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Wie in Davos die Ära Del Curto zu Ende ging

Vor genau einem Jahr hat der HC Davos bekannt gegeben, dass Arno Del Curto als Trainer des HC Davos zurückgetreten ist – nach über 22 Jahren. Ein Rückblick auf einen Tag, der die Bündner Sportwelt bewegte.

Südostschweiz
Mittwoch, 27. November 2019, 04:30 Uhr Heute vor einem Jahr
Am 27. November 2018 legte Arno Del Curto sein Traineramt in Davos nieder. Wir blicken zurück.
KEYSTONE

27. November 2018. Es ist kurz nach 10 Uhr morgens, als der HC Davos in einem Schreiben an die Medien eröffnet, dass Trainer Arno Del Curto zurückgetreten ist. «Arno war aber weit mehr als nur ein Erfolgstrainer», schreiben die HCD-Verantwortlichen: «Einzigartig die leidenschaftliche Art, mit der er seine Spieler formte. Und mit einem ausgeprägten, offensiven Tempospiel hat er nicht nur die HCD-Fans, sondern sämtliche Anhänger von attraktivem, spektakulärem Eishockey während vieler Jahre begeistert.»

Eine Meldung wie ein Hammerschlag

In der Tat hat der mittlerweile 63-jährige Del Curto den Schweizer Rekordmeister geprägt wie kein Zweiter. Er führte den HC Davos zu sechs Meistertiteln (2002, 2005, 2007, 2009, 2011, 2015) sowie fünf Spengler-Cup-Triumphen (2000, 2001, 2004, 2006, 2011). In der Champions-Hockey-League begeisterte der HCD in der Saison 2015/16 unter der Leitung des charismatischen Engadiners mit dem Vorstoss in den Halbfinal.

Wie es zum Rücktritt kam

Doch welche Ereignisse führten dazu, dass Del Curto nach 22 Jahren plötzlich einen Schlussstrich zog? Denn zumindest der Zeitpunkt des Rücktritts kam für viele überraschend. Zwei Tage zuvor hatten die Davoser (17 Punkte aus den ersten 20 NL-Spielen) die ZSC Lions auswärts noch mit 5:1 bezwungen. Die sportliche Wende zum Guten schien möglich.

Als einer der Ersten war es René Weber, Leiter Sport der «Südostschweiz», der Del Curto an besagtem Dienstag telefonisch erreichen konnte. «Der Entscheid fiel schon am Samstag», erklärte Del Curto. Also noch vor dem Sieg in Zürich.

Es war ein Entscheid, der in Del Curto schon länger gereift sein musste und den er vielleicht sogar zu spät getroffen hat, wie er zugab. «Vielleicht hätte ich schon vor einem Jahr gehen sollen. Vielleicht waren es sogar zwei Jahre zu viel. Wer weiss das schon», so Del Curto.

Wie die Reaktionen ausfielen

Gemessen an den Verhältnissen im Schweizer Eishockey verleitete Del Curtos Rücktrittsentscheid zu einer imensen Anzahl an Reaktionen. Es äusserten sich auch Exponenten des HC Davos, unter anderem der Präsident und Spieler.

In der Schweizer Medienlandschaft wurde Del Curto überwiegend mit dem gebührenden Respekt vor seinen Errungenschaften mit dem HC Davos verabschiedet.

Und auf Twitter hatte sowieso jede und jeder etwas zum Abgang des Davoser «Hockey-Dads» zu sagen.

Wie es weiterging

Nachdem sich am 27. November 2018 die allgemeine Schockstarre gelegt hatte, wurden die Fragen nach dem «wie weiter?» laut. Denn noch am selben Abend stand das Cup-Viertelfinalspiel gegen die SC Rapperswil-Jona Lakers (3:4 n.V.) auf dem Programm. An der Bande standen Sandro Rizzi und Remo Gross.

Bereits zwei Tage später liess der Klub verlauten, dass interimistisch der bisherige Nachwuchs-Coach Michel Riesen zusammen mit René Müller die Verantwortung für das Davoser Fanionteam übernehmen werde.

Rund drei Wochen liessen sich die Verantwortlichen anschliessend Zeit, ehe sie mit dem Letten Harijs Witolinsch eine Lösung bis Saisonende präsentierten. Harijs Witolinsch war in Graubünden kein Unbekannter. Zwischen 1996 und 2001 war er als Stürmer für den EHC Chur in der NLA und NLB auf Torejagd gegangen.

Im weiteren Saisonverlauf schaffte es Witolinsch zwar nicht, das erstmalige Verpassen der Playoffs seit dem Wiederaufstieg des HC Davos in die NLA 1993 abzuwenden. Letztlich vermochte der Lette die Davoser aber soweit zu stabilisieren, dass ihnen die Schmach des letzten Platzes in der National League erspart blieb und man letztlich souverän – auch weil aus der Swiss League kein Team Aufstiegsambitionen hegte – den Klassenerhalt schaffte. In der laufenden Spielzeit präsentiert sich der HCD unter neuer sportlicher Leitung wieder ausgezeichnet. Nach 19 Spielen weisen die Davoser den besten Punkte-Schnitt der Liga aus.

Und Del Curto? Die Davoser Trainer-Ikone wurde am 14. Januar 2019 bei den ZSC Lions als Nachfolger des entlassenen Trainers Serge Aubin vorgestellt. Indes verpasste es Del Curto, die Zürcher in die Playoffs zu führen, worauf man sich nach der Saison einigte, die Zusammenarbeit nicht fortzuführen. Seither hat sich Del Curto komplett aus dem Eishockey-Geschäft zurückgezogen. (krt)

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