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Vitaparcours: Weshalb der «grösste Fitnessclub der Schweiz» eine Erfolgsgeschichte ist

Seit 55 Jahren gibt es Vitaparcours in der Schweiz. 28 der 495 Schweizer Standorte sind in Graubünden. Was fast alle von ihnen gemeinsam haben? 15 Posten mit 43 Übungen für ein Ganzkörpertraining.  

Stefan
Salzmann
17.09.23 - 04:30 Uhr
Freizeitsport

Im Video tun es Yann Sommer und Granit Xhaka genauso wie Herr und Frau Schweizer in der realen Welt. Ob jung oder alt, gross oder klein, männlich oder weiblich – die 495 Zurich Vitaparcours in der Schweiz bieten sportliche Abwechslung. Zwar dürften die beiden Schweizer Fussball-Nationalspieler – mit Ausnahme des Werbevideos für die Lancierung der App in diesem Jahr –  neben ihrem Trainingsalltag wohl keine Zeit für Vitaparcours (VP) haben, trotzdem richten sich diese an all jene, die an der frischen Luft und unter freiem Himmel Beweglichkeit, Geschicklichkeit, Kraft und Ausdauer verbinden und ein Ganzkörpertraining erleben wollen.

Anruf bei Barbara Baumann von der Schweizerischen Gesundheitsstiftung Radix. Sie ist die Leiterin von Zurich Vitaparcours und sagt: «Man kann gehen, wann man will, wohin man will und wie oft man will. Man ist in der Natur und der Eintritt in den grössten Fitnessclub der Schweiz ist gratis.» Doch was ist das Erfolgsgeheimnis? Es dürfte damit zusammenhängen, dass die Parcours identisch sind – egal, ob in Graubünden, in der Romandie oder im Aargau. Man fühlt sich zu Hause.

Die Parcours bestehen aus 15 Posten, die auf ihren blauen Erklärungstafeln 43 Übungen beschreiben. Von Beweglichkeits-, Geschicklichkeits- und Dehnübungen über Kraft- bis hin zu Ausdauertrainings. Den Besucherinnen und Besuchern ist es freigestellt, wie viele Posten und welche Übungen sie absolvieren wollen. Oder ob sie gar «nur» die Laufstrecke als Joggingrunde nutzen möchten.

Gemeinden fragen an

28 der 495 Zurich Vitaparcours stehen in Graubünden (siehe Karte). Mit Thusis und Sedrun sind zwei sogenannte Kurzparcours dabei, die mindestens 6 der 15 Posten beinhalten müssen. Baumann erklärt: «Das sind Gemeinden, die einen VP in ihren Wäldern haben wollen, aber keine genügend lange Laufstrecke bieten können.» Denn um auch dem Joggen und der körperlichen Ausdauer Rechnung zu tragen, ist der durchschnittliche VP 2,35 Kilometer lang und beinhaltet 59 Höhenmeter.

Die zwei bislang neusten Parcours in Graubünden stehen in Davos und in Grüsch, die im Jahre 2021 respektive 2022 erbaut wurden. Im Landwassertal gab es einst einen, bevor dieser abgebaut und nun wiederaufgebaut wurde. Ein Abschnitt führt dabei über den «Cologna-Stutz», der dem bekanntesten und erfolgreichsten Schweizer Langläufer Dario Cologna gewidmet ist. 

Vor rund einer Woche wurde der bislang letzte Zurich Vitaparcours eröffnet. Er steht im zürcherischen Pfungen und ist damit die dritte Neueröffnung in diesem Jahr. Obwohl drei nicht nach einer sonderlich grossen Anzahl klingen, sagt Baumann: «Wir sind natürlich nicht mehr ganz auf dem Niveau wie zu Coronazeiten, in der wir einen riesigen Aufschwung erlebten, trotzdem ist das Interesse nachhaltig geblieben. Und wir haben auch noch einige Anfragen offen.»

«Man kann gehen, wann man will, wohin man will und wie oft man will. Man ist in der Natur und der Eintritt in den grössten Fitnessclub der Schweiz ist gratis.»

Barbara Baumann, Leiterin Zurich Vitaparcours

Kamen diese Anfragen früher noch von Sportvereinen und Tourismusverbänden, liegt das mittlerweile im Aufgabenbereich der Gemeinden. In Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen von Zurich Vitaparcours sorgen sie für den jährlichen Unterhalt.

Vermutungen sind möglich

«Der grösste Fitnessclub der Schweiz» – so wirbt Zurich Vitaparcours für sich, sieht sich dabei aber nicht als Konkurrenz zu den eigentlichen Fitnesscentern oder Street Workout Parks. Obwohl die Nutzung und Auslastung der Parcours bislang schwierig zu messen war, sagt Baumann: «Rückmeldungen in Form von Lob, Verbesserungsvorschlägen und Mängeln erreichen uns immer wieder.»

Barbara Baumann: Die Leiterin von Zurich Vitaparcours weiss, weshalb Vitaparcours in der Schweiz gut funktionieren.
Barbara Baumann: Die Leiterin von Zurich Vitaparcours weiss, weshalb Vitaparcours in der Schweiz gut funktionieren.
Pressebild

Damit sind höchstens Vermutungen möglich, in welchen Jahreszeiten, an welchen Tagen und zu welchen Uhrzeiten die Parcours am meisten ausgelastet sind. Baumann sagt: «Die grösste Nutzung dürfte im Frühling sein, in dem sich die Menschen für die Badesaison in Form bringen wollen.» Am wenigsten frequentiert dürfte der VP im Winter sein, weil die Eigenverantwortung immer gilt und Schnee und Eis die Benutzung erschweren.

Meilensteine

55 Jahre alt ist die Vitaparcours-Geschichte. Die Eröffnung des ersten Standorts im Jahre 1968 geht auf die Männerriege Wollishofen zurück. Barbara Baumann sagt: «Nie hätte man damit gerechnet, dass dies einen solchen Boom auslösen würde.» Als weitere Meilensteine nennt sie 1993 die Gründung der Stiftung «VITA Parcours». Seit 2008 tragen die Vitaparcours den Namenszusatz Zurich für den Exklusivsponsor Zürich-Versicherungsgesellschaft. Die grösste Überarbeitung des Konzepts fand in den Jahren zwischen 1998 und 2002 statt, als alle Schweizer Standorte von 20 Posten mit 20 Übungen auf 15 Posten mit 43 Übungen umgerüstet wurden. Auch jetzt werden die Übungen in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Sport laufend geprüft. Und seit diesem Jahr und der Lancierung der Vitaparcours-App gibt es auf dieser gar 100 Übungen, die absolviert werden können. (sas)

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