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Rosige Aussichten für Josi, Hischier und Meier

Vor der neuen NHL-Saison können sich 17 Schweizer Hoffnungen auf Einsätze machen. Unbestrittene Leistungsträger sind allerdings nur Roman Josi, Timo Meier, Nico Hischier und Nino Niederreiter.

Agentur
sda
Mittwoch, 02. Oktober 2019, 09:41 Uhr Eishockey

SAFTIGE LOHNERHÖHUNGEN. Bei neun Schweizern laufen nach der Saison die Verträge aus. Unter ihnen befinden sich Roman Josi und Nico Hischier, die mit massiven Lohnerhöhungen rechnen können. Ersterer startet in seine dritte Spielzeit als Captain der Nashville Predators. Der 29-jährige Berner ist unbestritten einer der besten Spieler der Liga, im jährlichen Ranking der offiziellen Website der NHL wurden nur sieben Verteidiger höher eingestuft. Insbesondere die läuferischen Fähigkeiten von Josi sind herausragend. In den Statistiken, wie oft er den Puck aus der eigenen Zone respektive in die gegnerische Zone getragen hat, war er in der vergangenen Saison die klare Nummer 1 der Liga.

Einigt sich der MVP der WM 2013 mit den Predators vor dem 1. Juli 2020 nicht auf einen neuen Vertrag, kann er den Arbeitgeber frei wählen. Josi hat allerdings deutlich gemacht, dass er gerne in Nashville bleiben würde - er hat sich in der Vorstadt ein schönes Anwesen gekauft. Dass es noch zu keiner Einigung gekommen ist, erstaunt viele. Josi nimmt es jedoch gelassen. Es gehört für ihn zum Geschäft. «Alles, was ich tun kann, ist, für die Saison bereit zu sein», sagte er dazu. Unter acht Millionen Dollar pro Jahr dürfte er nicht zu halten sein.

Die Predators blicken auf eine enttäuschende Spielzeit zurück. Sie schieden in den Playoffs in der ersten Runde aus. Nun wurde das Team mit dem Zuzug von Matt Duchene veredelt, der zu den Topstürmern der NHL gehört. «Er ist ein grossartiger Spieler», schwärmt Josi, der im Sommer seine langjährige Freundin Ellie Ottawa geheiratet hat. «Wir haben vorne so viel Talent. Unsere Erwartungen sind hoch.» Hinten wird noch mehr vom Schweizer abhängen, da P.K. Subban zu den New Jersey Devils gewechselt hat.

Subban spielt nun zusammen mit Mirco Müller und Hischier. Letzterer nimmt seine dritte Saison mit den Devils in Angriff, womit er sich im letzten Jahr seines Entry-Level-Vertrages befindet. Dieser ist mit dem Total von 2,775 Millionen Dollar dotiert, wobei noch Bonus-Zahlungen dazukamen respektive dazukommen. Auch der Erstrunden-Draft von 2017 wird ab 2020 deutlich mehr verdienen. Er hat in den ersten beiden Saisons in der besten Liga der Welt mit 38 Toren und 62 Assists in 156 Spielen bewiesen, welchen Wert er hat. Dabei lief es im zweiten Jahr mit den Devils nicht wie gewünscht. Er hatte mit Verletzungen zu kämpfen, New Jersey verpasste die Playoffs. «Es ist ein Lernprozess», sagte Hischier. «Es geht nicht immer auf, manchmal muss man untendurch. Das macht einen stärker.»

Die Devils scheinen auf dem Papier deutlich stärker zu sein. Neben Starverteidiger Subban stiessen Nikita Gussew, Wayne Simmonds und der diesjährige Erstrunden-Draft Jack Hughes zum Team. Ausserdem ist der im Juni 2018 zum MVP der Liga gekürte Taylor Hall, der in der vergangenen Saison mehrheitlich verletzt war, wieder fit. Mit ihm hat Hischier in seiner ersten Spielzeit in der NHL hervorragend harmoniert. «Meine persönlichen Ziele sind, dem Team zu helfen, mich spielerisch und menschlich weiterzuentwickeln und die Playoffs zu erreichen», so Hischier.

