×

«Es ist eine gewisse Leere da»

Es wurde nichts mit dem Traum von den Play-off-Halbfinals für die SC Rapperswil-Jona Lakers. Die «Linth-Zeitung» ging am Tag nach dem bitteren Aus in Spiel 7 gegen den HC Davos auf Stimmenfang.

Pascal
Büsser
08.04.22 - 04:30 Uhr
Eishockey

Stefan Bürer, wie ist Ihre Gefühlslage am Tag nach dem verlorenen siebten Play-off-Spiel?

Stefan Bürer: Es ist eine gewisse Leere da. Diese Situation kannte ich bisher nicht, dass eine Saison auf einen Schlag endet. Nicht nur die Spieler, auch wir haben alles reingelegt. Dass es auf einmal, päng, fertig ist, ist schon speziell.

Stefan Bürer, Kommunikationschef der SC Rapperswil-Jona Lakers.
Stefan Bürer, Kommunikationschef der SC Rapperswil-Jona Lakers.
BILD ARCHIV

Hand aufs Herz: Wie fest haben Sie noch dran geglaubt, dass die SCRJ Lakers nach drei Niederlagen in Serie das Momentum nochmals wenden können?

Ich habe wirklich dran geglaubt. Ich hatte Signale aus der Mannschaft, dass sie die Niederlagen gut weggesteckt hat. Von daher war ich positiv gestimmt und hatte ein besseres Gefühl als vor dem sechsten Spiel in Davos.

Es kam anders. Wie sehr schmerzt es, eine 3:0-Führung aus der Hand gegeben zu haben?

Klar wurmt das, sonst wäre man nicht Sportler.

Was war der Knackpunkt?

Die Serie kippte, als wir Spiel 5 aus der Hand gegeben hatten. Das ist ärgerlich. Ich muss aber auch dem Gegner ein Kompliment machen. Die Davoser haben sich zurückgekämpft. In einer Best-of-7-Serie gibt es keinen unverdienten Sieger.

Hatten die Lakers nur Pech oder hat das Quäntchen Klasse gefehlt?

Nicht Klasse, aber vielleicht das Quäntchen Abgeklärtheit. Das ist auch nicht verwunderlich, bei so vielen jungen Spielern. Vielleicht war man gedanklich schon fast im Ziel bei einer 2:0-Führung zwei Minuten vor Schluss in Spiel 5. Dann kamen die Strafe und die Gegentore. Das passiert immer wieder im Sport und macht ihn auch so faszinierend aus neutraler Sicht.

«Roman (Cervenka, Red.) ist so ein Musterprofi. Er wird sich selber am meisten geärgert haben.»

Die unnötige und letztlich kapitale Strafe in der Offensivzone in Spiel 5 holte Roman Cervenka. Wie kann einem so erfahrenen Spieler so etwas passieren?

Roman ist so ein Musterprofi, er wird sich selber am meisten geärgert haben. Du musst im Profisport innert Sekundenbruchteilen Entscheidungen treffen. Das passiert aus dem Moment und ohne langes Überlegen. So können kleine Geschichten grosse Auswirkungen haben. Aber null Vorwurf. Ohne ihn wären wir nie dort hingekommen, wo wir hingekommen sind.

Die Lakers konnten das Loser-Image abstreifen in den letzten Jahren. Bedeutet das Vergeigen des 3:0-Vorsprungs ein Rückschlag?

Überhaupt nicht. Man muss wissen, woher wir kommen. Vor sieben Jahren erfolgte der Abstieg. Man wusste nicht, wie es weitergeht. Letztes Jahr haben wir die Qualifikation ganz knapp auf Rang 10 abgeschlossen und sind dann überraschend in die Halbfinals vorgestossen. Diese Saison schlossen wir auf Rang 4 mit einem Punkterekord ab, sicherten uns die Teilnahme in der Champions Hockey League. Wenn das jemand vor der Saison gesagt hätte ... Es war auch eine geile Serie gegen den HCD. Nein, unter dem Strich war die Saison top.

Besteht die Gefahr, dass die Erwartungen jetzt zu hoch werden?

Dass die Erwartungshaltung der Fans steigt, ist normal. Es darf aber nie normal sein, dass wir unter den Top 4 mitmischen. Wir haben nach wie vor eines der kleinsten Budgets. Wir müssen versuchen, das anderweitig zu kompensieren. Headcoach Stefan Hedlund kultiviert eine Hochleistungskultur. Das trug früher Früchte als erwartet. Aber auch nächste Saison ist das Ziel Pre-Play-offs.

