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«So spielt keine Spitzenmannschaft»

Nach dem 2:2 bei Frankfurt und den nächsten verlorenen Punkten herrscht beim BVB Enttäuschung. Captain Reus schimpft, Sportdirektor Zorc ist bedient und Lucien Favre analysiert.

Agentur
sda
Montag, 23. September 2019, 07:09 Uhr Fussball
Lucien Favre treibt sein Team im Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt an
Lucien Favre treibt sein Team im Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt an
KEYSTONE/EPA/ARMANDO BABANI

Die Partie in Frankfurt war eben erst abgepfiffen, als eine TV-Kamera auf die Dortmunder Bank schwenkte - und so die Stimmungslage bei Gelbschwarz für sämtliche Zuschauer offenlegte. Die Bilder zeigten Trainer Lucien Favre und Sportdirektor Michael Zorc im gegenseitigen Versuch, sich zu erklären, was beim 2:2 bei der Eintracht falsch gelaufen war. Was sie sagten, war nicht zu hören, was sie fühlten, für jedermann zu sehen.

Zorc war bedient. Und er verlieh seiner Enttäuschung auch später vor den Medien klar Ausdruck. Nach gut einer Minute hatte der Sportdirektor sein Statement beendet. Sein Fazit nach dem 2:2 bei Eintracht Frankfurt bedurfte auch keiner grösseren Redezeit, die Botschaft klar: «So spielt keine Spitzenmannschaft, das muss ich ganz klar sagen.» Während die Rivalen RB Leipzig und Bayern München am Wochenende wieder souverän siegten, vergab der BVB zweimal eine Führung - und vermisst schmerzlich die nächsten wichtigen Punkte im Kampf um den angestrebten Meistertitel.

Ähnlich in der Botschaft, aber in andere weniger markige Worte, verpackte Favre seine Kritik: «Gegen eine Mannschaft die so gut und hart presst wie Frankfurt, musst du das Tempo erhöhen und mehr Ballbesitz haben, um das Spiel kontrollieren zu können», sagte der 61-jährige aus Saint-Barthélemy. Dies habe sein Team manchmal nicht richtig gemacht. «Wir haben nicht schlecht gespielt, aber nicht optimal, um einen Sieg zu erreichen.» Favre machte das Unentschieden an Feinheiten aus, «eine schlechte Ballannahme hier, ein ungenauer Pass da».

Zorc dagegen sah die Ursache für das Remis, das gefühlt für den BVB viel mehr noch ist, im fehlenden Killerinstinkt seines Teams: «Für mich haben wir die Punkte in der ersten Halbzeit verloren, zwischen der elften Minute und dem Halbzeitpfiff. Nach dem 1:0 war die Eintracht am Boden, da haben wir überhaupt nicht fokussiert auf das nächste Tor gespielt. Das haben wir leichtfertig vertan.» Die Tore von Axel Witsel (11.) und Flügel Jadon Sancho (66.) gerieten zu Randnotizen, nachdem André Silva (44.) und ein Eigentor von Thomas Delaney (88.) für den zweimaligen Ausgleich sorgten. "Es sind auf jeden Fall zwei verlorene Punkte.

Fehlende Effizienz aber kein Mentalitätsproblem

Eine richtungsweisende Woche mit drei grossen Spielen endet für den BVB so mit Ernüchterung. Auf das starke 4:0 gegen Bayer Leverkusen folgten mit dem 0:0 gegen den grossen FC Barcelona sowie dem 2:2 bei Europa-League-Halbfinalist Frankfurt zwei Resultate, bei denen deutlich mehr drin war. «Wir müssen das 2:1 über die Zeit bringen, das haben wir nicht geschafft. Wir ziehen es nicht bis zum Ende durch», sagte Marco Reus gegenüber Sky.

Den Versuch des Sky-Reporters, beim BVB nach dem 2:2 wieder einmal ein Mentalitätsproblem festzustellen, unterband Captain Reus im Ansatz: «Wir haben uns dumm angestellt beim 2:2, auf jeden Fall. Aber kommt mir jetzt nicht mit eurem Mentalitätsscheiss. Jede Woche immer dieselbe Kacke. Das hat mit richtigem Defensivverhalten zu tun, dass man weiss, wenn man 2:1 führt, dass Frankfurt immer wieder zurückkommen kann», sagte der 30-Jährige.

Favre, Zorc und Reus: Zufrieden war nach dem 2:2 keiner von ihnen. In der Analyse des Resultats kamen die drei allerdings zum gleichen Schluss. Während die Offensive um Reus und die Defensive um den nach einer Rückenblessur ausgewechselten Mats Hummels tauglich für die grosse Attacke auf den FC Bayern scheinen, lässt es der BVB regelmässig an Abgezocktheit vermissen. «Wir sind enttäuscht», sagte deshalb Trainer Lucien Favre. In der Tabelle ist Leipzig nun drei Punkte vor Dortmund, auch die Bayern sind mit ihrem 4:0 gegen Köln wieder am BVB vorbeigezogen.

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