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Bittere Pleite gegen Deutschland: Schweiz scheitert erneut im WM-Viertelfinal

Wieder Viertelfinal. Wieder Deutschland. Die Schweiz zeigt an der WM in der ersten K.o.-Runde die schwächste Leistung des Turniers. Nach dem 1:3 ist das Turnier zu Ende.

Roman
Michel
25.05.23 - 15:04 Uhr
Eishockey
Ein Bild mit Symbolcharakter: Robert Mayer ist geschlagen.
Ein Bild mit Symbolcharakter: Robert Mayer ist geschlagen.
Bild Salvatore Di Nolfi / Keystone

Das Spiel: 

Schweiz gegen Deutschland, das Duell der grossen Rivalen, und das in einem WM-Viertelfinal. Was willst du mehr? Die Schweizer steigen mit viel Tempo in die Partie, der aufgerückte Marti kommt nach einem Konter zum ersten gefährlichen Abschluss. Goalie Niederberger ist aber mit seinem Beinschoner dran. Das erste Tor fällt aber auf der anderen Seite – unter gütiger Mithilfe Mayers. Der Servette-Goalie lässt einen harmlosen Schuss von Kastner zwischen seinen Beinen passieren. Ein Horrorstart. Auf den die Schweizer ziemlich geschockt reagieren. Bis sie mal wieder gefährlich vor dem deutschen Tor auftauchen, dauerts. Und: Die Deutschen kommen nach zwölf Minuten zu ihrem ersten Überzahlspiel. Das Schweizer Boxplay funktioniert aber einmal mehr an diesem Turnier sehr gut, die gefährlichste Chance in diesen zwei Minuten gehört gar Richard, der aber an Niederberger scheitert. Und weil danach nichts gefährliches mehr passiert, geht es mit dem 0:1 in die erste Pause. 

Das zweite Drittel startet dann mit einem Schweizer Paukenschlag. Bloss 47 Sekunden dauerts bis die Schweiz mit dem ersten Abschluss im Mittelabschnitt den Ausgleich macht. Verteidiger Siegenthaler trifft ins hohe Eck, Hischier sorgt vor dem Tor für Verkehr. Der Walliser und Riat vergeben kurz darauf gar das 2:1. Der Schweizer Schwung wird durch zwei Strafen gebremst. Er kassiert Ambühl eine 4-Minuten-Strafe. Das Boxplay funktioniert aber erneut ausgezeichnet. Und kommt doch mal ein Abschluss der Deutschen, ist Mayer zur Stelle. Und Augenblicke nachdem Ambühl zurück auf dem Eis ist, muss auch dessen Linienpartner Corvi für zwei Minuten raus. In Überzahl (!) kassieren auch die Deutschen die erste Strafe. Und die hats in sich: Nach einem Check gegen Haas gibt es fünf Minuten gegen Seider. Der NHL-Verteidiger muss zusätzlich unter die Dusche. Eine herbe Schwächung für das deutsche Team. Und das erste Powerplay für die Schweiz! Doch dieses ist genauso harmlos wie jenes der Deutschen: Kaum ein gefährlicher Abschluss aufs Tor. Und so fällt der Treffer dann halt bei fünf gegen fünf auf der anderen Seite. Die Schweizer bringen eine Scheibe nicht raus. Peterka lässt Ambühl aussteigen und trifft zum 2:1. Es kommt noch bitterer! In Unterzahl (!) laufen die Schweizer in einen Konter. Stachowiak bedient Sturm: 3:1. 

