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Basels Eigenmotivation und YBs verlorene Basics

Basel - Young Boys 3:0! Die Vermarkter der Super League reiben sich die Hände. Einen Berner Monolog gibt es nicht. YB-Coach Gerardo Seoane kündigt ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel bis zum Ende an.

Agentur
sda
Sonntag, 01. Dezember 2019, 19:49 Uhr Fussball

2. Dezember 2018. Spitzenspiel in Basel. Die Young Boys spielen nicht gegen den FCB, sie spielen mit ihm. Sie lassen ihn zunächst gewähren, erhöhen dann aber das Tempo nach Belieben und gewinnen am Ende ohne grössere Probleme 3:1. Danach klafft zwischen den beiden Top-Klubs der Liga in der Tabelle eine Lücke von 19 Punkten.

1. Dezember 2019. 364 Tage später. Wieder Spitzenspiel in Basel. Der FC Basel spielt nicht gegen die Young Boys, er spielt mit ihnen. Er schiesst früh zwei Tore, kontrolliert danach das Geschehen, erhöht dann kurzzeitig Tempo und Resultat und gewinnt am Ende ohne grössere Probleme 3:0. Er hat nun nur noch einen Punkt Rückstand auf den Rivalen.

Von -19 auf -1. Oder von +19 auf +1. Wie konnte dies innerhalb von nur einem Jahr passieren? Zumal der FC Basel am Sonntag im Vergleich zum Team vom 2. Dezember 2018 nur wenige Änderungen erfuhr? 9 der 13 eingesetzten FCB-Spieler waren nämlich auch vor zwölf Monaten dabei. Marcel Koller lieferte. «Es bestätigt sich, dass es immer eine gewisse Zeit braucht. Am Anfang, als ich kam (August 2018 - Red.), war es hektisch hier, wir mussten uns kennenlernen. Im Verlaufe der Zeit haben wir uns stabilisiert. Das hat sich schon im Verlaufe der Rückrunde der letzten Saison abgezeichnet.»

Die wiedergefundene Stabilität des FCB manifestiert sich in diesem Herbst in einer erstaunlichen Wettkampfhärte. Die Basler sind bereit, wenn es wichtig ist. Sie erkämpften sich im September gegen die Young Boys auswärts mit Haut und Haar ein 1:1, sie haben in der Europa League das wegweisende Auftaktspiel gegen Krasnodar dominiert (5:0), haben danach gegen den spanischen Vertreter Getafe zwei Mal gesiegt und nun im Spitzenspiel in der Super League gegen YB 3:0 gewonnen. «Es ist nicht einfach, alle drei Tage auf den Punkt bereit zu sein», so Koller. «Aber wenn es gegen YB geht, das Stadion voll ist, dann ist die Eigenmotivation natürlich umso grösser.»

Dass der FC Basel dank Stabilität, Wettkampfhärte und Winner-Mentalität wieder an den Young Boys dran ist, ist nur die Hälfte der Wahrheit. Realität ist auch, dass sich YB gerade in einer schwierigen Phase befindet. «Zu 50 Prozent liegt es an uns, dass wir in diesem Jahr nur einen Punkt vor dem FC Basel liegen», sagte YB-Trainer Gerardo Seoane. Er verweist auf den Umbruch im letzten Sommer nach den vielen Abgängen. «Wir sind zwar auf einem guten Weg, aber dieser Weg beinhaltet auch schwierige Momente. Deshalb ist klar, dass der FC Basel uns bis zum Schluss das Leben schwer machen und an uns dran bleiben wird.»

Vergleiche mit dem letzten Jahr will Seoane nicht anstellen. «Das war eine Rekordsaison, und wir wissen, dass wir diese nicht zum Massstab nehmen dürfen.» Noch ist YB Leader der Super League, aber sie müssten ganz schnell «wieder zur Aggressivität und zum Siegeswillen zurückfinden», so Seoane. «Wir müssen die Basics des Fussballs wieder richtig machen.» So, wie es dem FCB gerade ganz gut gelingt.

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