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Coronavirus schüttelt Bündner Amateur-Eishockey durch

Coronavirus schüttelt Bündner Amateur-Eishockey durch

Der EHC Chur, der EHC Arosa und der HC Prättigau können am Wochenende nicht spielen. Die Klubs haben unterschiedliche Sorgen.

René
Weber
vor 3 Monate in
Eishockey
Zwangspause: Der HC Prättigau muss wegen Corona vorerst aufs Jubeln verzichten.
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Der Sport leidet unter dem Coronavirus. Das Eishockey macht keine Ausnahme. Betroffen von der Pandemie ist auch der Amateursport. Täglich wurden zuletzt Spiele in der Regio League verschoben, weil sich Akteure und teils komplette Teams auf kantonsärztliche Anordnung in Quarantäne oder in die Isolation begeben mussten. Am Freitagabend entschied die Regio League dann plötzlich, dass die Weiterführung des Meisterschaftsbetriebs unter den gegebenen Voraussetzungen nicht mehr umsetzbar ist. Die Saison auf allen Stufen des Amateur-Eishockeys wurde per sofort unterbrochen.

Churer Terminsorgen

Dass er heute und auch am nächsten Samstag nicht spielen kann, stand beim EHC Chur schon seit Dienstag fest. Trotz eines umfassenden Schutzkonzepts schüttelt das Virus die Mannschaft von Trainer Tomas Tamfal derzeit richtiggehend durch. Nachdem zuvor einzelne Spieler wegen Corona dem Trainings- und Spielbetrieb fernbleiben mussten, trifft es nun das gesamte Team. «Bei zehn Spielern liegt ein positiver Covid-19-Test vor. Alle Kadermitglieder, die zwischen dem letzten Freitag und Samstag Kontakt hatten, befinden sich für zehn Tage in Quarantäne», erklärt Sportchef Roger Lüdi.

Bauchschmerzen bereiten Lüdi neben der Gesundheit seiner Schützlinge auch die nachzuholenden Partien, da die möglichen Reservedaten immer weniger werden. «Vor allem die überregionalen Partien werden zu Problemen führen. Freie Samstage für die zeitintensiven Reisen stehen keine mehr zur Verfügung.» Gleichzeitig sorgt er sich, ob die Arbeitgeber seiner Spieler neben den Absenzen für die Meisterschaftspartien auch Verständnis für die Quarantäne-Auszeit haben werden. «Ich weiss aber von anderen Klubs, bei denen das ein Thema ist und man nach Lösungen suchen muss.»

Prättigauer Finanzsorgen

Nach Lösungen sucht auch Stephan Weber. Er spricht neben der fehlenden Planungssicherheit auch von den aus dem Ruder laufenden Finanzen. «Es kann aus meiner Sicht nicht sein, dass wir diese Saison durchboxen und damit die Zukunft der Klubs gefährden.» Der Präsident des HC Prättigau hat nach dem 1.-Liga-Auswärtsmatch am Mittwoch in Herisau auch das heutige Heimspiel gegen Luzern absagen müssen. Dies, weil sich die gesamte gegnerische Mannschaft in Quarantäne befindet. Der Verdacht, dass auch ein Prättigauer Spieler an Corona erkrankt ist, hat sich gestern zum Glück nicht bestätigt. Nichtsdestotrotz schaut Weber sorgenvoll in die Zukunft. Dass die Covid-19-Taskforce der Regio League den Spielbetrieb gestern Abend plötzlich unterbrochen hat, ärgert Weber. Im Gegensatz zum Unihockey-Verband, der das schon zuvor in allen Ligen bis mindestens Ende November genauso getan hat, wollte der Eishockey-Verbandursprünglich den Bundesrats-Entscheid vom nächsten Mittwoch für den definitiven Entscheid abwarten.Genau das hat der Verband nun aber nicht getan.

Der Prättigau-«Chef» spricht von einer schwierigen wirtschaftlichen Situation, die sein Verein nicht mehr lange bewältigen könne. «Selbst bei Nachwuchsspielen kommen Eltern und Grosseltern wegen der Corona-Pandemie nicht mehr in die Eishalle. Am letzten Wochenende hatten wir im Restaurant gerade 150 Franken in der Kasse», erklärt Weber. Vor Corona sei der Gastronomie-Umsatz ein Mehrfaches gewesen. «Dieses Geld ist für den Klub überlebensnotwendig.»

Da andere Amateurklubs mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hätten, müsse man sich Gedanken über den weiteren Saisonverlauf machen, so Weber. «Die Zahlen im ganzen Land steigen rasant an.» Er denkt darum an eine sofortige Modusänderung und eine Anpassung des Spielplans. Weber schlägt vor, dass man die 1.-Liga-Saison sportlich nicht werten sollte. «Wenn man wegen eines Coronafalls nicht spielen kann, müssten die Spiele ersatzlos gestrichen und nicht gewertet werden. Es dürfte auch keinen Auf- und Absteiger geben.»

Eventsorgen in Arosa

Auch im Schanfigg ist das Coronavirus in den letzten Tagen definitiv angekommen. Gleich mehrere Aroser Spieler hatten über Symptome geklagt und sich unverzüglich Corona-Tests unterzogen. Dabei zeigte sich, dass drei Akteure an Covid-19 erkrankt sind. Die gesamte MSL- Mannschaft befindet sich darum in Quarantäne, der Trainings- und Spielbetrieb ist wie beim EHC Chur unterbrochen. Dadurch fallen neben dem heutigen MSL-Spitzenkampf in Huttwil auch die Partien am Dienstag in Basel und am nächsten Samstag gegen Lyss aus. Bezeichnenderweise sind auch Spieler von Basel und Lyss positiv auf das Coronavirus getestet worden, und beide Klubs befinden sich ebenfalls in Quarantäne.

EHC-Arosa-Geschäftsführer Matthias Kappeler sorgt sich neben der Gesundheit seiner Spieler auch um die Durchführung der Arosa Ice Classic. Am 29. Dezember würde das Aroser MSL-Team auf den NLA-Klub SCL Tigers treffen. «Dieser Event ist eine unserer Haupteinnahmequellen. Wenn er nicht stattfindet oder das Spiel auf 1000 Zuschauer begrenzt würde, hätten wir ein sehr grosses Problem», so Kappeler.

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