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Als es der grösste Playoff-Spieler ein letztes Mal machte

Die Eishockey-Playoffs schrieben Geschichten, wie sie Hollywood nicht besser inszenieren könnte. Bei der kitschigsten drehte sich 2015 alles um Reto von Arx, den bislang grössten Schweizer Playoff-Helden.

Südostschweiz
Dienstag, 21. April 2020, 04:30 Uhr Goldene Bündner Sportmomente

Reto von Arx hatte nie die feinsten Hände, war nie der schnellste und hatte nie den härtesten Schuss. Und doch sind sich alle einig: Reto von Arx ist der beste Playoff-Spieler der National-League-Geschichte. Der Emmentaler aus Zollbrück stand 1998 erstmals im Final, gewann 2002 seine erste Meisterschaft mit Davos und 2015 mit 38 den sechsten und letzten Titel. Dreimal erzielte Reto von Arx für den HCD das meisterschafts-entscheidende Tor: 2002, 2009 und eben 2015. Seine ganze Karriere lang verstand es RvA wie kein anderer, Taten statt Worte für sich sprechen zu lassen.

Aber am 11. April 2015 im Hallenstadion sprach sogar Reto von Arx von «Kitsch». Davos gewann die Serie in fünf Spielen. Im fünften Spiel brachte von Arx den HCD in der 50. Minute 1:0 in Führung, die Davoser siegten letztlich mit 3:0.

Von Arx’ letzes Tor für den HCD (ab 1:19:00)

Von Arx wurde in den Playoffs bloss noch viermal eingesetzt. Seit Februar wusste er, dass er und sein Bruder Jan in Davos keinen Vertrag mehr erhalten würden. In der ganzen Saison gelang RvA vor dem Final nur ein Goal. Und dann entschied er in seinem 1004. NLA-Spiel die Meisterschaft - ein Märchen wie aus den morgenländischen Erzählungen «Tausendundeine Nacht».

Beinahe-Transfer zu Langnau

An diesem Frühlingsabend im Hallenstadion wusste Reto von Arx noch nicht, dass dies sein letztes Spiel gewesen war. Die Hoffnung, doch noch einen Vertrag zu erhalten, starb zuletzt. Bis in den Sommer verhandelten die Von-Arx-Brothers mit anderen Klubs. Mit Langnau waren sie sich schliesslich im Prinzip einig. Am Ende unterschrieben sie aber doch nicht, weil «ich mir nicht vorstellen konnte, mit einem anderen Klub als Gegner des HCD nach Davos zu kommen», so Reto von Arx. Es sei damals der richtige Entscheid gewesen: «Heute kann ich sagen: Ich hatte viel weniger Mühe damit, aufzuhören, als ich es zunächst befürchtet hatte.»

Noch mehr Kitsch gefällig? Ein Akteur der ZSC Lions blieb damals mit Tränen in den Augen lange bei Reto von Arx stehen: Mathias Seger. Seger war traurig, verloren zu haben, aber er freute sich für von Arx, denn «Reto ist eine unglaubliche Persönlichkeit und ein grossartiger Mensch. Dass gerade er nach dieser Vorgeschichte das entscheidende Tor schiesst... Der Sport schreibt die grössten Geschichten.» Drei Jahre später wurde Seger in einer weiteren Kitsch-Story beim Abschied auch nochmals Meister.

«Der Kübel geht zum Berri, bis er bricht.»

Wer an den Playoff-Final von 2015 denkt, der erinnert sich aber nicht nur an Reto von Arx und Leonardo Genoni, der in den Playoffs fantastisch hielt und erstmals Meister wurde, sondern auch an die Episode, die sogar im Ausland thematisiert wurde. Paul Berri, die damals 75-jährige Legende des HC Davos, liess den Meisterpokal fallen. Dieser zerbrach. «Der Kübel geht zum Berri, bis er bricht», soll jemand gesagt haben. Berri musste in Interviews erklären, was mit «dem huara Ding» passiert ist.

Denn zum dritten Mal in fünf Jahren war die Trophäe am Meisterabend zumindest beschädigt worden. Bei der Meisterfeier zehn Tage später feierte der HCD mit einer alten Trophäe. Denn im Gegensatz etwa zum Stanley Cup darf der Schweizer Meister seinen Pokal behalten.

Später liess der HCD aus veredeltem Plexiglas Ersatz herstellen. Ein Fan, der Überreste des Pokals gefunden hatte, versuchte den Sockel online zu versteigern. Davos unterband als rechtmässiger Besitzer diese A(u)ktion. (sda/krt)

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