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René Fasel tritt ab und ist noch nicht müde

René Fasel tritt ab und ist noch nicht müde

Am Samstag geht die 27 Jahre dauernde Amtszeit von René Fasel als Präsident des Weltverbandes zu Ende. Er übergebe seinem Nachfolger ein kerngesundes Unternehmen, sagt der Freiburger im Interview.

Agentur
sda
vor 1 Monat in
Eishockey

Dieses Jahr stand Fasel öfters im Scheinwerferlicht, als ihm eigentlich lieb war. Als er im Januar in brüderlicher Umarmung mit dem belarussischen Diktator abgebildet wurde, schlug ihm heftiger Wind entgegen. Selbst wenn keine böse Absicht dahinter gesteckt haben sollte, am Ende blieb Fasel nichts anderes übrig, als Belarus die WM diesen Frühling zu entziehen.

Die Bilanz seiner Amtszeit an der Spitze der IIHF trübt die Episode nur am Rand - und wohl kaum nachhaltig. Im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zum Abschied aus dem Präsidium betont Fasel noch einmal, dass er mit der Reise nach Belarus eine Chance gesehen habe, die bevorstehende WM als Anlass der Versöhnung durchzuführen. Das ging schief. «Der Plan war ein anderer», so der 71-Jährige.

Aufnahme in die Hall of Fame

Ohnehin möchte sich Fasel nicht mehr «an negativen Ereignissen aufreiben», wie er sagt. Zweifellos geht die Ära Fasel als prägend in die Geschichte des Eishockeys ein. Keiner seiner Vorgänger hat die Sportart nachhaltiger beeinflusst als der studierte Zahnarzt und ehemalige Präsident des Schweizer Verbands. Bis 2033 ist die Zukunft des Verbands dank einem lukrativen Marketingvertrag gesichert. «Ich übergebe meinem Nachfolger ein kerngesundes Unternehmen», sagt Fasel deshalb zurecht. Am Freitag, am Tag vor der Wahl seines Nachfolgers, wird Fasel als achter Schweizer in die Hall of Fame des Eishockey aufgenommen.

Als Höhepunkt seiner Amtszeit bezeichnet Fasel den erstmaligen Auftritt der NHL-Spieler an den Olympischen Spielen, 1998 in Nagano, «mit den Besten der Besten wie Gretzky, Jagr oder Jaschin». Im Gegensatz zum olympischen Basketballturnier 1992 in Barcelona hätte es damals «sechs Dream Teams» gegeben. Fasels letzte Aufgabe, die NHL-Profis an die Winterspiele (im Februar in Peking) zurück zu bringen, dürfte klappen. Fasel: «Die NHL wird ihren Spielbetrieb unterbrechen und will in Peking dabei sein.» Einzig die Corona-Pandemie könne das Vorhaben noch zum Scheitern bringen.

Bisher habe er noch gar keine Zeit gehabt, sich mit dem Ende seiner Amtszeit auseinanderzusetzen. Nach der Wahl seines Nachfolgers am Samstag in St. Petersburg - es gibt gleich fünf Kandidaten - werde er «zumindest für einen Moment» zurücklehnen. Denn müde ist Fasel noch lange nicht. Voraussichtlich wird er eine beratende Funktion im russischen Eishockey einnehmen. «Entschieden ist noch nichts, aber Russland reizt mich zweifellos.»

Im Interview mit Keystone-SDA sprach der ehemalige Schiedsrichter auch über seine «grosse Liebe» Fribourg-Gottéron. Fasel: «Irgendwann werden wir Meister. Wir dürfen einfach nie aufgeben. Aber vielleicht wäre der Titel gar nicht gut. Denn von was sollen wir noch träumen, wenn wir das grosse Ziel erreicht haben?»

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