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HCD-Match durch Windschutzscheibe

HCD-Match durch Windschutzscheibe

Die Fans des HC Davos können trotz des Zuschauerverbots bald wieder an die Heimspiele. Was sie dazu brauchen: ein Auto. Bereits in der Altjahreswoche soll das spezielle Public Viewing starten.

Roman
Michel
vor 4 Wochen in
Eishockey
Auf der Werbe-Leinwand, die im Sommer auf der Nordseite des Stadions neu installiert wurde, sollen ab sofort die Heimspiele des HCD live übertragen werden.
ROMAN MICHEL

Die Coronakrise macht die Klubs der National League erfinderisch. Nicht nur, um die finanziellen Einbussen in Grenzen zu halten. Auch in Sachen Fanbeziehung zeigen sich die Vereine durchaus innovativ. Einzelne Klubs bieten ihren Fans während den Spielen etwa virtuelle Stammtische an, an denen sie online diskutieren können. Andere organisieren regelmässig einen Austausch zwischen Supportern und Spielern übers Internet.

Der HC Davos geht nun einen neuen, in der Schweiz bisher einzigartigen Weg. Auf der Werbe-Leinwand, die im Sommer auf der Nordseite des Stadions neu installiert wurde, sollen ab sofort die Heimspiele des HCD live übertragen werden. Die Idee: Die Fans können – ähnlich wie bei einem Autokino – die Spiele aus ihrem privaten Auto mitverfolgen. Ein entsprechendes Gesuch vonseiten HCD wurde gestern im kleinen Landrat der Gemeinde Davos nach einer kurzen Beratung bewilligt. «Wir sind in diesen Zeiten immer auf der Suche nach innovativen Ideen», sagt HCD-CEO Marc Gianola. «Wenn schon keine Leute ins Stadion dürfen, wollen wir ihnen so ein etwas anderes Matcherlebnis bieten.» Rund 50 Fahrzeuge haben auf dem Parkplatz vor dem Fanshop Platz, der Eintritt ist gratis. Über das genaue Vorgehen wird der HCD in den kommenden Tagen auf seiner Internetseite informieren. Es ist möglich, dass sich die Fans im Voraus mittels Anmeldeformular registrieren müssen, damit es vor dem Stadion nicht zu einer grossen Kolonne kommt. Wie bei jedem anderen Event gelten die üblichen Corona-Auflagen. Diese können von der Kantonspolizei Graubünden überprüft werden.

TV Südostschweiz hat mit Marc Gianola über das spezielle Public Viewing gesprochen:

TV SÜDOSTSCHWEIZ

Catering direkt am Auto

Neu ist die Idee von einem «Autokino» in Davos nicht. Im Frühsommer fand auf dem Parkplatz der Rinerhornbahn an zehn Abenden eine Filmvorführung statt. Pro Auto waren dabei maximal fünf Personen zugelassen. Verpflegung und Getränke konnten per Smartphone bestellt werden und wurden danach direkt ans Auto geliefert. Ähnliches plant auch der HCD. «Unsere Gäste können sich in ihren Fahrzeugen bedienen lassen», so Gianola.

Anderes ist hingegen noch in Abklärung. Etwa die Tonübertragung: Die Verantwortlichen planen, dass der Kommentar über ein WLAN-Signal ins Auto kommt. Auch die Übertragung per Radiosignal wird geprüft. Ein Vorbild könnte in dieser Beziehung der dänische Fussballklub FC Midtjylland sein. Der diesjährige Champions-League-Teilnehmer organisierte für seine Fans im Juni ebenfalls ein Auto-Public-Viewing seiner Spiele vor dem eige- nen Stadion, der Ton wurde mittels Radiofrequenz übermittelt. Die Dimensionen waren dabei allerdings um einiges grösser: Rund 2000 Fahrzeuge fanden auf dem Parkplatz vor der MCH-Arena Platz.

Heute gegen Lieblingsgegner

Beim HCD ist man nun daran, letzte Details abzuklären. Geht es nach Gianola soll das Auto-Public-Viewing bereits beim nächsten Heimspiel am 27. Dezember gegen Lugano Premiere feiern.

Auf dem Eis geht es für die Bündner erst noch darum, sich mit einem guten Gefühl in die kurze Weihnachtspause zu verabschieden. Nach der Niederlage gegen Biel (4:5 nach Verlängerung) spielt der HCD heute auswärts gegen die Rapperswil-Jona Lakers. Hoffnung macht die Bilanz in den bisherigen Direktduellen dieser Saison: In drei Spielen gingen die Davoser stets als Sieger vom Eis. Zuletzt gewann der HCD Anfang Monat mit 4:2. Übrigens: Auf den leeren Sitzen in der St. Galler-Kantonalbank-Arena sitzen heute von den Lakers-Fans gekaufte Plüschtiere, die nach dem Match ihren Weg zum Käufer finden. Auch das: durchaus innovativ.

HCD hofft auf Darlehen vom Bund
Der HC Davos hat aufgrund der fehlenden Zuschauereinnahmen beim Bund ein zinsloses Darlehen von 3,8 Millionen Franken beantragt. Laut CEO Marc Gianola entspricht dieser Betrag rund einem Viertel des Jahresaufwands des HCD. Das Darlehen muss innerhalb von drei Jahren zurückbezahlt werden. Ist dies nicht möglich, wird es an Bedingungen wie etwa Lohnreduktionen gebunden. Bis der HCD eine Antwort auf seinen Antrag erhalten wird, können mehrere Monate vergehen. (rmi)

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