Ist es auch aus finanzieller Sicht ärgerlich, dass es nicht noch mehr Play-off-Spiele gab?

Klar hätten wir gerne nochmals zwei Play-off-Heimspiele genommen. Aber vier Play-off-Heimspiele vor vollen Rängen ergibt bereits einen schönen Zustupf, da wir diese Einnahmen nicht budgetiert haben.

Während der Regular Season könnte der Zuschauerauflauf noch grösser sein. Erhoffen Sie sich nochmals eine Steigerung durch die erfolgreiche Saison?

Erfolg macht sexy. Das haben wir in den Play-offs gesehen. Da hätten wir das Stadion wohl doppelt füllen können. Das Ziel ist ganz klar, mehr Saisonkarten zu verkaufen. Statt 2200 sollen es drei- bis fünfhundert mehr sein. Wir arbeiten auch an der Gastronomie und der Sound- und Lichttechnik, um das Gesamterlebnis im Stadion weiter zu verbessern. Das Konkurrenzangebot in der Umgebung ist gross.

 

«Ich muss den Lakers ein Kompliment machen»

Jann Billeter, Eishockey-Kommentator.
Jann Billeter, Eishockey-Kommentator.
PRESSEBILD

Eishockey-Kommentator Jann Billeter zeigt sich beeindruckt von den SCRJ Lakers. Der Erfolg sei nicht selbstverständlich.

Jann Billeter, war es für Sie eine spezielle Serie als Davoser, der in Rapperswil-Jona lebt?

Jann Billeter: Es war eine super Serie. Ich kenne an beiden Orten extrem viele Leute und Fans. Es war sozusagen immer ein Heimspiel für mich. An meinem Job als Kommentator hat das nichts geändert. Dort will ich meine Rolle möglichst gut und unabhängig erfüllen.

Davos ist seit Langem erfolgreich. Wie schätzen Sie die Leistung der Lakers ein?

Ich muss den Lakers ein Kompliment machen. Sie haben ein super Hockey gespielt, das man gerne schaut. Sie haben versucht, mit spielerischen Mitteln für die Entscheidung zu sorgen und waren taktisch sehr gut eingestellt.

«Spiel 5 kann man noch lange nachtrauern. Da hätten die Lakers gewinnen müssen.»

Was war der Knackpunkt in der Serie?

Ganz klar Spiel 5. Diesen Match hätten die Lakers hochverdient gewinnen müssen. Sie haben sieben Mal die Torumrandung getroffen. Da war auch Pech dabei. Dann kam die dumme Strafe beim Stand von 2:0 und Davos gewinnt den Match noch. Dem kann man noch lange nachtrauern. Man kann sich aber auch fragen, was die Lakers noch besser hätten machen können.

Hatten die Lakers nur Pech oder hat eben das letzte Quäntchen Klasse gefehlt?

Wenn man den fünften Match als Ganzes anschaut, kann man sagen, dass sie Pech hatten. Wenn man es reduziert auf die Schlussphase, kann man ihnen die unnötige Strafe ankreiden und den verpassten Schuss ins leere Tor zum 3:0. Vielleicht hat ihnen die Erfahrung etwas gefehlt. Dass wir nach sieben Spielen über Millimeter diskutieren, zeigt aber, wie eng es war. Und dass die Lakers auch als Sieger dastehen könnten.

Davos war das letzte Team, das ein 0:3 in einer Play-off-Serie noch gekehrt hat, die Lakers das zweitletzte Team, das eine 3:0-Führung noch aus der Hand gegeben hat. Spielten solche zurückliegenden Ereignisse eine Rolle oder ist das völliger Zufall?

Das spielte eine Rolle. Nicht bei den Lakers, das war damals ein ganz anderes Team. Der heutige Geschäftsführer Markus Bütler spielte damals noch. Beim HCD spielte es aber eine Rolle. Andres Ambühl, der noch nie ein siebtes Spiel einer Play-off-Serie verloren hat, und Marc Wieser waren 2008 schon dabei. Das sind auch die Vorkämpfer im Team von Davos, zu denen alle hochschauen.

Scheinbar ging bei den Lakers eine Magendarm-Grippe rum. War das ein Faktor?

