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Keine «One-Man-Show» mehr an der Davoser Bande

Die Sportredaktion der Medienfamilie Südostschweiz blickt in einer vierteiligen Serie auf die Mannschaftsteile des HC Davos. Vertreter der Zeitungs-, TV-, Radio- und Online-Redaktion versehen diese mit Bewertungen von einem (=katastrophal) bis zehn (=meistertauglich) Steinböcken. Im vierten und letzten Teil unter der Redaktions-Lupe: Der Staff.

Südostschweiz
Donnerstag, 12. September 2019, 04:30 Uhr Kaderanalyse Teil 4

Roman Michel (Zeitung Südostschweiz): 7/10 Steinböcke

Motivationskünstler Wohlwend, das Fachwissen von Waltteri Immonen, die Kommunikationsstärke von Johan Lundskog – das könnte aufgehen. Wohlwend zeigte bei der U20-Nationalmannschaft, dass ihm die Arbeit mit jungen Spielern liegt, viele Akteure kannte er schon vor seiner Unterschrift in Davos. Seine Schwäche: die Unerfahrenheit auf Klubebene. Behält Wohlwend seine Coolness auch dann, wenn es nicht läuft? Kann er, der mit seinen Spielern ein eher freundschaftliches Verhältnis pflegt, auch mal auf die Pauke hauen? Eines ist klar: Wohlwend wird in Davos die Zeit bekommen, die er braucht, um etwas aufzubauen. Und mit jungen Trainern aus dem Engadin hat man im Landwassertal zuletzt ja gute Erfahrungen gemacht.

 

Jan Zürcher (TV Südostschweiz): 8/10

Dass der HCD ohne Arno Del Curto in eine Saison steigen würde, war in Davos lange Zeit undenkbar. Nun ist es soweit – mit Christian Wohlwend weht ein neuer Wind durch die (bald umgebaute) Davoser Eishalle. Trotzdem ist «Wolwo» dem Vergleich mit Arno ausgesetzt: Beides Engadiner, beide impulsive, emotionale Trainer, beide lieben offensives Temp-Hockey und beide kamen vom U20-Nationalteam nach Davos. Aber Wohlwend steht sinnbildlich für den Neuanfang in Davos und wird durch die beiden Skandinavier Waltteri Immonen (FIN) und Johan Lundskog (SWE) optimal ergänzt. Lundskog orchestriert die Offensivabteilung, Immonen festigt die zuletzt marode Abwehr. Die Coaching-Strukturen wurden insgesamt professionalisiert. Ob Wohlwend einen Klub des Formats HC Davos führen kann, wird sich zeigen. Ich sage: Er coacht den HCD in die Playoffs.

 

Gian Andrea Accola (Radio Südostschweiz): 6/10

Freies Feld, Tabula Rasa, ein leeres Blatt Papier. Zurück auf Feld 1. Neue Strukturen, neue Gesichter, eine neue Philosophie? Die Davoser Organisation hatte eine Modernisierungskur dringend nötig. Hat Christian Wohlwend je eine Klubmannschaft zum Erfolg geführt? Nein. Disqualifiziert ihn das als Klubcoach? Überhaupt nicht. Er erreicht eine Mannschaft, steht wenn nötig für sie ein, ist gnadenlos ehrlich. Mit sich selbst, mit dem Team, in der Öffentlichkeit. Nach den Geheimniskrämereien und internen Machtkämpfen während der Ära Del Curto kann Wohlwends erfrischende Aufrichtigkeit das Zünglein an der Waage zu einer nachhaltigen Wende beim HCD sein – im Spiel und noch viel mehr in der Vereinskultur. Es ist ihm zu wünschen. Keine übertriebenen Vorschusslorbeeren, aber auch keine Vorschusskritik.

 

Tobias Kreis (Südostschweiz Online): 7/10

Erstmals in der fast 100-jährigen Klubgeschichte ist der HC Davos abseits des Eisfelds wirklich professionell aufgestellt. Bereits dafür gibt es sieben von zehn Steinböcken. Wie gut die Rädchen zwischen dem Team, dem neuen Trainerquartett Wohlwend/Lundskog/Immonen/Mettler, dem neuen Sportchef Raffainer und Geschäftsführer Gianola tatsächlich ineinandergreifen, wird sich zeigen. Eine Bewertung quasi vor Arbeitsbeginn ist kaum möglich. Gut für den HCD: Wohlwend und Co. geniessen viel Kredit und werden nicht bereits nach den ersten Niederlagen ins Kreuzfeuer der Kritik geraten.

 

Redaktions-Total Staff: 28/40

Redaktions-Total Sturm: 29/40

Redaktions-Total Verteidigung: 20/40

Redaktions-Total Goalies: 22/40 

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