Immerhin: Im dritten Abschnitt kommt so etwas wie eine Reaktion. Richard und Fora vergeben die besten Schweizer Möglichkeiten in der Startphase. Zehn Minuten vor der Sirene hat Moser das schon fast sichere 2:3 auf dem Stock. Der NHL-Verteidiger trifft die Scheibe einen Meter vor dem Tor aber nicht. Insgesamt aber finden die Schweizer zu selten in der robusten Defensive der Deutschen. Auch weil sich immer wieder Ungenauigkeiten einschleichen. Dreieinhalb Minuten vor dem Ende nimmt Patrick Fischer Goalie Mayer raus, die Schweizer stürmen nun mit sechs Feldspielern an. Kukan Abschluss touchiert noch die Latte. Fischer nimmt sein Timeout. Die Deutschen treffen den Pfosten. Am Ende dürfen die Schweizer gar mit sechs gegen vier anlaufen. Ohne Erfolg. Die WM ist zu Ende. 

Den Liveticker zur Partie gibts hier nachzulesen. 

Das fiel auf:

  • Nein, so etwas ist nicht Viertelfinal-würdig. Die Riga Arena ist praktisch leer. Stimmung? Kommt nie auf. Klar, die Affiche Schweiz gegen Deutschland zieht in Lettland wenig. Aber mit den teuren Ticketpreisen holt man eben auch niemanden ins Stadion. 
  • Niederreiter erwischte es am spielfreien Montag. Gegen Deutschland meldet sich Malgin krank ab. Für den NHL-Stürmer rückt der zweifache Turniertorschütze Riat ins Kader. 
  • Der Check von Seider gegen Haas im zweiten Drittel ist ziemlich brutal. Der NHL-Verteidiger muss dafür unter die Dusche.  
  • Das Schweizer Powerplay funktionierte in der Gruppenphase ganz gut. Gegen die Deutschen klappt nichts mehr. In den knapp fünf Minuten Überzahl im Mittelabschnitt schaut kaum etwas heraus. Und kurz vor der zweiten Pause schiesst Deutschland gar im Boxplay das 3:1. 
  • Immer Deutschland: Im WM-Viertelfinal 2010 scheiterte die Schweiz an den Deutschen. 2018 an den Olympischen Spielen im Vor-Viertelfinal. 2021, in Riga, im WM-Viertelfinal. Und nun erneut im WM-Viertelfinal. 

Die Bündner:

  • Nino Niederreiter: Manchmal hat man das Gefühl, der Captain wolle fast zu viel. Der vierfache WM-Torschütze kommt kaum zur Geltung. Am Ende, als Mayer sein Tor verlassen hat, macht er den Goalie – und pariert den Abschluss eines Deutschen. Nur hilft das am Ende auch nichts mehr...
  • Andres Ambühl: Kassiert zu Beginn des zweiten Drittels eine 4-Minuten-Strafe wegen hohen Stocks. Die Schiedsrichter schauen sich die Szene sogar noch auf dem Video an, schicken den Davoser aber nicht vorzeitig unter die Dusche. Im ersten Powerplay der Schweizer wird ein Schuss von ihm geblockt. Lässt sich beim 1:2 vernaschen. 
  • Enzo Corvi: Reibt sich an der Deutschen Defensive ab und hat Mühe, ins Spiel zu kommen. Die Strafe gegen ihn im zweiten Drittel steht symptomatisch dafür. Orchestriert danach im ersten Powerplay die erste Schweizer Formation. 
  • Robert Mayer: Der Servette-Goalie erhält tatsächlich den Vortritt vor Leonardo Genoni. Bitter: Bei seiner ersten Aktion kassiert er gleich das 0:1 – und sieht beim Distanzschuss von Kastner erst noch nicht gut aus. 

So gehts weiter: 

Für die Schweiz am Flughaufen. Für Deutschland am Samstag im Halbfinal in Tampere. 

Roman Michel ist Leiter Sport. Er arbeitet als Sportreporter und -moderator bei TV Südostschweiz. Weiter schreibt er für die gemeinsame Sportredaktion der Zeitung Südostschweiz und suedostschweiz.ch. Roman Michel studierte Journalismus und Organisationskommunikation und arbeitet seit 2017 für die Medienfamilie Südostschweiz. Mehr Infos

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