Ich habe das nicht verifiziert. Scheinbar gab es angeschlagene Spieler. Aber das ist immer so in den Play-offs. Spiele im Zweitagesrhythmus bedeuten eine enorme Belastung. Man weiss auch nicht, was beim HCD läuft. Während der Play-offs werden solche Sachen gegen aussen abgeschirmt. Von daher ist das schwer einzuschätzen.

Wie bewerten Sie die Leistungen der Lakers über die ganze Saison?

Hervorragend. Die Mannschaft hat einen grossen Schritt gemacht. Die Lakers waren das Überraschungsteam der Liga. Wie sie junge Spieler eingebaut und den Platz oben in der Tabelle verteidigt haben, war sehr beeindruckend. Alle bei Mysports waren beeindruckt, wie die Lakers gespielt haben. Man hat ihnen gerne zugeschaut. Das ist etwas entstanden, das weiter wird wachsen können. Auch mit den Erfahrungen, die sie nun gemacht haben.

Besteht nächste Saison die Gefahr einer Enttäuschung, weil die Erwartungen zu hoch sind?

Es wäre falsch, die Erwartung zu schüren, dass es so weitergeht. Die Liga ist so eng beisammen, dass es völlig falsch wäre anzunehmen, dass die Lakers wieder Tabellenvierter werden. Mit Davos, Biel, Lausanne, Genf oder Lugano haben sie diese Saison absolute Topteams hinter sich gelassen. Aber wenn sie gleich weiter spielen wie diese Saison, werden sie jeden Abend die Chance haben zu gewinnen.

Das Loser-Image konnten die Lakers in den letzten Jahren abstreifen. Redet man heute in der Hockeyszene anders über die Lakers als noch vor ein paar Jahren?

Absolut. Es redet niemand mehr von einer grauen Maus. Die Lakers sind wirklich eine Attraktion geworden, auch mit dieser Stimmung und dem Publikum während der Play-offs. Es ist zu hoffen, dass auch während der Saison noch mehr Zuschauer entdecken, wie gutes Hockey gespielt wird in Rapperswil.

 

«War schon lange nicht mehr so glücklich»

Cornelia Meli aus Rapperswil-Jona, Fan seit 50 Jahren.
Cornelia Meli aus Rapperswil-Jona, Fan seit 50 Jahren.
BILD MARKUS TIMO RÜEGG

«Die Niederlage war brutal und tut weh. Ich war fest überzeugt, dass wir gewinnen. Aber die blutjunge Mannschaft hat alles gegeben, es fehlte einfach das Wettkampfglück. Genervt hat mich, dass nicht alle Zuschauer in Rot kamen. Die Stimmung war super, aber viele haben nach dem Rückstand nicht mehr gefant. Das finde ich schade. Trotz Play-off-out war die Saison mega cool. Ich war schon lange nicht mehr so glücklich.»

 

«Hockey auf höchstem Niveau»

Benedikt Würth, St. Galler Ständerat aus Rapperswil-Jona.
Benedikt Würth, St. Galler Ständerat aus Rapperswil-Jona.
BILD ZVG

«Die SCRJ Lakers haben eine grossartige Saison gespielt. Das war Hockey auf höchstem Niveau. Gratulation der Mannschaft und dem ganzen Staff. Am Ende hat ein bisschen das Spielglück gefehlt. Den Sport kann man nicht programmieren – das muss man auch akzeptieren können.  Ich hoffe, dass die Fangemeinde weiter wächst und das Stadion in Zukunft auch während der Regular Season wieder ausverkauft sein wird.» 

 

«Gratuliere den SCRJ Lakers zur Saison»

Martin Stöckling, Stadtpräsident von Rapperswil-Jona.
Martin Stöckling, Stadtpräsident von Rapperswil-Jona.
BILD ARCHIV

«Ich gratuliere den SCRJ Lakers zu dieser Saison, auch wenn sie bitter geendet hat. Ich war zuversichtlich vor dem Entscheidungsspiel. Aber die unglückliche Niederlage in Spiel 5 hat Energie genommen, das hat man irgendwie auch im Stadion gespürt. Abgesehen von den bösen Fouls war die Serie beste Werbung fürs Hockey. Was mich beeindruckt, ist, wie konsequent und Schritt für Schritt die Lakers-Führung den Aufbau vorantreibt.»

Kommentieren
Kommentar senden
Mehr zu Eishockey MEHR