BESTÄTIGUNG. Den grossen Vertrag schon unterschrieben hat Timo Meier. Der 22-jährige Ostschweizer erhielt im Sommer von den San Jose Sharks einen Kontrakt über vier Jahre, der ihm 24 Millionen Dollar einbringt. Es war die Belohnung für eine starke Saison, in der er sowohl in der Qualifikation (30 Tore, 36 Assists) als auch in den Playoffs (5, 10) einen Schweizer NHL-Punkterekord aufstellte. Nun gilt es, die starken Leistungen zu bestätigen. Allerdings ist für ihn der neue Vertrag mehr Motivation als Belastung. Ohnehin ist er es selber, der die grössten Erwartungen an sich stellt.

Meier dürfte nach dem Abgang von Captain Joe Pavelski zu den Dallas Stars noch mehr Verantwortung erhalten. Darauf freut er sich. «Es ist eine neue Chance für einen Mann wie mich. Ich will ein Anführer sein.» Welch grosse Stücke San Joses Headcoach Peter DeBoer auf Meier hält, unterstreicht folgende Aussage: «Ich denke, Timo wird hier eines Tages einen Buchstaben auf seinem Trikot tragen, da habe ich keine Zweifel.»

PREMIEREN. Zu seiner Premiere in der NHL könnte der nicht gedraftete Gaëtan Haas kommen. Der 27-jährige Center versucht, sich bei den Edmonton Oilers mit Starstürmer Connor McDavid durchzusetzen. Er sieht das Ganze entspannt: «Es ist ein guter Druck. Ich habe nichts zu verlieren, kann nur gewinnen», sagte Haas. Gelingt ihm der Durchbruch nicht, wäre wohl die Rückkehr zum SC Bern ein Thema.

Auf jeden Fall eine Premiere gibt es in der Nacht auf Freitag, wenn Ralph Krueger mit den Buffalo Sabres in Pittsburgh an der Bande steht. Er ist der erste Schweizer Headcoach in der NHL. Zwar hatte der langjährige Schweizer Nationaltrainer das gleiche Amt in der Saison 2012/13 schon bei den Edmonton Oilers inne, den roten Pass besitzt er aber erst seit diesem April. Krueger, der am 31. August seinen 60. Geburtstag gefeiert hat, erhält in Buffalo eine grosse Chance. Die Sabres waren zuletzt ein notorisches Verliererteam und haben achtmal hintereinander die Playoffs verpasst. Keine andere NHL-Mannschaft hat so lange nicht mehr die K.o.-Runde erreicht. Für Krueger, der als grosser Motivator gilt, ist es eine Rückkehr ins Eishockey. Zuletzt hatte er den FC Southampton in der Premier League als CEO geführt.

ZUKUNFT. Während Josi und Hischier mit einer massiven Lohnerhöhung rechnen können, geht es für die übrigen sieben Schweizer mit auslaufenden Verträgen in erster Linie darum, sich weiter für die NHL aufzudrängen. Es sind dies neben Haas Dean Kukan, Denis Malgin, Mirco Müller, Jonas Siegenthaler, Yannick Weber und Calvin Thürkauf. Letzterer beginnt die Saison in der AHL. Wie schnell es gehen kann, erfuhr Sven Bärtschi, der von den Vancouver Canucks trotz ordentlicher Skorerwerte ins Farmteam Utica Comets abgeschoben wurde.

FAVORIT. Obwohl die Tampa Bay Lightning nach der Rekordmarke von 62 Siegen in der vergangenen Qualifikation in der ersten Playoff-Runde mit 0:4 an den Columbus Blue Jackets gescheitert sind, sind sie auch in der neuen Saison der meistgenannte Favorit auf den Stanley-Cup-Sieg. Dahinter werden den Vegas Golden Knights, den Toronto Maple Leafs und den Boston Bruins die grössten Chancen eingeräumt. Die letzte Saison hat jedoch gezeigt, dass alles möglich ist. Die St. Louis Blues holten zum ersten Mal den Pokal, nachdem sie Anfang Januar noch das schlechteste Team der Liga gewesen waren. Auch die Carolina Hurricanes steigerten sich nach dem Trade von Nino Niederreiter massiv und scheiterten erst im Halbfinal.

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