×

Andres Ambühl - ein Phänomen

Andres Ambühl - ein Phänomen

Andres Ambühl bestreitet in Riga seine 16. Eishockey-WM und schliesst damit zu Rekordhalter Mathias Seger auf. Der Alterungsprozess scheint an ihm vorbeizugehen.

Agentur
sda
vor 3 Monaten in
Eishockey
Andres Ambühl bereitet sich auf seine 16. WM vor
Andres Ambühl bereitet sich auf seine 16. WM vor
KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI

«Er ist ein Phänomen», sagt Christian Wohlwend, sein Trainer beim HC Davos und einer von drei Assistenten von Nationalcoach Patrick Fischer an dieser WM. Jedenfalls ist Ambühl das Alter von 37 Jahren in keinster Weise anzusehen. Wenn er spielt, wirkt es so, als würde er über unerschöpfliche Energiereserven verfügen, und noch erstaunlicher ist sein Speed-Level, «das auch international gesehen nach wie vor super, super hoch ist», so Wohlwend im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. «Er bleibt immer auf einem hohen Niveau.»

Als Grund für Ambühls Langlebigkeit im Eishockey sieht Wohlwend dessen Leichtigkeit. «Er liebt einfach diesen Sport, sieht ihn immer noch als Spiel, nimmt dieses und sich selber nicht überernst. Er geniesst es einfach. Es ist für einen Trainer ein Traum, wenn ein Spieler mit einer solchen Erfahrung immer noch performen kann.»

In dieser Saison gelangen Ambühl mit 14 Toren und 30 Assists so viele Punkte wie noch nie in einer Qualifikation der National League, und dies obwohl er «nur» 45 Partien bestritt. «Logisch ist es cool, wenn dir viele Punkte gelingen, diese sagen aber nicht alles aus. Es gab schon Saisons mit weniger Punkten, in denen ich besser spielte. Aber es ist sicher so, dass ich in meinem Alter phasenweise cleverer agiere als früher. Körperlich fühle ich mich noch gleich wie vor drei, vier Jahren. Ich weiss nun genau, was mir guttut und setze das Augenmerk vermehrt darauf.»

Seine gute körperliche Konstitution ist auch darauf zurückzuführen, dass er im hoch gelegenen Davoser Sertigtal als Sohn einer Bauernfamilie aufgewachsen ist, lernte, was harte Arbeit bedeutet und er viel Zeit in den Bergen verbrachte. «Davon profitiere ich mit Sicherheit auch», führt Ambühl gegenüber Keystone-SDA aus. Ausserdem gebe ihm die Freude Energie. «Ich habe lieber vier, fünf Partien in einer Woche statt nur eine oder zwei und dafür 100 Trainings.»

Etwas bedauert Ambühl trotz der tollen Karriere, und zwar dass es mit der NHL nicht geklappt hat. Zwar nahmen ihn im Mai 2009 die New York Rangers unter Vertrag, er durfte aber nicht einmal ein Testspiel bestreiten, kam bloss in der AHL bei den Hartford Wolf Pack zum Einsatz. Er kehrte deshalb nach einer Saison in Nordamerika in die Schweiz zurück und schloss sich den ZSC Lions an. «Ich hätte es gerne nochmals (in der NHL) versucht, aber es sollte nicht sein. Es ist schade, aber nun zu hadern, hilft nichts. Am Ende hat alles einen Grund.»

Sein Vertrag mit dem HCD läuft noch bis 2023. Kann er sich vorstellen, danach noch weiterzuspielen? «Darüber habe ich mir noch keine grossen Gedanken gemacht. Drei Dinge sind für mich wichtig: Ich muss Freude haben, muss mithalten und der Mannschaft helfen können. Wenn einer dieser Punkte nicht mehr gegeben ist, dann ist vielleicht schon der Moment gekommen aufzuhören. Ich möchte allerdings nicht zu weit vorausschauen, in ein, zwei Jahren kann so vieles passieren. Ich geniesse nun einfach die Zeit, die mir noch bleibt», erzählt Ambühl.

Derzeit tut er das in Riga. Zu seiner 16. WM-Teilnahme sagt er: «Mir ist bewusst, dass es nicht selbstverständlich ist, fast jedes Jahr an einer WM dabei sein zu dürfen.» Sein WM-Debüt gab er 2004 in Prag, danach fehlte er einzig 2018, als die Schweiz in Dänemark wie 2013 Silber gewann. An seine erste WM kann er sich noch gut erinnern: «Jene Sachen, die du das erste Mal erleben durftest, bleiben meistens im Kopf. Das grosse Hotel, die tolle Halle, alles war ziemlich beeindruckend. Jedoch ist jede WM speziell.»

Dass Ambühl immer wieder zum Schweizer WM-Team gehört, hat auch mit seiner Vielseitigkeit zu, er kann als Center sowie Flügel eingesetzt werden und ist auch in den «Special Teams» sehr wertvoll. Er ist allerdings keiner, der in der Garderobe grosse Reden schwingt, vielmehr geht er mit gutem Beispiel voran. Wenn er etwas sagt, tut er dies kurz und bestimmt.

Der Schweiz traut er in der lettischen Hauptstadt alles zu: «Der Titel muss das oberste Ziel sein. Früher waren wir froh, wenn wir defensiv gut standen und einen Sieg stehlen konnten. Nun ist die Auswahl an guten Schweizer Spielern und das Selbstvertrauen viel grösser, können wir gegen alle mithalten und gewinnen. Dennoch gilt es, Schritt für Schritt zu gehen.»

Kommentieren

Kommentar senden
E-Paper
Folge uns auf Social Media!
Immer up-to-date mit den besten News aus der Medienfamilie Südostschweiz.
Nicht mehr fragen