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Der Mann, der beim HCD die Prozesse in Gang setzt

Seit dieser Saison ist Raeto Raffainer Sportchef beim HC Davos. Im Interview mit Radio Südostschweiz spricht der 37-jährige Engadiner über die scheinbar rasante Entwicklung im Klub.

Südostschweiz
Donnerstag, 21. November 2019, 11:00 Uhr Eishockey
Raeto Raffainer blickt auf einen gelungenen Start als Sportchef beim HC Davos zurück.
KEYSTONE

Der HCD fliegt von Sieg zu Sieg. Müssen Sie sich manchmal kneifen?

Raeto Raffainer: Nein, so funktioniere ich nicht so. Sicher bin ich zufrieden, dass die Resultate positiv sind. Aber allgemein bin ich ein sehr prozessorientierter Mensch. Wir hatten auch in den positiven Resultaten Spiele drin, die wir mit Glück gewonnen haben. Dann bin ich selber nicht wirklich zufrieden. Mich interessiert, wie wir uns als Mannschaft entwickeln. Wie wir unser Spiel und unsere Taktik entwickeln.

Wie weit ist denn der HCD in diesem Prozess?

Ich glaube, wir sind etwas weiter als erwartet – auch spielplanbedingt. Wir hatten sehr viel Zeit, um zu trainieren. Und im Vergleich zu anderen Organisationen sind wir nicht so sehr von der Verletzungshexe geplagt. Wir konnten fast jeden Abend mit dem bestmöglichen Kader auflaufen. Daher sind wir etwas weiter als gedacht – trotzdem haben wir in unserem Spiel noch einige Baustellen drin.

Wo haben Sie und Trainer Christian Wohlwend bei Amtsantritt die grössten Baustellen geortet?

Drei Tage nach dem Ende der vergangenen Saison habe ich mit allen Spielern Einzelgespräche geführt, um die Situation zu verstehen. Danach haben wir schnell gesagt, dass es nicht viel bringt, uns gross mit der Vergangenheit aufzuhalten. Als Erstes haben wir dann dafür gesorgt, dass wir ein sehr professionelles und auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmtes Sommertraining durchführen können. Diese Zielsetzung haben wir Athletiktrainer und Mannschaft mit auf dem Weg gegeben. Das war ein sehr wichtiger Faktor. Denn die Spieler sind fit, das sieht man jetzt – und es ist ein Mitgrund dafür, dass wir so wenige Verletzte haben.

Christian Wohlwend kennen Sie bereits von Ihrer Arbeit beim Verband. Inwiefern hat er sich im HC Davos angepasst?

Ich habe ihn beim Verband genauso kennengelernt, wie er auch jetzt ist – ein Headcoach, der delegieren und seinen Assistenten Verantwortung übertragen kann. Er gibt auch die Trainingsleitung teilweise sehr stark ab, das zeichnet einen modernen Coach aus. Über die Jahre wurde er auch etwas ruhiger und gelassener. Er ist nun in der 14. Saison Trainer. Es ist logisch, dass er sich entwickelt hat.

Was bereitet Ihnen am HCD momentan am meisten Freude?

An vielen Abenden gefällt mir das Spiel mit der Scheibe: Wie wir zur Scheibe Sorge tragen und wie wir das Spiel von hinten auslösen. Ich hatte geglaubt, dass wir in diesem Bereich länger «rumknorzen» werden. Nun machen wir das aber teilweise schon sehr gut. Teilweise, wie im Spiel gegen Genf, aber auch nicht so gut. Jedoch werden wir das immer wieder erleben. Der Prozess beim Spiel mit der Scheibe wird nie abgeschlossen sein. Hier müssen wir uns jeden Tag weiterentwickeln.

«Die grösste Veränderung war ja, dass der Verwaltungsrat sehr viel Sport-Know-How an Bord geholt hat.»

In der sportlichen Führung ist der HCD ganz anders aufgestellt als vor Ihrer Zeit. Eine Veränderung, die offenbar mühelos vonstattenging.

Die grösste Veränderung war ja, dass der Verwaltungsrat sehr viel Sport-Know-How an Bord geholt hat. Neben mir als Sportchef haben wir sechs Profitrainer – jeder in einem Bereich verantwortlich. Der Headcoach gibt ihnen diese Verantwortung auch, was sehr wichtig ist. Letzten Endes sind wir viele Personen mit viel Wissen. Dieses versuchen wir zu bündeln und so die richtigen Entscheidungen zu treffen.

War es für die Spieler sogar eher eine Befreiung, dass die Strukturen im Klub angepasst wurden?

Das kann ich nicht beurteilen. Die Strukturen sind hier nun ähnlich, wie ich sie bereits in der Nationalmannschaft installieren durfte. Als der HCD-Verwaltungsrat auf mich zukam, habe ich ihnen diesen Plan vorgelegt. Ich bin froh, dass der HCD mir diese Chance gab und auch die Finanzierung dieser zusätzlichen Posten im Bereich des Sport-Know-Hows ermöglichte.

Was stimmt Sie zuversichtlich, dass die aktuellen sportlichen Erfolge nachhaltig sind?

Im Sport sind solche Voraussagen schwierig. Du musst jeden Tag performen, du musst erreichen, dass die Spieler jeden Tag alles geben. Wenn wir so spielen, wie gegen Genf, werden wir nicht viele Spiele gewinnen. Aber wenn wir eine solche Struktur im Spiel haben wie etwa kürzlich bei den sieben gewonnenen Spielen in Serie, sind wir fähig, alle zu schlagen. Wie weit uns das bringen wird, werden wir sehen. Aber von unserem Weg bin ich überzeugt.

Raffainers Antworten zum Nachhören

Raffainer über die aktuellen Erfolge

Raffainer über den Fortschritt im Entwicklungsprozess

Raffainer über seine ersten Amtshandlungen

Raffainer über Trainer Christian Wohlwend

Raffainer über die Fortschritte beim Spiel mit der Scheibe

Raffainer über das zusätzliche Sport-Know-How im Klub

Raffainer über die angepassten Strukturen im Klub

Raffainer blickt in die Zukunft

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