl auch im Heimspiel gegen die Ukraine nicht siegt, dann wäre das ein Negativrekord in den letzten 35 Jahren. Schon jetzt hat die dürftige Zwischenbilanz dafür gesorgt, dass die Schweiz für die Auslosung der WM-Qualifikation am 7. Dezember nicht als Gruppenkopf gesetzt ist. Der Weg nach Katar wird steinig sein.

Gewinnt die Schweiz gegen die Ukraine ein achtes Mal in Folge nicht, wäre das aber vor allem gleich bedeutend mit dem Abstieg aus der Liga A. Es wäre das erste Mal unter Vladimir Petkovic, dass die Schweiz ein Minimalziel verpassen würde. Schliesslich hat sie mit dem Tessiner an der Seitenlinie die EM 2016 und 2020 (2021) sowie die WM 2018 erreicht. Sie hat an den Endrunden zweimal die Gruppenphase überstanden und in der Nations League 2018/19 sogar das Finalturnier der Top 4 erreicht.

Nächste Nations League im Sommer 2022

Nun ist es nicht so, dass man die Nations League mit einer WM- oder EM-Qualifikation oder sogar mit einer Endrunde vergleichen kann. Die Auswirkungen eines Misserfolges wären nicht unmittelbar, denn die nächste Austragung findet erst in knapp zwei Jahren statt - im Juni und September 2022. Doch steht gegen die Ukraine mehr auf dem Spiel als bloss das Abschneiden in der Nations League. Es geht um das grosse Bild, eines mit einem weiteren Zeithorizont - vorwärts gerichtet, aber auch rückwärts.

Die mageren Resultate in den ersten sieben Spielen dieses Jahres stünden bei einem Sieg gegen die Ukraine in einem plötzlich anderen Licht. Verhindert die Schweiz den Abstieg, werden die Zahlen aus den Spielen gegen Spanien und Deutschland anders gewertet. Dann wäre es ein Erfolg gewesen, dass die Schweiz drei von vier Duellen gegen diese Schwergewichte nicht verloren hat. Von den verlorenen Testspielen gegen Kroatien und Belgien redet dann sowieso keiner mehr.

Gelingt aber das gewünschte Resultat gegen die Ukraine nicht, verflüchtigen sich die formidable kämpferische und taktisch disziplinierte Leistung beim 1:1 im Heimspiel gegen Spanien und das gebotene Offensivspektakel beim 3:3 auswärts gegen Deutschland schnell zu einem Muster ohne Wert. Das Spiel am Dienstag ist eine Weggabelung. Die Schweiz hat zwar 2020 noch keine Spiel gewonnen, doch kann sie in 90 Minuten noch ein gutes Länderspieljahr hinkriegen. Aber: Es droht auch eine Negativserie wie seit 1985/86 nicht mehr. Und dann liesse sich nicht mehr viel schönreden.

Vieles gilt als Pflichtübung

An einem entscheidenden Punkt steht die Schweizer Nationalmannschaft aber auch im Hinblick auf die Zukunft. Das Team wird von der Bevölkerung gerade nicht auf einer Welle der Euphorie getragen. Das hat - natürlich - auch mit Corona und den verordneten Geisterspielen zu tun. Vor allem aber ist es der Preis von bald 20 sehr erfolgreichen Jahren. Siege und Turnier-Qualifikationen sind zur Gewohnheit geworden. Ausscheidungsspiele (und die Nations League) sieht die Öffentlichkeit als Pflichtübung an.

Auch deshalb war in der letzten EM-Qualifikation nur eines von vier Heimspielen ausverkauft. Gegen den stärksten Gegner Dänemark etwa war der St.-Jakob-Park nur halb voll. Ähnliche Kulissen drohen der Schweiz auch in der nächsten WM-Ausscheidung und selbstredend in der Nations League bei einem Abstieg in die Liga B. Ohne Corona wäre die Basler Arena gegen Spanien und Deutschland wohl voll gewesen. Spielt die Schweiz bei der nächsten Austragung gegen Teams wie Tschechien, Israel oder Rumänien, wird dies nicht so sein.

Vor einem Jahr, als die Qualifikation für die EM-Endrunde nur noch Formsache war, konnte der SFV den Vertrag mit Hauptsponsor Credit Suisse vorzeitig um vier Jahre bis 2024 verlängern. Im Verlaufe des Jahres 2023 dürften Verhandlung über die nächste Verlängerung der seit 27 Jahren laufenden Zusammenarbeit anstehen. Gespräche die sich leichter führen lassen unter dem Eindruck attraktiver Nations-League-Spiele in gut gefüllten Arenen gegen erstklassige Gegner. Deshalb: Es steht gegen die Ukraine nicht gerade die ganze Zukunft auf dem Spiel. Aber ein paar Schönheitsfehler im grossen Bild gilt es unbedingt zu verhindern.

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