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Schweizer erledigen die Pflicht ohne Mühe

Die Schweiz hat die Pflicht in ihrem vierten Spiel der EM-Qualifikation ohne Mühe erfüllt. In Sitten schlug sie den krassen Aussenseiter Gibraltar 4:0.

Agentur
sda
Sonntag, 08. September 2019, 23:14 Uhr Fussball

Kurz vor Schluss durften die gut 8000 Zuschauer noch einmal jubeln, als der eingewechselte Mario Gavranovic mit seinem 7. Treffer im 22. Länderspiel mit dem 4:0 für den Schlusspunkt in einer zumindest phasenweise unterhaltsamen Partie und für ein versöhnliches Ende einer turbulenten Woche sorgte. Eine frohe Kunde traf zudem aus Tiflis ein, wo Georgien Dänemark ein torloses Remis abrang.

Nationaltrainer Vladimir Petkovic hatte sich ein frühes Tor gewünscht, Captain Granit Xhaka einen Kantersieg, um Selbstvertrauen zu tanken. Die Wünsche der beiden SFV-Exponenten erfüllten sich im nicht ganz ausverkauften Tourbillon zwar nicht, dennoch konnten beide am Ende mit dem Gebotenen einigermassen zufrieden sein, auch wenn sich Xhaka rund eine Viertelstunde vor Schluss ohne Einwirkung des Gegners an der Achillessehne weh tat und sich auswechseln liess.

Die Schweizer erfüllten ihre Pflicht gegen die Nummer 198 der FIFA-Weltrangliste mit Seriosität und dem nötigen Engagement. Sie traten von Beginn an dominant auf und zogen gegen die Amateure des am südwestlichen Zipfel Europas gelegenen Kleinstaat ein Powerplay auf. Ihre Überlegenheit konnten sie lange aber nicht in Tore ummünzen. Edimilson Fernandes traf vor dem leeren Tor den Ball nicht richtig (6.), scheiterte am gegnerischen Keeper (15.) oder schoss kläglich über die Latte (35.), Loris Benito traf die Latte (16.). Und auch nach der Pause, als die Partie längst entschieden war und die SFV-Auswahl nicht mehr so inspiriert auftrat, vergab sie ein halbes Dutzend weitere gute Möglichkeiten.

Dass die Schweizer trotz schwacher Chancenauswertung nicht ins Zittern gerieten, hatten sie den Toren von Denis Zakaria (37.), Admir Mehmedi (43.) und Ricardo Rodriguez (45.) zu verdanken. Während Zakaria und Mehmedi mit dem Kopf trafen und dabei auch von den Schwächen des eingewechselten Gibraltar-Keepers Kyle Goldwin profitieren, traf Rodriguez mit einem herrlichen Flachschuss aus gut 25 Metern.

Petkovic nutzte die Gelegenheit, um Spielern aus der zweiten Reihe Einsätze zu gewähren. Im Vergleich zum 1:1 in Dublin gegen Irland hatte er vier Änderungen vorgenommen. Neben Fernandes, Benito und Mehmedi stand auch Albian Ajeti in der Startformation, während Remo Freuler und Kevin Mbabu auf der Bank Platz nahmen. Der verletzte Manuel Akanji und Haris Seferovic waren gar nicht ins Wallis gereist. Der Augsburger Ruben Vargas kam zu seinem Debüt in der A-Nationalmannschaft, neben Gavranovic erhielt auch Renato Steffen noch ein paar Minuten Einsatzzeit.

Entscheidung im Oktober

Der letztlich klare Sieg und die anschliessende Ehrenrunde waren das versöhnliche Ende einer turbulenten Woche, in der viele Diskussionen aufflackerten, was dazu führte, dass Torhüter Yann Sommer an der Medienkonferenz vor der Partie einen Appell an die Medien richtete und diese aufforderte, dass «alle zusammen wieder auf den gemeinsamen Weg kommen». Der freiwillige Verzicht von Xherdan Shaqiri hatte ebenso für Gesprächsstoff gesorgt wie die erneute Nicht-Nominierung von Captain Stephan Lichtsteiner. Hinzu kam die spielerisch mehr als dürftige Leistung in Dublin, als zum wiederholten Mal in der Schlussphase ein positives Ergebnis aus der Hand gegeben wurde. Gut ein Jahr nach den Turbulenzen im Nachgang der WM in Russland sind die Nationalmannschaft und der Verband noch nicht zur Ruhe gekommen.

Sportlich befindet sich die SFV-Auswahl nach der Hälfte der EM-Qualifikation aber weiterhin auf Kurs. Noch ist nichts Entscheidendes passiert, da die drei Direktbegegnungen zwischen der Schweiz, Dänemark und Irland alle Remis endeten. Die Länderspiele im Oktober werden im Kampf um die beiden EM-Tickets in der Gruppe entscheidend sein, wenn die SFV-Auswahl innerhalb von drei Tagen in Kopenhagen auf Dänemark und in Genf auf Irland trifft. Der nächste Zusammenzug wird aber nicht nur aus sportlicher Sicht Klarheit bringen. Kehrt Shaqiri zurück, und wie erklärt er seinen Verzicht? Und was passiert mit Stephan Lichtsteiner? Erklärungen sind gefragt, ansonsten werden die Diskussionen wieder aufbrechen – Appelle hin oder her.

Telegramm:

Schweiz - Gibraltar 4:0 (3:0)

Tourbillon, Sitten. - 8318 Zuschauer. - SR Orel (CZE). - Tore: 37. Zakaria (Corner Xhaka) 1:0. 43. Mehmedi (Schär) 2:0. 45. Rodriguez 3:0. 87. Gavranovic (Mehmedi) 4:0.

Schweiz: Sommer; Elvedi, Schär, Rodriguez; Xhaka (74. Vargas); Mehmedi, Zakaria, Fernandes, Benito (65. Steffen); Embolo (55. Gavranovic), Ajeti.

Gibraltar: Coleing (25. Goldwin); Sergeant, Roy Chipolina, Joseph Chipolina, Olivero; Annesley; Anthony Hernandez, Walker, Andrew Hernandez (58. Coombes), Britto (68. Pons); De Barr.

Bemerkungen: Schweiz ohne Seferovic (wird Vater), Akanji, Klose, Sow, Zuber (verletzt), Drmic, Lichtsteiner und Shaqiri (nicht im Aufgebot). Länderspiel-Debüt von Vargas. 16. Lattenschuss von Benito. Verwarnung: 71. Joseph Chipolina (Foul).

Weiteres Spiel vom Sonntag: Georgien - Dänemark 0:0.

Rangliste:

1. Irland 5/11 (6:2). 2. Dänemark 5/9 (15:5). 3. Schweiz 4/8 (10:4). 4. Georgien 5/4 (4:8). 5. Gibraltar 5/0 (0:16).

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