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Meister Liverpool wird mit Komplimenten zugeschüttet

Nach dem Gewinn des Meistertitels prasselt auf den FC Liverpool Lob aus allen Richtungen ein. Auch Pep Guardiola gehört zu den Gratulanten. Trainer Jürgen Klopp wird von seinen Emotionen übermannt.

Agentur
sda
Freitag, 26. Juni 2020, 17:58 Uhr Fussball
Die Liverpool-Fans erweisen Trainer Jürgen Klopp an der Anfield Road die Ehre - auch Kontrahenten, Ex-Profis und die britischen Medien finden nur positive Worte
Die Liverpool-Fans erweisen Trainer Jürgen Klopp an der Anfield Road die Ehre - auch Kontrahenten, Ex-Profis und die britischen Medien finden nur positive Worte
KEYSTONE/EPA/PETER POWELL

Die Euphorie rund um den FC Liverpool war nach dem Ende der langen Durststrecke riesig. Konkurrenten, ehemalige Profis und britische Medien überschlugen sich am Freitag mit Komplimenten. «Nach 30 Jahren ohne eine englische Meisterschaft sind die Reds wieder Champions, und nach einer Saison für die Ewigkeit könnte es nicht verdienter sein», befand die Zeitung «The Independent». Liverpool-Ikone «King» Kenny Dalglish schwärmte mit Tränen in den Augen: «Jürgen Klopp hat fantastische Arbeit geleistet.»

Auch die Fans waren ausser sich. Trotz der Bitten ihres geliebten Meistertrainers und der Stadt, zuhause zu bleiben, feierten sie die ganze Nacht am Stadion Anfield, als gäbe es kein Coronavirus. Zu gross waren die Freude und die Erleichterung nach dem ersten Meistertitel seit 30 Jahren. Auch Klopp und seine Spieler kämpften nach dem Triumph mit den Tränen, der Coach musste deshalb ein Interview beim Sender Sky Sports abbrechen.

Klopp fehlen die Worte

«Ich bin völlig überwältigt. Ich hätte nie gedacht, dass sich das so anfühlt», stammelte Klopp, als der Titel am späten Donnerstagabend perfekt war. «Das ist ein grosser Moment, ich habe wirklich keine Worte.» Kurz darauf musste der 53-Jährige das Gespräch abbrechen, weil er in Tränen ausbrach. «Ich habe gestern Abend zu viel geweint», scherzte er am nächsten Tag, «ich war zu emotional. Ich habe Glück, in diesem Verein zu sein, wenn so etwas passiert. Ich bin glücklich, ein Teil davon zu sein.»

Das emotionale Tränen-Video rührte die Fans. «Nachdem ich das gesehen habe, muss ich selbst weinen», schrieb Userin Vicky. Später tauchte ein weiterer Clip auf, in dem der Meistermacher ausgelassen tanzt und dabei von den Spielern angefeuert wird. In der Heimatstadt der Beatles wird der Kult um Klopp durch solche Ereignisse noch grösser. Seit Donnerstag hat der 53-Jährige endgültig Legenden-Status in der 128-jährigen Vereinsgeschichte des ruhmreichen FC Liverpool. Der 19. Meistertitel bleibt untrennbar mit dem Namen Jürgen Klopp verbunden.

Guardiola: «Wohlverdient»

Trainer Pep Guardiola vom entthronten Titelverteidiger Manchester City gratulierte sportlich. «Glückwunsch an Liverpool, ihre Fans, den Trainer, die Spieler. Wohlverdient», sagte er und zeigte sich beeindruckt. Liverpool habe mit «unglaublichem Fokus» gespielt.

Citys Niederlage bei Chelsea hatte den Erfolg der Reds perfekt gemacht, bei 23 Punkten Vorsprung können sie sieben Runden vor Schluss nicht mehr eingeholt werden. «Pep Guardiolas zweijährige Herrschaft ist vorbei», resümierte der «Daily Mirror». Eine «Vernichtung» nannte es der «Guardian». Man habe den Eindruck, Klopps Team würde «nach anderen physikalischen Gesetzen funktionieren als alle anderen».

Vereinslegende Dalglish, der als Spieler und Trainer fast alles mit dem Klub gewann und auch den letzten Meistertitel nach Anfield holte, gratulierte Klopp. Der Coach sei «fantastisch», schwärmte Sir Kenny. «Er verkörpert alles, wofür der FC Liverpool steht.» Ex-Trainer Graeme Souness betonte: «Niemand kann sagen, dass sie das nicht verdient haben.»

Gary Neville sucht das Weite

Den Reds fehlt nun noch ein Meistertitel zum Rekord von Erzrivale Manchester United, der Liverpool unter Trainer Sir Alex Ferguson von den 90er Jahren an den Rang abgelaufen hat. Nun scheint sich das Kräfteverhältnis in England wieder verschoben zu haben. Das nutzte der langjährige Liverpooler Profi Jamie Carragher, der mit dem Klub 2005 die Champions League gewonnen hat und nun als TV-Kommentator arbeitet, um sich über den TV-Kollegen Gary Neville, langjähriger Spieler von Manchester United, lustig zu machen. Neville, berühmt für seine Spitzen gegen Liverpool und Klopp, hatte während der Saison gescherzt, er müsse das Land verlassen, wenn die Reds die Meisterschaft gewinnen. Der Sender Sky Sports zeigte nun ein amüsantes Video, in dem der Ex-Profi am Flughafen das Weite sucht.

Nevilles Befürchtung ist jetzt die Hoffnung vieler Fans von Liverpool - dass Klopp mit seinem Starensemble in den kommenden Jahren weitere Titel sammelt. Auch Dalglish ist zuversichtlich: «Ich glaube, die können sich noch auf sehr viel mehr fröhliche Tage freuen.»

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