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«Ab morgen haben wir eine grosse Zukunft»

Am Samstag spielt die Schweiz in der Nations League in Basel gegen Spanien und gegen den Abstieg. Nach vielen grossen Worten und sechs Spielen ohne Sieg muss die SFV-Auswahl ein Ausrufezeichen setzen.

Agentur
sda
Freitag, 13. November 2020, 14:41 Uhr Fussball

Die Frage war an Granit Xhaka gerichtet: «Ist die Schweiz in den letzten zwei Jahren näher an die Weltspitze herangerückt?». Die Antwort des Captains der Schweizer Nationalteam lautete so: «Ja, zu 100 Prozent! Die Mannschaft hat sich enorm verbessert.» Da war es wieder, dieses Selbstvertrauen, das sich Xhaka und seine Kollegen verinnerlicht haben, dieses Selbstverständnis auch, zum Zirkel der Besten zu gehören.

Nur ist es so, dass die Resultate in den letzten Monaten so gar nicht mit diesem Selbstvertrauen korrespondierten. Seit dem Exploit gegen Belgien in der Nations League 2018 hat die Schweiz nur fünf Mal gewonnen. Die Gegner hiessen Irland, Georgien und Gibraltar. Mannschaften also, die im kommenden Sommer an der EM-Endrunde nicht dabei sein werden. In den acht Spielen gegen Portugal, Belgien, Spanien, Deutschland, Dänemark und England aber hat die Schweiz in den letzten zwei Jahren keinen Sieg gelandet. Und deshalb sagte Xhaka einen Tag vor dem Duell mit Spanien auch dies: «Es ist genug gesprochen worden, jetzt müssen wir auf dem Platz liefern.»

Mindestens vier Punkte sind nötig

Liefern heisst in diesem konkreten Fall: Mindestens einen Punkt braucht die Schweiz gegen Spanien, sonst ist der Abstieg aus der Liga A der Nations League besiegelt. Und schon ein Unentschieden könnte nicht reichen, die Hoffnung weiterleben zu lassen. Dann nämlich, wenn es im Parallelspiel zwischen Deutschland und der Ukraine keinen Sieger gibt. Deshalb: Die Schweizer sollten Spanien eigentlich schlagen. Dann könnten sie den Klassenerhalt im letzten Spiel am Dienstag in Luzern gegen die Ukraine auf jeden Fall aus eigener Kraft schaffen.

«Wir müssen gegen Spanien 20 Prozent mehr geben als der Gegner - läuferisch, kämpferisch», sagte Nationaltrainer Vladimir Petkovic. Er ist auch nach sechs sieglosen Spielen in diesem Jahr von den Qualitäten seiner Mannschaft überzeugt. «Gegen Spanien haben wir die Möglichkeit, um zu gewinnen.» Doch dazu dürfe seine Mannschaft nicht mehr so viele Fehler machen wie in den letzten Spielen. «Das gilt nicht nur für die Verteidigung. Auch im Mittelfeld und vorne hat es Fehler gegeben.»

Die zu hohe Fehlerquote, die sich bei der Qualität der Gegner aus Spanien, Deutschland oder Belgien unmittelbar im Resultat niedergeschlagen hat, ist ein Grund, weshalb die Schweiz vor den letzten beiden Spielen des Jahres mit dem Rücken zur Wand steht. Doch es gibt weitere Gründe. Zum Beispiel ist das Team charakterlich nicht so weit, wie es sich Petkovic vielleicht erhofft hatte, als er nach der WM in Russland einen Umbruch eingeleitet und nach und nach auf Führungsspieler verzichtet hat, allen voran Valon Behrami und Stephan Lichtsteiner.

Xhakas Appell ans Team

Captain Xhaka ist in der Rolle des Leithammels zu sehr alleine. Wenn er mal nicht auf dem Platz steht, spürt man dies umgehend, dann gehen Ordnung und Sicherheit verloren. «Wir müssen als Mannschaft mehr Verantwortung übernehmen. Die Mannschaft ist jung und vielleicht ist sie auch noch etwas zu schüchtern», zeigte sich Xhaka kritisch. Mit Blick auf das Hinspiel in Spanien vor einem Monat sagte Petkovic dazu: «Wir hatten zu viel Respekt.»

Ein Abstieg in der Nations League würde bedeuten, dass die Schweiz in einem Wettbewerb erstmals unter Petkovic das Minimalziel nicht erreichte. Wann auch immer die nächste Nations League ausgetragen wird: Die Gegner heissen in der Liga B nicht mehr Belgien, Spanien oder Deutschland, sondern zum Beispiel Rumänien, Tschechien oder Israel. Finanziell wäre das für den SFV verkraftbar. Die Startgage ist in der Liga B zwar um 750'000 Franken tiefer als in der Liga A, doch wäre es dafür einfacher, an die Prämie für den Gruppensieg zu kommen. Diese beträgt immerhin 1,5 Millionen Franken.

Petkovic denkt vor allem an die sportlichen Perspektiven. «Wir wollen immer gegen die Besten spielen, auch wenn die Resultate dann nicht so gut sind, so wie in diesem Herbst. Für die Entwicklung des Schweizer Fussballs und die Entwicklung jedes einzelnen Spielers wäre es wichtig, in der Liga A zu bleiben.» Noch sind die Schweizer nicht abgestiegen. Noch haben sie die Möglichkeit, zu beweisen, dass diese Mannschaft «etwas Grosses zeigen» kann, wie Xhaka sagte. Und: «Wenn wir den nächsten Schritt machen wollen, müssen jetzt Resultate her. Ich bin sicher: Ab morgen haben wir eine grosse Zukunft.»

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